Mönchengladbach:Pause in der Zauberschule

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Mönchengladbach: Lauter Nackenschläge: Marcus Thuram (rechts) und Florian Neuhaus haben gegen Mainz viele Gelegenheiten, ungläubig herumzustehen.

Lauter Nackenschläge: Marcus Thuram (rechts) und Florian Neuhaus haben gegen Mainz viele Gelegenheiten, ungläubig herumzustehen.

(Foto: Team2/Imago)

Borussia Mönchengladbach und Trainer Daniel Farke sind nach dem 0:1 gegen Mainz bemüht, die schöne neue Euphorie nicht gleich wieder verfliegen zu lassen.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Die Fans von Borussia Mönchengladbach sollen sich nach der ersten Saisonniederlage und den dabei zahlreich vergebenen Torchancen keine Sorgen machen - sagt der Trainer Daniel Farke. "Bayern München verliert schließlich auch immer mal wieder ein Spiel, und Stürmer wie Erling Haaland und Robert Lewandowski vergeben auch immer mal wieder eine Torchance."

Nun darf niemand denken, am Niederrhein verglichen sie sich jetzt auf einmal mit den Bayern, Erling Haaland und Robert Lewandowski. Was Farke sagen wollte: Auch bei den Besten hat die Zauberschule mal Betriebspause. Das 0:1 gegen Mainz war so eine Partie für Gladbach.

Erst vergab Stürmer Marcus Thuram allein in der ersten Hälfte vier vorzügliche Chancen, dann sah der japanische Innenverteidiger Ko Itakura anfangs der zweiten Hälfte wegen einer Notbremse die rote Karte - den daraus resultierenden Freistoß schoss der Mainzer Aaron Martin aus 22 Metern vorbildlich ins Tor. Außerdem mussten Abwehrmann Nico Elvedi und Stürmer Alassane Plea verletzt vom Platz. "Ein Nackenschlag nach dem anderen", seufzte Farke und arbeitete nach Spielschluss mit rhetorischen Aufwand daran, dass die schöne neue Euphorie in Mönchengladbach nicht gleich wieder hinfällig wird.

Der "kleine Marcus", le petit Marcus, in Kindertagen zusammengeführt zum Spitznamen "Tikus", ist bei der Borussia nämlich sonst oft der Größte, nicht nur wegen seiner 1,92 Meter. Thuram schießt den Ball durchschnittlich in jedem dritten Spiel für Gladbach ins Tor, am Sonntagabend missriet ihm allerdings alles. "Eigentlich ist er zurzeit in einer Überform", rätselte Farke hernach. Das größte Problem: Die Möglichkeit, es besser zu machen, ergibt sic erst beim Gastspiel bei Tabellenführer SC Freiburg am nächsten Sonntag.

Gegen Freiburg könnte Farke seine Startelf erstmals erheblich umbauen müssen

Zwölf Fußballer hat Farke bislang bloß benötigt, um fünf Mal eine Startelf zu komponieren. Damit liegt die Borussia in der Personaleffizienz vorne. In der Tabelle hingegen ist sie erst einmal ins Mittelfeld abgerutscht. Statt auf Rang fünf vorzurücken und die nächste Partie im Breisgau zu einem Spitzenspiel zu erheben, reisen die Rheinländer als Neunter an, und Farke könnte seine Startelf dann erstmals erheblich umbauen müssen.

Itakura wird in jedem Fall gesperrt sein, und ob der umgeknickte Elvedi und der ausgerutschte Plea wieder fit sind, muss sich zeigen. Als tröstliche Fügung ergibt sich da, dass die Gladbacher am letzten Tag der Transferperiode noch zwei Spieler verpflichtet haben, die gegen Mainz spät eingewechselt wurden und am kommenden Sonntag durchaus in die Startelf rücken könnten: Der flotte französische Flügelstürmer Nathan Ngoumou, 22, vom FC Toulouse demonstrierte auf Anhieb seine Dribbelstärke, und Julian Weigl, mit späterer Kaufoption ausgeliehen von Benfica Lissabon, dürfte sich schon bald einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld sichern.

"Am Sonntag ist er in einer schwierigen Gemengelage ins Spiel gekommen", sagte Farke über Weigl, aber wenn man eine neue Kraft für die Defensive in der 87. Minute erstmals aufs Feld schickt, kann man vielleicht auch nicht gleich den ersehnten Ausgleichstreffer von ihr erwarten. Weigl, bis Ende 2019 bei Borussia Dortmund aktiv und dann nach Lissabon verzogen, soll ein wichtiger Bestandteil von Gladbachs neuem Ballbesitzfußball werden. Er gilt als gewissenhafter Passgeber und einer, der die Statik eines Spiels positiv beeinflussen kann - auch zum Schutze der Nerven aller Fans.

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