Motorsport:Das große Puzzeln in der Formel 1

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Künftig Konkurrenten in einem Team: Lewis Hamilton und Valtteri Bottas. (Foto: dpa)
  • Der Nachfolger von Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg ist gefunden: Valtteri Bottas sitzt künftig im Mercedes-Cockpit.
  • Der Finne ist nach zähen Ablöse-Verhandlungen mit dem Williams-Rennstall freigegeben worden.
  • Nico Rosberg wird offizieller Botschafter des Mercedes-Teams.

Von Elmar Brümmer

Der Nachfolger von Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg ist gefunden, zumindest was das Cockpit im Mercedes-Werksteam angeht. 45 Tage nach dem Rücktritt des Wiesbadeners ist am Montagnachmittag das am schlechtesten gehütete Geheimnis der neuen Grand-Prix-Saison gelüftet worden: Valtteri Bottas, 27, wird von Ende März an als elfter Silberpfeil-Fahrer der Formel-1-Geschichte an den Start gehen. Kein leichtes Erbe.

Der Finne ist nach zähen Ablöse-Verhandlungen mit dem Williams-Rennstall freigegeben worden. Man wolle den Ambitionen Bottas nicht im Weg stehen, bekannte Teamchefin Claire Williams schon am Wochenende - und signalisierte damit die Bereitschaft des letzten Privatteams für den Ringtausch. Ob dafür ein Bonus in bar oder in Form eines Rabattes auf die Leasingmotoren geflossen ist, wurde nicht bekannt - es soll um eine Summe zwischen 15 und 20 Millionen Dollar gehen. Aber der Fahrertransfer erhöht auch die Chancen, dass der bisherige Mercedes-Technikchef Paddy Lowe in Kürze und friedlich in eine leitende Funktion beim britischen Traditionsrennstall eintreten kann.

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Es ist also ein komplexes Puzzlespiel quer durch alle Rennställe, das durch Rosbergs Demission ausgelöst wurde. Dabei geht es nicht nur um kurzfristige Besetzungen, sondern auch um die Zeit von 2018 an - wenn noch andere Fahrergrößen frei werden könnten. Über die Laufzeit des neuen Kontraktes mit Bottas ist offiziell jedenfalls nichts bekannt, ein Ein-Jahres- Vertrag mit fixen Optionen ist denkbar.

Massa tritt von seinem Rücktritt zurück

Nach seiner im Herbst verkündeten Vertragsverlängerung mit Williams ist Bottas' Wechsel ist jetzt möglich geworden, weil der Brasilianer Felipe Massa von seinem Rücktritt zurücktritt. Der 35-Jährige, eigentlich für einen Auftritt in der Alternativ-Formel E gesetzt, wird noch einmal eine Saison dranhängen, sicher auch gegen eine gestiegene Vergütung. Er soll bei Williams den Mentor für das kanadische Talent Lance Stroll, 18, spielen. Massa beteuert, seinen Entschluss für das "Team seines Herzens" gern revidiert zu haben.

Der letzte große Wechseltag in der Königsklasse begann am Montag zur Mittagszeit mit der Bekanntgabe des Sauber-Rennstalls, das Pascal Wehrlein künftig für die Schweizer fahren wird. Der ehemalige DTM-Champion Wehrlein, 22, schien zunächst auch ein Kandidat für die Rosberg-Nachfolge zu sein und hätte als Mercedes-Eigengewächs auch gut ins Vermarktungskonzept gepasst.

Nach seiner Debütsaison beim Schlusslicht Manor (das inzwischen Konkurs angemeldet hat) sah das Mercedes-Management den Sigmaringer jedoch als noch nicht reif genug für die Aufgabe an, sowohl Lewis Hamilton unter Druck zu setzen wie auch das Team angesichts eines kräftigen Einschnitts im technischen Reglement nach vorn zu treiben. "Für Pascal ist es der richtige Weg", bekräftigt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff den Transfer.

Bottas, der seit sieben Jahren bei Williams einen stetigen Aufwärtstrend gezeigt hatte, bringt neben den Ambitionen ("Im richtigen Auto kann ich gewinnen") auch die nötige Erfahrung mit. Wolff, der den Skandinavier in den vergangenen Jahren von seiner Agentur hatte vermarkten lassen, hat Bottas nun die Chance seines Lebens geboten: "Jetzt werden wir sehen, ob er mit der Herausforderung wachsen und um Rennsiege sowie Weltmeisterschaften mitkämpfen kann." In 77 Formel-1-Rennen hat Bottas neun Mal auf dem Podium gestanden - nur noch nie ganz oben.

Auch für den in Mittelengland ansässigen Mercedes-Rennstall insgesamt sieht Wolff den Neustart als Bewährungsprobe: "Manchmal bringen unerwartete Umstände im Leben interessante Möglichkeiten mit sich. Nicos Entscheidung war ganz gewiss eine herausfordernde Situation, der sich das Team stellen musste. Aber wer den Sturm übersteht, geht gestärkt hervor. Deshalb sehen wir darin eine weitere Gelegenheit für uns, zu wachsen." Wolff sieht ein anstrengendes Programm auf den neuen Fahrer und die Crew zukommen, in sechs Wochen beginnen die Testfahrten, in 70 Tagen ist der Rennstart in Melbourne.

Rosberg trifft Hamilton wieder

Immerhin: Bottas kennt das Mercedes-Hybridaggregat schon aus den letzten drei Jahren. Er ist ein stiller, aber zäher Motorsportler. Dementsprechend trainiert er schon seit Weihnachten, als sich der Wechsel bereits abzeichnete, mit erhöhter Intensität. Er verspricht: "Ich bin bereit, hart zu arbeiten, um mich in den Augen des Teams zu bewähren und meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Diese Saison wird eine echte Herausforderung und der Teamwechsel macht es noch einmal schwieriger. Aber ich bin zu 100 Prozent bereit dafür. Ich lege mir die Messlatte stets sehr hoch. Deshalb ist es mein Ziel, vom ersten Rennen an Leistung abzuliefern."

Und ganz am Ende des Tages hat auch Formel-1-Frührentner Nico Rosberg noch einen neuen Teilzeit-Job bekommen: Der 31-Jährige wird offizieller Botschafter des Mercedes-Teams. Als solcher tritt er gleich an diesem Dienstag auf einer Uhrenmesse auf, an der Seite von Lewis Hamilton. Alles wie immer - und doch alles neu.

© SZ vom 17.01.2017 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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