bedeckt München 29°

Mönchengladbach in der Krise:Wie im falschen Film

Fußball, 1.Bundesliga,Saison 2015/2016, 19.09.2015,1.FC Köln - Borussia Mönchengladbach,

Bitteschön, mein Stuhl ist frei: Lucien Favre bei der Gladbacher 0:1-Niederlage am Samstag in Köln - rechts Sportdirektor Max Eberl.

(Foto: /Ralf Ibing/firo Sportphoto)
  • Die Gladbacher müssen den Abgang ihres Trainers Lucien Favre verarbeiten und berufen André Schubert als Interimstrainer - aber nur auf Zeit.
  • Der Schweizer wollte schon vorher mehrmals alles hinschmeißen.
  • Hier geht es zu den Ergebnissen der Bundesliga.

Der Fußballmanager Max Eberl ist am Montag 42 Jahre alt geworden. Die vielen Glückwünsche, die er bekommen hat, konnten ihn allerdings nicht hinwegtrösten über einen Verlust, den er am Vorabend in seiner Funktion als Sportchef des Bundesligisten Borussia Mönchengladbach erlitten hatte. "Ich bin sautraurig", sagte Eberl im Souterrain des Gladbacher Stadions über den Rücktritt jenes Schweizer Trainers namens Lucien Favre, 57, der die Borussia binnen viereinhalb Jahren von einem Abstiegskandidaten in einen Champions-League-Teilnehmer verwandelt hatte.

Eberl ließ auch keinen Zweifel daran, dass der 44-jährige Amateurtrainer André Schubert, der die Gladbacher mindestens an diesem Mittwoch gegen den FC Augsburg sowie am Samstag beim VfB Stuttgart betreut, nicht dauerhaft Favres Nachfolger werden solle und nur als Übergangslösung vorgesehen sei. "Im Herbst fallen die besten Trainer nicht von den Bäumen", sagte Eberl sarkastisch und ließ offen, bis wann er einen neuen Cheftrainer präsentieren kann.

Eberl bestätigt, das Favre schon mehrmals einen Rücktritt in Erwägung gezogen habe

Tags zuvor, an jenem für die Borussia so schicksalhaften Sonntag, habe er, so Eberl, mehrfach bei sich gedacht: "Was passiert hier gerade?" Favre, unter dem Gladbach zuletzt fünf Bundesliga-Spiele und eine Champions-League-Partie verloren hatte, ließ Eberl am Sonntagmorgen um 7.20 Uhr ("ich war gerade mit dem Hund draußen") über Berater José Noguera per Telefon ausrichten, dass er sein Amt sofort aufzugeben gedenke. Aber selbst in zwei langen Gesprächen im Laufe des Sonntags konnte Favre den Gladbacher Vorstand um Eberl nicht überreden, ihn einfach gehen zu lassen. "Er hat uns gesagt, dass er die Lösung für die sportliche Herausforderung nicht mehr zu finden glaubt", berichtete Eberl, wollte sich weitere Details aus den Gesprächen aber nicht entlocken lassen.

Die Karriere-Stationen von Lucien Favre

Vereine als Spieler FC Lausanne (1976-1979), Xamax Neuchâtel (1979-1981), Servette Genf (1981-1983 und 1984-1991), FC Toulouse (1983-1984).

Vereine als Trainer FC Echallens (1991-1994), FC Yverdon (1996- 2000), Servette Genf (2000-2002), FC Zürich (2003-2007), Hertha BSC (2007-2009), Borussia Mönchengladbach (2011-2015)

Eberl sagte, für ihn sei weder eine körperliche Erschöpfung bei Favre erkennbar gewesen noch glaube er, dass Unzufriedenheit über die Sommer-Transfers eine Rolle gespielt hätten. Eberl glaubt, dass eher die personelle Situation mit allerhand Verletzten in den vergangenen Wochen ein Grund dafür gewesen sei, "dass wir jetzt einen neuen Trainer brauchen".

Über Favres wahre und akute Motivation, einen Tag nach der 0:1-Niederlage in Köln nach viereinhalb Jahren gegen den ausdrücklichen Willen des Vereins abzutreten, könne er, so Eberl, "auch nur mutmaßen". Er sei da "auch nur im Bereich der Thesen unterwegs", meinte Eberl, "was tatsächlich der auslösende Grund für ihn war, vermag ich nicht zu sagen". Nicht einmal den Zeitpunkt (sonntagabends um 19.30 Uhr vor einer Phase mit vier Spielen binnen zwei Wochen) oder Favres kuriose Vorgehensweise (Rücktritt über die Medien, nachdem der Verein seine Kündigung nicht akzeptieren hatte) wollte Eberl kritisieren.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite