MotoGP Tritt in Kurve 14

"Sein Lenker hat meinen Fuß berührt und mein Fuß ist abgerutscht": Valentino Rossi hatte für sein vermeintliches Vergehen eine seltsame Erklärung parat.

(Foto: dpa)
  • Valentino Rossi befördert seinen Rivalen Marc Márquez mitten im Grand Prix vom Motorrad.
  • Die Rennkommission bestraft ihn, die Konkurrenz spottet.
Von Philipp Schneider

Die Bilder sind recht eindeutig, die Beweislage ist erdrückend. Allein alle Konsequenzen seiner Tat sind noch unklar, doch womöglich hat Valentino Rossi am Sonntag im vorletzten Rennen der Motorrad-Saison mehr verloren als seinen ersten Weltmeister-Titel seit 2009. Der Ruf eines Mannes steht nun auf dem Spiel, den seine Konkurrenten stets respektvoll "Il Dottore" nannten, den Doktor. Weil Rossi präziser fuhr als alle anderen. Weil er dazu in der Lage war, sich die Gegner auf der Rennstrecke vor dem Überholen zurechtzulegen. Überlegt, mit klinisch sterilem Kalkül. Wie ein Chirurg.

Fast bei Höchstgeschwindigkeit stürzt Márquez, rutscht ins Kiesbett - und bleibt unverletzt

Am Sonntag, beim Rennen in Sepang in Malaysia, hat der Doktor nun augenscheinlich die Beherrschung verloren. Er hat den Spanier Marc Márquez mit einem gezielten Tritt vom Motorrad befördert. Auch dies: überlegt. Mit Kalkül. So legen es zumindest die Kamera-Aufzeichnungen nahe. Rossi trat Márquez mitten im Rennen, in Runde sieben, in einer Kurve, fast bei Höchstgeschwindigkeit. Márquez stürzte, er rutschte ins Kiesbett, blieb aber immerhin unverletzt. Als Kunstfehler wird dem Dottore diese Operation wohl niemand auslegen.

"Wir haben den Respekt vor ihm als Sportler verloren. Er mag der größte Fahrer in der Geschichte sein, aber er ist kein großer Sportler. Valentino sollte so viele Punkte wie Marc bekommen. Es ist unfair. Er hat nur aufgrund seines großen Namens keine härtere Strafe bekommen", klagte Jorge Lorenzo nach dem Grand Prix. Lorenzo ist Rossis einziger verbliebener Konkurrent um den WM-Titel. Und er ist sein Teamkollege bei Yamaha.

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Der vermeintliche Tritt von Rossi an Márquez

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Die Rennkommission hatte zu dem Zeitpunkt jene Strafe festgelegt, die Lorenzo als zu gering erachtete: drei Strafpunkte bezog Rossi; im Saisonfinale am 8. November in Valencia muss er nun vom letzten Platz aus starten. Lorenzos Rückstand auf Rossi schrumpfte auf sieben Punkte, sollte der Spanier beim Heimrennen in Valencia siegen, müsste Rossi schon Zweiter werden, um doch noch den Titel zu gewinnen.

Die anschließende Pressekonferenz schwänzte Rossi. Doch noch ehe sein Team Berufung gegen das Urteil einlegte, äußerte er sich auf der Rennstrecke. Márquez hatte sich mit dem neunmaligen Weltmeister über viele Runden ein Duell geliefert. Mehrere Male überholten sich die zwei, Rossi war sichtlich genervt, nach einigen Manövern riss er seine Hand wütend in die Höhe. "Er fuhr nur, um mir im Weg zu stehen, dabei habe ich sehr viel Zeit verloren", klagte Rossi. Er warf dem Honda-Piloten Márquez also vor, dieser sei absichtlich mit gedrosseltem Tempo gefahren, damit der Yamaha-Lenker Lorenzo, der später als Zweiter die Ziellinie überquerte, an der Spitze des Feldes weiter enteilen konnte.