Ob Moritz Seider je von Peter Cornelius gehört hat? Den Namen vielleicht oder sogar ein Lied? Der Österreicher Cornelius ist gerade 75 geworden, seine große Zeit waren die Achtziger. Seider ist 24. Aber zu Wochenbeginn machte er in Mailand eine Erfahrung im Cornelius’schen Sinn. Da saß er in einem Lokal und schaute auf einmal in zwei Augen so blau …
Gut, bei Cornelius geht die Geschichte anders weiter. Es geht um eine verflossene Schulhofliebe, die er nach 15 Jahren zum ersten Mal wiedersieht. Der Eishockeyspieler Seider ist glücklich mit der ehemaligen Shorttrackerin Anna Seidel liiert. Er saß auch nicht wirklich in einem Lokal, sondern in der Mensa im olympischen Dorf, aber auf einmal schaute er dort in die Augen von: Moritz Klein. Klein, 25, ist Eisschnellläufer – und war der Klassenkamerad von Seider in Erfurt. Und wie Cornelius dachte Seider (nur halt ohne den Wiener Dialekt): Du entschuldige – i kenn di. „Das muss zehn, fünfzehn Jahre her sein, so fünfte, sechste Klasse. Wir hatten seitdem nicht mehr miteinander gesprochen. Trotzdem haben wir uns wiedererkannt.“ Wie in der Schule verbrachten Seider und Klein dann die große Mittagspause gemeinsam und wünschten einander Erfolg. „Das war schon sehr komisch, uns hier in der Mensa zu sehen.“
Oder diese Geschichte: Mittwochabend in Mailand, der Stundenzeiger hat die Mitternacht umrundet. Da geht im Hard Rock Café in der Via Dante die Tür auf und ein groß gewachsener junger Mann mit blauen, nein, braunen Augen betritt das Lokal. Am Tisch neben dem Tresen wird eine Gruppe Männer, an ihren Trikots als Anhänger der slowakischen Nationalmannschaft zu erkennen, auf einmal ganz unruhig. Denn der junge Mann ist Juraj Slafkovsky, Lieblingskind der eishockeyverrückten Slowakei, die am Nachmittag Titelverteidiger Finnland 4:1 weggebügelt hat, zwei Tore und eine Vorlage von Slafkovsky. Großes Hallo, Schulterklopfen links, Gruppenselfie rechts.
Die zufälligen Begegnungen, die unverhofften Entdeckungen: „Das sind doch die Geschichten, für die wir den Sport leben, diesen Gedanken, dabei sein zu können“, sagte Moritz Seider. Und paraphrasierte, vermutlich unwissentlich, Rainhard Fendrich, einen anderen österreichischen Songpoeten: Es lebe der Sport.
„Schnella Italia“ ist die Olympia-Kolumne der SZ-Sportredaktion. An dieser Stelle schreiben die Reporterinnen und Reporter der SZ über Kuriositäten und Beobachtungen am Rande der Winterspiele.

