Süddeutsche Zeitung

Möglicher Trainer in München:Guardiolas Wahl treibt die Bayern um

Jetzt geht alles viel schneller als gedacht: Pep Guardiola, der von vielen Topklubs umworbene Trainer, hat sich offenbar entschieden, wo er künftig arbeiten will. Es verdichten sich die Anzeichen, dass der brennend interessierte FC Bayern eine echte Option für ihn ist. Doch wie gehen die Münchner mit dem aktuellen Coach Jupp Heynckes um?

Von Andreas Burkert

Ob die Kanzlerin ihn auf Pep Guardiola ansprach? Angela Merkel hat sich ja in den vergangenen Jahren als Kennerin des Fußballs zu erkennen gegeben, als Tribünengast bei Länderspielen oder Pokalfinals. Wer ab nächstem Juli in München beispielsweise ihren guten Kumpel Bastian Schweinsteiger trainieren wird, könnte sie also interessiert haben, als Uli Hoeneß sie am Dienstag in der Hauptstadt traf.

Dem Vernehmen nach weilte der Präsident des FC Bayern dort zu einem seiner Treffen mit der Regierungschefin, zu denen sie regelmäßig Persönlichkeiten einlädt. Dass Guardiola, 41, der von fast allen europäischen Großklubs mit Trainer- vakanzen umworbene Spanier, nächste Saison die Münchner betreut, wurde aber leider auch vom Berliner Politbetrieb nicht bestätigt. In dieser für die Nation unbedingt relevanten Sache gilt selbstverständlich die höchste Geheimhaltungsstufe.

Obwohl, die Fronten scheinen zu bröckeln, womöglich fühlt sich nicht jeder an das Schweigegelübde gebunden. In München, wo sich die Bayern schon seit dem Frühjahr 2012 um den katalanischen Fußballlehrer bemühen, wird zwar weiterhin jede Meldung zu ihrem verbrieften Interesse mit dem Allgemeinplatz bedacht, man wolle sich zunächst bis Mitte März mit dem amtierenden Trainer Jupp Heynckes zusammensetzen.

Doch das Heft des Handelns wird ihnen allmählich von internationalen Beobachtern aus der Hand genommen. Nachdem Mitte Dezember durchaus seriöse britische Medien die bekannte Tendenz, der FC Bayern sei bis dato Guardiolas erste Option, aufgegriffen hatten, schürte nun ein renommierter Experte des italienischen Bezahlsenders Sky Italia die Spekulationen: Guardiola und die Bayern hätten sich auf eine Zusammenarbeit geeinigt.

"Alles Unsinn", kommentierte zunächst zwar ein Vereinssprecher, doch Vorstand Karl-Heinz Rummenigge verzichtete mittags am Rande eines Liga-Meetings in Frankfurt darauf, die nach SZ-Informationen fortgeschrittenen Verhandlungen mit Guardiola oder die kolportierte Einigung zurückzuweisen. Stattdessen rezitierte er die seit Wochen verbreitete Verlautbarung zu dieser heiklen Causa: "Ich kann dazu nur sagen, dass wir die gesamte Situation immer souverän gehandhabt haben", äußerte er einleitend, "wir haben nie zu einem Gerücht - sei es aus England oder Italien gekommen - Stellung bezogen und werden das auch jetzt nicht tun."

Erst werde, wie angekündigt, mit Heynckes über dessen Absichten geredet, sagte Rummenigge, der dann allerdings zum Zeitplan eine interessante Randbemerkung machte, als er anfügte: "Jupp Heynckes hat gesagt, es werde ein Gespräch bis Mitte März geben. Aber ich werde das Datum jetzt nicht kommentieren."

Aus gutem Grund, denn nach Lage der Dinge werden die Bayern ihr Prozedere beschleunigen müssen. Sie hatten sich zunächst auch an den Plänen Guardiolas orientiert, der nach seinem im April angekündigten Rücktritt zum Saisonende beim FC Barcelona ein Sabbatical in New York verlebt - und sich bis Februar oder März zu seinem neuen Arbeitgeber erklären wollte. Nun haben die Dinge Fahrt aufgenommen: Interessenten wie Manchester City, Paris Saint-Germain, der FC Chelsea und der AC Mailand möchten wissen, woran sie sind.

Eine Entscheidung naht

Die Bayern befanden sich bisher in der vermeintlichen komfortablen Lage, in Heynckes, 67, einen Trainer zu haben, der vor der Saison zwar von seiner baldigen Heimkehr auf seinen niederrheinischen Bauernhof sprach - der aber inzwischen, angesichts der positiven sportlichen Entwicklung beim Tabellenführer, eine Vertragsverlängerung nicht mehr für abwegig hielte, böte man sie ihm denn an.

Die Bayern mögen gern ohne Trainerdebatte in die Rückserie starten wollen. Doch sofern sie mit Guardiola einig wären, müssten sie es Heynckes jetzt rasch sagen und sich auch offiziell erklären, um den Betrieb vor der steigenden Unruhe zu schützen. Zumal nach SZ-Informationen der innerste Zirkel um Strippenzieher Hoeneß, 61, die Personalentscheidung nun getroffen hat - und dieses Votum engsten Vertrauten in den vergangenen Tagen bereits mitgeteilt wurde. Demnach muss sich Guardiola inzwischen entschieden und erklärt haben - wem auch immer er nun zusagte.

Guardiolas direktes Umfeld wies allerdings auf Anfrage zurück, dass mit dem FC Bayern alles fix sei. Vor einer Woche, bei der Kür der Weltfußballer in Zürich, hatte Guardiola ausweichend auf Fragen zum deutschen Bewerber reagiert: "Es wäre respektlos, wenn ich zu einem Verein, der aktuell einen Trainer beschäftigt, konkret etwas sagen würde", sagte er da.

Hätte er sich zumindest tendenziell für die Bayern entschieden, wäre dies eine späte Genugtuung für den im Sommer entlassenen Sportchef Christian Nerlinger. Guardiola war seine Idee, er traf ihn und auch dessen verhandlungsberechtigen Bruder Pere. Guardiola wiederum würde den von ihm geschätzten, gewachsenen Strukturen in München den Vorzug vor dem möglichen Maximalgehalt geben. Chelsea etwa hat seine Offerte des Sommers zuletzt von 18,5 auf angeblich 22 Millionen Euro per annum für einen Dreijahresvertrag erhöht.

Auch Paris, das nun zu José Mourinho (Real Madrid) tendieren soll, und ManCity - das vorauseilend zwei frühere Guardiola-Vertraute aus seiner Barça-Zeit eingestellt hatte - sind für ein solches Hasardeurtum bekannt. Die Bayern, heißt es, hätten sich für einen finanziellen Kraftakt die Unterstützung eines strategischen Partners (Adidas) gesichert. Sie wollen Guardiola.

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SZ vom 16.01.2013/jbe
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