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Mountainbike-Fahrerin Sabine Spitz:40 Jahre, ein Sturz, drei Medaillen

Viel hatte man Sabine Spitz nicht zugetraut vor dem Olympia-Rennen mit dem Mountainbike in der Grafschaft Essex. Doch die 41-Jährige profitiert von einer stressfreien Vorbereitung und vom besten Material. Sie gewinnt Silber und ist nun die einzige Fahrerin mit drei Olympia-Medaillen.

Volker Kreisl, Hadleigh Farm

Die Strecke gestattete keine Pausen. Der Rhythmus des olympischen Mountainbike-Kurses auf der Hadleigh Farm war anspruchsvoll. Die kurzen und steilen Anstiege mündeten recht schnell in Hindernisse. Die Schikanen hatten klangvolle Namen wie Schlangenhügel, Dreifach-Ärger, Hasenloch oder Atemräuber, und überhaupt lag die Strecke an der Themse-Mündung.

Olympia 2012: Mountain Bike

Zieleinfahrt: Sabine Spitz jubelt über ihre dritte olympische Medaille.

(Foto: dapd)

Vom Meer her wehte schon den ganzen Vormittag eine steife Brise über den Schlangenhügel. "Der Wind stand eigentlich ständig auf der Strecke", sagte Sabine Spitz. Silber hat sie dennoch gewonnen, als 40-Jährige.

Spitz ist nun die einzige Mountainbikerin, die drei Medaillen bei Olympia gewonnen hat, nach Bronze in Athen und Gold in London. Sie ist also schon länger dabei und nebenbei genoss sie durchaus offen die Tatsache, dass sie gegen Jüngere mithalten konnte. Mehr noch, sie hatte deutlich Jüngere abgehängt und landete einen kleinen Seitenhieb gegen Altersskeptiker: "Das ist jetzt auch ein bisschen Genugtuung gegenüber manchen Stimmen, die mir das nicht mehr zugetraut hatten."

Spitz war die Älteste im Feld, die meisten Konkurrentinnen waren grob zehn Jahre jünger. Goldmedaillengewinnerin Julie Bresset aus Frankreich ist 23 Jahre alt, auf dem Bronzeplatz landete Georgia Gould, 30, aus den USA.

Um den großen Erfolg zu ermöglichen, hatte Spitz auf viele kleinere Wettkämpfe zuletzt verzichtet. Die Weltcups in Übersee hatte sie ausgelassen, weshalb sie in der Serie in dieser Saison keine nennenswerte Rolle spielt. Auch die Ergebnisse bei den näher gelegenen Weltcups machten sie nicht gerade zu einer Medaillenkandidatin. Spitz kam nicht mehr über einen sechsten Platz hinaus. Immerhin, von der Europameisterschaft dieses Jahres kam sie als Drittplatzierte zurück.

Zu den Favoriten zählten in London also andere, neben Bresset und Gould vor allem Weltmeisterin Cathrin Prendel aus Kanada und Katerina Nash, 35, die Tschechin, die in ihrem ersten Sportlerleben mal Langläuferin war. Spitz setzte dagegen eine gezielte stressfreie Vorbereitung, einige Erfahrung und das bessere Material. Eine Woche vor dem Rennen hatte sie in Deutschland ein leichteres Mountainbike geordert, das sich als ideales Gerät für die Hadleigh-Farm herausstellte. Das Rad hat eine spezielle Mittelgröße, nur ein Kettenblatt, es ist eine Art Kombi-Lösung, wendig und stabil zugleich.

Der Aufwand hat sich gelohnt. "Sie war lange sogar mit dabei im Kampf um Gold", sagte Ralf Schäuble, Ehemann und Trainer. "Dann ist sie etwas aus dem Rhythmus gekommen, hat aber Platz zwei sicher ins Ziel gebracht."

Spitz hatte sich nach dem Start gleich unter die ersten Fünf gemischt und in das erste Hindernis, den Triple-Trouble, gestürzt. Bald setzte sie sich vor die anderen und blieb während des gesamten Rennens bis auf kurze Ausnahmen auf Position zwei. Eine Schrecksekunde musste sie überstehen, als sie gegen Ende der dritten Runde stürzte. Zwischen einer Felsenkombination war sie von der Ideallinie abgekommen, mit dem Vorderrad hängengeblieben und hatte sich überschlagen. Bresset war uneinholbar enteilt, aber Spitz fand nach einigen Minuten wieder ihren Rhythmus zurück. Am Ende blieb eine Schürfwunde am Knie, ein Kratzer im Lack des Spezialrads und die dritte Medaille bei Olympia.

© Süddeutsche.de/hum/luk

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