Mönchengladbach:Ein fast perfektes Duo

Hamburg 10 08 2015 DFB Pokal Schlussjubel Lars Stindl BMG Ibrahima Traore BMG St Pauli vs

Zwei, die sich verstehen und auf dem Platz ergänzen: Lars Stindl (links) und Ibrahima Traore verzücken bereits den Gladbacher Anhang.

(Foto: Moritz Müller/imago)

Lars Stindl könnte sich für die Borussia als Transfer-Coup erweisen - schon jetzt ist der Profi ein Gewinn, vor allem als Offensivpartner von Ibrahima Traoré.

Von Jörg Marwedel, Hamburg

Der Trainer Lucien Favre ist nicht leicht zufrieden zu stellen. Und wenn mal ein oder zwei Spieler überragen, zählt er natürlich all die anderen auf, die es ebenfalls gut gemacht haben. Statt die Innenverteidiger Marvin Schulz, 18, und Andreas Christensen, 19, für ihr gelungenes Debüt zu loben, merkte er nur an, sie seien nur Beispiele für weitere Nachwuchsspieler "mit Potenzial" im Kader. Als der Coach von Borussia Mönchengladbach nach dem 4:1 (0:1)-Sieg im DFB-Pokal beim in der ersten Hälfte imponierend aufspielenden FC St. Pauli seinem Team für Halbzeit zwei das Ausnahme-Prädikat "ziemlich gut" zuerkannte, hat er natürlich auf die Huldigung der beiden Besten verzichtet. Er hätte nämlich auch sagen können: Zugang Lars Stindl und Ibrahima Traoré seien "ziemlich gut" gewesen. Dass er sehr erfreut war, ein fast perfektes Duo auf der rechten Angriffsseite installiert zu haben, müssen dann doch die Journalisten feststellen.

Besonders Stindl und Traoré setzten um, was Favre in der Pause nach dem zunächst verdienten 1:0 für St. Pauli nach einem Schuss in den Winkel von Marc Rzatkowski (33.) gefordert hatte: "Mehr Tempo!" Keiner der wackeren Zweitligaspieler konnte sie danach mehr aufhalten. Es dauerte gerade mal 13 Minuten, ehe die beiden wie ein ICE über die Hamburger hinweggerauscht waren und aus einem 0:1 ein 3:1 gemacht hatten. Der nicht mehr zu bremsende Traoré bediente Stindl - 1:1 in der 54. Minute. Dann legte Stindl für seinen Partner auf, der von der 16-Meter-Linie den Ball links ins Eck zirkelte. Schließlich schaffte es Stindl, einen von Pauli-Keeper Himmelmann abgewehrten Schuss von Raffael aus dem Hinterhalt im Tor unterzubringen.

Man ahnt schon nach dem ersten Pflichtspiel, dass Favre und Manager Max Eberl mit der Verpflichtung von Stindl mal wieder einen Coup gelandet haben. Aufgrund einer Vertragsklausel war der bald 27 Jahre alte Kapitän von Hannover 96 für nur drei Millionen Euro Ablöse zu bekommen. Was ihn auszeichnet, ist seine Vielseitigkeit. Er kann "Sechser" spielen, auf dem Flügel, als "Zehner" oder Halbstürmer, ist also jener "polyvalente" Profi, den Favre am meisten schätzt. Aber eben deshalb war in der Testphase auch nicht klar, auf welcher Position sich Stindl würde festspielen können.

Nur eines war schnell klar, wie Traoré erzählt. Man habe fast alle Vorbereitungsspiele zusammen gemacht und schnell festgestellt, wie gut man zusammenpasse. "Er ist", sagt der Flügelflitzer Traoré, "ein hervorragender Fußballer". Zudem habe gerade die Vorbereitung zum 1:2, als er den Ball nur kurz abtropfen ließ, seine "Intelligenz" gezeigt. Stindl würde "aus Respekt vor Hannover 96", für das er fünf Jahre spielte, niemals einen Vergleich ziehen. Aber, so sein erstes Fazit, "der Fußball, den Borussia spielt, passt bestens zu mir". Überhaupt habe ihn die Entwicklung dieser Mannschaft in den vergangenen Jahren beeindruckt. Es sei vergangenes Jahr mit der Qualifikation für die Champions League "Großes" geleistet worden. "Daran", ergänzt er, "wollen wir anknüpfen und am Wochenende in Dortmund den Anfang machen." Es reichte also für St. Pauli nicht, weil die Borussia inzwischen auf dem Weg zu einer internationalen Spitzenmannschaft ist. Man müsse "den Klassen-Unterschied anerkennen", sagte St. Paulis Trainer Ewald Lienen. Es reichte nur für eine Trost-Ehrenrunde seines Teams und das Lob des anwesenden Lienen-Freundes Jupp Heynckes, St. Pauli habe eine "wunderbare erste Halbzeit" hingelegt. Es war vermutlich die beste seit einigen Jahren.

Der zufriedene Borussia-Manager Eberl hat sich längst auf den Bundesliga-Start beim Dortmunder Namensvetter eingestellt: "Am Millerntor zu bestehen, ist das eine, im Dortmunder Stadion gegen Aubameyang und Kollegen zu bestehen, ist eine andere Aufgabe."

© SZ vom 12.08.2015
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