Möglicher Investor beim AS Rom:Warten auf den 50-Millionen-Scheich

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AS ROMA VS. GENOA CFC

Bald Mitglied eines Scheichklubs? Roma-Capitano Francesco Totti. 

(Foto: dpa)

Scheich Adnan Adel Aref al Qaddumi al Schtewi will beim italienischen Erstligisten AS Rom einsteigen. Die Offerte klingt verlockend und lässt die Tifosi schwärmen. Die entscheidenden Fragen aber bleiben offen.

Von Birgit Schönau, Rom

Die Ewige Stadt wartet auf einen neuen Papst. Und auf den Scheich. Von Letzterem kennt man immerhin schon den Namen: Adnan Adel Aref al Qaddumi al Schtewi. Und das Angebot, das er dem AS Rom gemacht hat - 50 Millionen Euro für einen 30-Prozent-Anteil. Der Scheich sei reich, schwärmt der Corriere dello Sport. So reich, dass er sich die ganze Serie A kaufen könnte: zwei Milliarden Dollar. Neun Nullen, alles mit Erdöl erwirtschaftet. "Nennen wir ihn Adnan Adel", schlug das römische Sportblatt vor. Das passt zur Not auch auf ein Trikot.

Rom träumt einen Traum von Tausendundeiner Nacht - und vergisst dabei gern, dass die Fußball-Bosse des Nordens, die Berlusconis, Morattis und Agnellis, ungleich reicher sind als Adnan Adel. Ein Scheich taucht auf, mit dem jordanischen Königshaus verwandt oder mit den Saudis - genau weiß man's nicht, denn die exakte Herkunft liegt im Dunkeln, aber egal. Wichtiger ist: Quasi seit Geburt glühender Tifoso des AS Rom, will der Araber nun jenem Klub helfen, der in dieser Saison weit unter seinen Möglichkeiten spielt. Oder jedenfalls weit unter dem, was die Römer für standesgemäß halten: Es droht schon wieder ein Jahr ohne Europapokal, selbst ohne Champions-League- Perspektive - und wenn der ewige Kapitän Francesco Totti nicht wäre, gäbe es gar nichts mehr zu feiern.

Totti hat soeben mit 225 Liga-Treffern den alten Milan- und Roma-Stürmer Gunnar Nordahl überholt, jetzt hat er nur noch Silvio Piola vor sich, die letzte Hürde aus der Schwarz-Weiß-Zeit. Der Kapitän, heimlicher König der Stadt und mit 36 Jahren auch Aktionär seines Klubs, kann allerdings nicht alles allein machen. Um die Roma höher fliegen zu lassen als den Adler von Lazio, braucht es Petro-Dollars.

Seit zwei Jahren gehört der Verein einer Investorengruppe aus den USA. Präsident ist der Italo-Amerikaner James Pallotta, der die Römer bislang vor allem dadurch beeindruckte, dass er sich im Februar in den Außenpool der Trainingsanlage in Trigoria warf. Pallotta spricht kein Italienisch, kennt weder Nordahl noch Piola und sitzt auf seiner Brieftasche. Das kommt ganz schlecht an in Rom. Geiz ist dort die einzige Todsünde, die man wirklich mit Höllenqualen ahnden würde, alles andere ist schließlich menschlich. Da kommt Adnan Adel gerade recht.

Mit Jubel wurde er von der Hauptstadtpresse und den zwei Dutzend Fußball- Radiosendern empfangen. Sogleich wurde fabuliert, wen man sich bald alles leisten könne, von Messi und Ronaldo aufwärts, ein richtiger Torwart wäre allerdings auch nicht schlecht. Der Scheich beflügelte auch die Börse, die Roma-Aktie musste wegen allzu rasanter Kursgewinne zeitweise vom Handel ausgeschlossen werden.

Pallotta ist das alles nicht geheuer. Der Roma-Chef stellte dem Scheich ein Ultimatum: Bis zum 14. März soll er die 50 Millionen auf den Tisch legen, die bisher präsentierten Garantien reichten nicht. Auch die Bank Unicredit als Minderheitsaktionär wurde argwöhnisch und verlangte eindeutige Auskünfte. Die Börsenaufsicht schaltete sich ein, ebenso die Staatsanwaltschaft.

Für Adnan Adel ist Reden Silber und Schweigen Gold. Einem Fan-Radio sagte er nur: "Ich bin auch Roma-Tifoso und sage allen anderen Tifosi: Bleibt ruhig. Alles wird sich zum Besten kehren." Aber da war in Konkurrenz zu den Großmachtträumen schon ein anderer urrömischer Instinkt erwacht: die Entschlossenheit, sich nicht über den Tisch ziehen zu lassen. "Man betrügt keinen Heiligenbild-Verkäufer", sagt der römische Volksmund, dem auch der weise Spruch entspringt: Wenn ein Papst stirbt, wählt man auch den nächsten.

Die Frau heißt "Maria Grazia"

Plötzlich erinnert man sich an vorgebliche Kaufemissäre des unseligen Muammar al-Gaddafi. Auch der Börsenguru George Soros sowie Dutzende russischer Oligarchen hatten sich bereits gemüht, den berühmtesten Klub der Welt zu kaufen, angeblich. Aber diese Herrschaften waren wenigstens standesgemäß im Beduinenzelt oder in den Luxushotels oberhalb der Spanischen Treppe abgestiegen und hatten die halbe Via Condotti leergekauft.

Adnan Adel aber wohnt in einem wenig standesgemäßen Vorort von Perugia. Und fährt Opel. Da ist die Frage berechtigt, ob sich hinter einem Namen, den sich keiner merken kann, vielleicht nur ein Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah verbirgt, die literarische Figur des großen Orient- Phantasten Karl May.

Als weitere Einzelheiten bekannt wurden, war Rom schon weniger besorgt als amüsiert: Der Scheich räumte ein, bereits seit 1980 in Italien zu leben, in Umbrien habe er seine Frau Maria Grazia kennengelernt. Maria Grazia! Kaum waren die Römer auf den harten Boden der häuslichen Tatsachen zurückgeholt, da kam schon der nächste Schlag: Der Sohn des Scheichs arbeitet als Carabiniere. Nun verdient zwar auch Tottis Schwiegermutter als Verkehrspolizistin ihr Geld, aber das ist etwas anderes.

Er selbst habe, räumte Adnan Adel etwas verlegen ein, sich sein Studium als Barmann und Anstreicher verdienen müssen, weil der Clan zu Hause ihm den Unterhalt gekürzt habe, wegen Maria Grazia. Barmann und Anstreicher, nun ja. Dass Arbeit adelt, hält man in Rom für ein Gerücht - die dortigen Patrizier pflegen jedenfalls seit Jahrtausenden auf andere Weise vornehm zu sein.

Längst hat sich die Posse um den Scheich zu einem lustigen Fortsetzungs- roman entwickelt, allemal unterhaltsamer als das Gefeilsche um die neue Regierung oder das Papst-Toto vor dem Konklave. Da werden in ruhigen Wohnstraßen am Stadtrand Scheinfirmen entdeckt, und in Nablus in den Palästinensischen Autonomiegebieten ein Bruder, der Schmuck auf dem Basar verkauft. Adnan Adel, sagte der Bruder, habe er zwar schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen - aber man sei übers Internet in Kontakt. "Und Geld wird er schon haben." Das hoffen sie in Rom auch.

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