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Motorrad-Pilot Marco Simoncelli:Weltmeister stirbt nach Sturz

Der italienische Motorrad-Rennfahrer Marco Simoncelli ist beim Großen Preis von Malaysia tödlich verunglückt. Der frühere Weltmeister in der 250-Kubikzentimeter-Klasse stürzte in der ersten Runde des MotoGP-Rennens schwer und erlag seinen Verletzungen. Simoncelli wurde 24 Jahre alt.

Der Motorrad-Rennsport trauert um Marco Simoncelli. Nach einem Horror-Unfall erlag der 24 Jahre alte Italiener am Sonntag noch an der Rennstrecke in Sepang seinen schweren Verletzungen, die er sich im Rennen der Königsklasse MotoGP beim WM-Lauf von Malaysia zugezogen hatte.

Simoncelli war in Runde zwei gestürzt und vom US-Amerikaner Colin Edwards und Valentino Rossi (Italien) überrollt worden. Es war der zweite tödliche Motorsport-Unfall innerhalb einer Woche, nachdem IndyCar-Pilot Dan Wheldon vor sieben Tagen sein Leben verloren hatte. Simoncelli ist außerdem der zweite tote Motorradrennfahrer binnen 14 Monaten. Im vergangenen Jahr war der Japaner Shoya Tomizawa beim WM-Rennen in Misano unter ähnlichen Umständen tödlich verunglückt.

Ausgerechnet auf der Strecke, auf der Simoncelli 2008 seinen WM-Titel in der 250er Klasse ausgelassen gefeiert hatte, herrschte am Sonntag nur noch Schock und Trauer. In Runde zwei war Simoncelli in der elften Kurve ausgerutscht. Die hinter ihm fahrenden Edwards und Rossi konnten nicht mehr ausweichen. Edwards traf den am Boden bereits ohne Helm liegenden Simoncelli mit vollem Speed im Rückenbereich, auch Rossi erwischte seinen befreundeten Kollegen voll. Simoncellis Helm wurde abgerissen und rollte ins Gras. Der Honda-Pilot blieb regungslos auf der Strecke liegen.

Trotz sofort eingeleiteter Erstversorgung im Medical Center durch erfahrene Rennärzte starb er um 10.56 Uhr MESZ an seinen schweren Verletzungen. Das zunächst abgebrochene Rennen wurde daraufhin abgesagt und ersatzlos aus dem Rennkalender 2011 gestrichen. Nach dem Unfall herrschte Stille auf dem gut besuchten Sepang-Circuit. Die Piloten verkrochen sich in ihren Boxen, warteten geschockt, ungeduldig und voller Sorgen auf die neuesten Informationen über Simoncellis Zustand.

In seiner Box weinte Simoncellis Freundin in böser Vorahnung hemmungslos, ehe sie sich mit den Teammitgliedern vor dem Medical Center versammelte, um schließlich die traurige Nachricht in Empfang zu nehmen.

Simoncelli galt als Paradiesvogel der Szene. Sein Lockenkopf war das Markenzeichen des in Cattolica geborenen Rennfahrers, der bereits mit sieben Jahren erste Erfahrungen auf einem Pocket Bike sammelte. "Supersic", wie der 1,83 Meter große Pilot gerufen wurde, kannte auf dem Motorrad weder Freunde noch Feinde. Seine aggressive Fahrweise grenzte oftmals an übertriebene Risikofreude und löste bei manchen Rivalen Ärger aus.

Gazzetta: "Addio SuperSic"

Noch im Mai waren Simoncelli und Ex-Weltmeister Jorge Lorenzo verbal aneinandergeraten. Der Spanier hatte Simoncelli einmal mehr wegen dessen waghalsiger Fahrweise kritisiert. "Falls dir in der Zukunft etwas passiert, ist das ein Problem", sagte Lorenzo. Simoncelli hatte diese Kritik mit einem Witz abgetan: "Dann werde ich wohl verhaftet." Lorenzo hatte den Italiener damals eindringlich gewarnt. Es sei nicht lustig, da die Fahrer bei dem Tempo mit ihrem Leben spielen würden. "Das ist ein gefährlicher Sport. Du musst darüber nachdenken, was du tust", sagte Lorenzo.

Marco Simoncelli (links) kurz vor seinem tödlichen Sturz beim Großen Preis von Malaysia.

(Foto: AFP)

2002 fuhr Simoncelli in Tschechien seinen ersten Grand Prix, nachdem er im selben Jahr Europameister in der 125-Kubikzentimeter-Klasse geworden war. Nach dem WM-Titel 2008 gelang ihm ein Jahr später noch ein dritter Gesamtrang im Viertelliter-Limit. Danach stieg er in die Königsklasse MotoGP um. Simoncelli wurde als ein möglicher Thronfolger von Rossi gehandelt. In dieser Saison bestätigte er die Erwartungen. Zwei Podestplätze und zwei Pole Position auf der eher unterlegenen Gresini-Honda untermauerten das Talent des so lebensfrohen Fahrers.

"Das ist sehr traurig und tragisch. Da fehlen einem die Worte", sagte der der deutsche Moto2-Fahrer Stefan Bradl dem SID, "er war ein lustiger und netter Typ." Im italienischen Sport wurde am Sonntag eine Schweigeminute für Simoncelli abgehalten. Dies gab Gianni Petrucci als Präsident des italienischen Olympia-Komitees CONI bekannt. "Heute ist einer der traurigsten Tage meiner Präsidentschaft. Simoncellis Tod hat mich zutiefst erschüttert. Das Leben ist heilig, man kann nicht mit 24 Jahren bei einem Rennen sterben", sagte Petrucci fassungslos.

Die italienische Sporttageszeitung Gazzetta dello Sport titelte spontan: "Addio SuperSic". Ergriffen erklärte Simoncellis Manager Carlo Pernat: "Simoncelli war ein wunderbarer Mensch. Er war immer positiv und entschlossen. Er hatte einmalige menschliche und sportliche Eigenschaften."

© dpa/sid/wolf/woja
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