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Mönchengladbach - Frankfurt:Die besten Geister

Beim 3:1 gegen die Eintracht zeigen die Gladbacher, dass sie für den Notbetrieb bestens gerüstet sind.

Zur Feinarbeit der Bundesliga-Statistik gehört es selbstverständlich seit Generationen, neben der ganz regulären aktuellen Tabelle auch jede Menge andere Klassements zu erstellen. So gibt es bekanntlich Hin- und Rückrundentabellen, ebenso Heim- und Auswärtstabellen, zudem ewige und wahre Tabellen und allerhand mehr. Neu im statistischen Sortiment ist nun aber die Geisterspieltabelle, und fürs Erste dürfen die Vertreter von Borussia Mönchengladbach von sich behaupten, dieses Ranking anzuführen - auch wenn ihnen dabei ein kleiner Wettbewerbs-vorteil zupass kommt. Die Borussen haben als eine nur von nur zwei Mannschaften bereits zwei Bundesliga-Geisterspiele absolviert: das 2:1 (1:0) gegen den 1. FC Köln vor der langen Corona-Pause im März - und am Samstag das hochverdiente 3:1 (2:0) gegen Eintracht Frankfurt.

Nun ist es natürlich noch etwas früh, um so etwas wie Geisterspielexperten zu küren. Zudem waren Köln und Frankfurt zwei Gegner aus dem Tabellenmittelfeld, gegen die der Champions-League-Anwärter Mönchengladbach auch unter gewohnten Bedingungen gute Siegchancen gehabt hätte. Aber dennoch darf sich die Borussia zunächst einmal zu den Mannschaften zählen, welche die besonderen Bedingungen offenkundig überdurchschnittlich gut zu meistern wissen.

Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt - Borussia Moenchengladbach 16.05.2020, xjhx, Fussball 1.Bundesliga, 26.Spie

Abstand beim Anstandstanz: Der Gladbacher Marcus Thuram hält sich auch beim Torjubel an die 1,5-Meter-Distanzregel.

(Foto: imago)

"Die Mannschaft schafft es augenscheinlich, sich auf solch ein Spiel zu fokussieren und den Siegeswillen hochzuhalten", sagte Trainer Marco Rose am Samstag. Man habe gemerkt, "dass wir Bock hatten, Fußball zu spielen, auch wenn wir ohne Fans auskommen mussten. Wir wollen uns insgesamt nicht an eine solche Atmosphäre gewöhnen, aber jetzt gilt es: Augen zu und durch, um unsere Ziele zu erreichen." Ähnlich äußerte sich auch Torwart Yann Sommer. "Das haben wir natürlich im Team besprochen, wie wir mit der ganzen Situation umgehen", sagte er: "Alles rundherum können wir nicht ändern. Die Mannschaft, die am besten damit umgeht, wird erfolgreich sein."

In Gladbach sind die Aussichten auf eine erfolgreiche Saison jedenfalls hoch. Mit dem Sieg in Frankfurt haben sie sich auf einem Champions-League-Platz festgesetzt und den Konkurrenten Leipzig verdrängt; und manche Beobachter denken 43 Jahre nach der bisher letzten Gladbacher Meisterschaft ohnehin noch einen Schritt weiter. Trainer Rose bremst da ein bisschen. Er wolle keine "Plakativziele heraushauen", sagte er und beschränkte sich lieber auf einen solchen Satz: "Wir wollen weiter erfolgreich sein und oben dran bleiben." Das nächste Spiel gegen den aktuellen Fünften Leverkusen dürfte nun eine wichtige Wegmarke darstellen.

Eintracht Frankfurt - Borussia Mönchengladbach

Abstand beim Tribünensitzen: Mitglieder der Frankfurter Mannschaft beobachten das Geschehen auf dem Platz mit Mund-Nase-Schutz.

(Foto: Michael Probst/dpa)

Wenn Roses Mannschaft dabei so loslegt wie am Samstag, sind die Erfolgschancen bestens. Schon nach 36 Sekunden erzielte Alassane Plea in Frankfurt die Führung, und bereits nach sieben Minuten erhöhte Marcus Thuram auf 2:0. Damit war die Partie quasi entschieden. Während Gladbachs Torwart Sommer die ersten zehn Minuten zu Recht als "überragend" rühmte, fand Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic für den Auftritt seiner Mannschaft in dieser Phase nur ein paar spöttische Worte. "Es war der Wahnsinn nach der Corona-Phase: Wir haben den Abstand eingehalten. Ist nur blöd, wenn du das im Strafraum machst", sagte er.

Danach wurde Frankfurt zwar etwas besser, aber das half auch nichts mehr. Nach der Pause folgte durch einen sehr glücklichen Elfmeter sogar noch das 3:0 (Remy Bensabaini, 73.), ehe André Silva (81.) das 1:3 markierte. Durch diese Niederlage verstärken sich die Frankfurter Sorgen: Nur noch fünf Punkte trennen sie von dem Relegationsplatz. "Wir sind noch nicht ganz im Schlamassel", sagte Sportchef Bobic dazu, "aber schon etwas."

Auch bei der SGE war es, nach einem 0:3 im Europapokal gegen Basel, schon die zweite Erfahrung mit einem Geisterspiel. Und auch da deutet sich eine Blaupause an, zumindest für die Heimpartien. Denn in Frankfurt spielt die stimmungsvolle Unterstützung stets eine besondere Rolle, wenn die technisch und spielerisch eher limitierte Elf nach vorne gepeitscht wird. Alle Klubs werden in diesen Wochen Publikum und Anfeuerung vermissen - aber die Eintracht könnte zu den Klubs gehören, die überproportional zu leiden haben.

© SZ vom 18.05.2020 / SZ

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