Motorsport Formel 1 macht Boxenstopp an der Wall Street

Lewis Hamilton sichert sich zum fünften Mal die Pole Position in Monza. Das schafften nur Ayrton Senn und Juan-Manuel Fangio vor ihm.

(Foto: Andrej Isakovic/AFP)

Lewis Hamilton dominiert in Monza die Qualifikation und wird sogar von Nico Rosberg gelobt. Das größere Thema ist aber der geplante Verkauf der Rennserie - für 8,5 Milliarden Dollar.

Von Elmar Brümmer, Monza

Eine halbe Sekunde Vorsprung auf einer Rennstrecke, auf der es praktisch nur mit Vollgas geradeaus geht, das ist eine Ansage. Nico Rosberg, der in der Qualifikation zum Großen Preis von Italien von seinem Silberpfeil-Teamkollegen Lewis Hamilton vorgeführt wurde, hatte nur eine Erklärung für den Abstand: "Ich hatte kein Problem. Mein Problem war, dass Lewis seine beste Runde seit langem gefahren ist." Der Brite steht zum siebten Mal in dieser Formel-1-Saison auf der Pole-Position, zum fünften Mal in seiner Karriere im Autodromo Nazionale. Das haben zuvor nur Juan-Manuel Fangio und Ayrton Senna geschafft. "Es ist eine Ehre für mich, künftig mit den beiden in einem Atemzug genannt zu werden", sagt der Titelverteidiger. Die vergangenen sechs Rennen in Monza wurden von der Pole-Position gewonnen.

Die große Historie der Rennstrecke im Königlichen Park wird sich auch über den WM-Lauf am Sonntagnachmittag hinaus fortsetzen: Mit Unterstützung der Region Lombardei hat der Veranstalter den Vertrag um drei weitere Jahre bis 2019 verlängert. Dafür wandern insgesamt 68 Millionen Dollar in die Kassen der Formel 1, was im Verhältnis ein Schnäppchen und der Rolle des Klassikers im WM-Kalender geschuldet ist.

Jahresgewinn von etwa 400 Millionen Dollar

Richtig Kassensturz soll aber am Dienstag gemacht werden. Nach jahrelangen vergeblichen Versuchen, die Vermarktungsrechte an der Formel 1 zu verkaufen und die Rennserie an die Börse zu bringen, steht das Geschäft kurz vor dem Abschluss. Den Zuschlag soll der US-Unterhaltungskonzern Liberty Media erhalten, der dem Milliardär John Malone gehört. Der 75-Jährige, der zu den größten Waldbesitzern der USA zählt, über seine Beteiligungen aber auch den Baseball-Klub Atlanta Braves besitzt, soll dafür angeblich 8,5 Milliarden Dollar überweisen. Mit der ersten Rate soll der Deal Anfang der Woche perfekt gemacht werden.

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Zuletzt hatten sich Investoren aus Katar, Florida und Singapur um die Rechte bemüht, auch Red-Bull-Konzernherr Dietrich Mateschitz war im Gespräch gewesen. Der Umsatz der Formel 1 bewegt sich an der Zwei-Milliarden-Dollar-Grenze, der Gewinn lag bei etwa 400 Millionen Dollar. An die Rennställe müssen etwa 65 Prozent der Vermarktungseinnahmen abgeführt werden, die Summe soll sich mit Bonuszahlungen auf etwa eine Milliarde Dollar belaufen.

Das Fachmagazin auto, motor und sport spricht davon, dass mit dem Deal "ein neues Zeitalter in der Königsklasse" beginnt. Ecclestone hat den Verkauf gegenüber dem Magazin bestätigt, will aber nach den Erfahrungen der Vergangenheit erst abwarten, ob der Betrag auf dem Konto eingeht. Es geht dabei um 35,1 Prozent der Anteile an einer Holding, zu der wiederum die Firma FOA (Formula One Administration) gehört - der Besitzerin der Vermarktungsrechte an der Formel 1. Diese 35,1 Prozent sind nicht nur das größte Beteiligungspaket, es sind auch die einzigen stimmberechtigten Anteile, und diese gehören der Investorengemeinschaft CVC Capitals mit Sitz in Luxemburg. Ecclestone selbst besitze 5,3 Prozent.

Wird Bernie Ecclestone tatsächlich Macht abgeben?

Nach der Übernahme durch Liberty Media soll die Formel 1 in einem weiteren Schritt an die Wall Street gebracht werden. Ob Bernie Ecclestone, der die Geschäfte seit über vier Jahrzehnten führt, noch mit an Bord sein wird oder bald ausscheidet? Es wird von einer Übergangslösung gesprochen, Formel-E-Geschäftsführer Alejandro Agag wird als einer der potenziellen Nachfolger ebenso ins Spiel gebracht wie Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Aber der 86 Jahre alte Ecclestone ist nicht dafür bekannt, Macht zu teilen: "Ich tue, was ich immer getan habe. Es ist meine Entscheidung, welche Rolle ich einnehme. We will see."

Liberty Media wird wohl das Geschäftsmodell der Formel 1 verändern. Bislang wurden die meisten Einnahmen durch die Antrittsgelder generiert, doch das Wachstum ist - siehe das Beispiel Deutschland - begrenzt. Malone, der selbst im großen Stil im Veranstaltungs- und Mediengeschäft tätig ist, will eine Refinanzierung durch den Zuwachs beim Verkauf der Bewegbildrechte schaffen, auch stärker im digitalen Bereich. In Deutschland ist Malone am Kabelnetzbetreiber Unitymedia beteiligt, in anderen europäischen Ländern kooperieren seine Firmen mit Mobilfunkanbietern. Die Formel 1 orientiert sich in letzter Zeit ohnehin stärker am Bezahlfernsehen.

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