Möglicher Investor beim AS Rom:Die Frau heißt "Maria Grazia"

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Plötzlich erinnert man sich an vorgebliche Kaufemissäre des unseligen Muammar al-Gaddafi. Auch der Börsenguru George Soros sowie Dutzende russischer Oligarchen hatten sich bereits gemüht, den berühmtesten Klub der Welt zu kaufen, angeblich. Aber diese Herrschaften waren wenigstens standesgemäß im Beduinenzelt oder in den Luxushotels oberhalb der Spanischen Treppe abgestiegen und hatten die halbe Via Condotti leergekauft.

Adnan Adel aber wohnt in einem wenig standesgemäßen Vorort von Perugia. Und fährt Opel. Da ist die Frage berechtigt, ob sich hinter einem Namen, den sich keiner merken kann, vielleicht nur ein Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah verbirgt, die literarische Figur des großen Orient- Phantasten Karl May.

Als weitere Einzelheiten bekannt wurden, war Rom schon weniger besorgt als amüsiert: Der Scheich räumte ein, bereits seit 1980 in Italien zu leben, in Umbrien habe er seine Frau Maria Grazia kennengelernt. Maria Grazia! Kaum waren die Römer auf den harten Boden der häuslichen Tatsachen zurückgeholt, da kam schon der nächste Schlag: Der Sohn des Scheichs arbeitet als Carabiniere. Nun verdient zwar auch Tottis Schwiegermutter als Verkehrspolizistin ihr Geld, aber das ist etwas anderes.

Er selbst habe, räumte Adnan Adel etwas verlegen ein, sich sein Studium als Barmann und Anstreicher verdienen müssen, weil der Clan zu Hause ihm den Unterhalt gekürzt habe, wegen Maria Grazia. Barmann und Anstreicher, nun ja. Dass Arbeit adelt, hält man in Rom für ein Gerücht - die dortigen Patrizier pflegen jedenfalls seit Jahrtausenden auf andere Weise vornehm zu sein.

Längst hat sich die Posse um den Scheich zu einem lustigen Fortsetzungs- roman entwickelt, allemal unterhaltsamer als das Gefeilsche um die neue Regierung oder das Papst-Toto vor dem Konklave. Da werden in ruhigen Wohnstraßen am Stadtrand Scheinfirmen entdeckt, und in Nablus in den Palästinensischen Autonomiegebieten ein Bruder, der Schmuck auf dem Basar verkauft. Adnan Adel, sagte der Bruder, habe er zwar schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen - aber man sei übers Internet in Kontakt. "Und Geld wird er schon haben." Das hoffen sie in Rom auch.

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