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Kandidat Grindel:Suche nach neuem DFB-Präsidenten: "Wir fühlen uns brüskiert"

Reinhard Grindel

Reinhard Grindel: Noch Schatzmeister, bald Präsident?

(Foto: AP)
  • Noch immer diskutiert der deutsche Fußball über einen Nachfolger von Wolfgang Niersbach.
  • Vor der DFB-Präsidiumssitzung an diesem Freitag wächst der Unmut der Profis über die Entscheidung der Amateure, CDU-Mann Reinhard Grindel als neuen Präsidenten vorzuschlagen.

Normalerweise kommt das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in etwas größeren Abständen zusammen, aber derzeit ist halt nichts mehr normal im deutschen Fußball. An diesem Freitag trifft sich das Gremium bereits zum dritten Mal innerhalb eines Monats. In der ersten Runde nahm es den Beginn der WM-Affäre zur Kenntnis, in der zweiten trat Wolfgang Niersbachs vom DFB-Chefposten zurück. Und vor der dritten Zusammenkunft sprechen manche schon von einer "Zerreißprobe", die dem Fußball wegen der Suche nach einem neuen Präsidenten bevorstehe. Einer Zerreißprobe zwischen Amateuren und Profis.

Am Dienstag hatten die Amateurvertreter den Schatzmeister und CDU-Bundestagsabgeordneten Reinhard Grindel als Kandidaten für Niersbachs Nachfolge nominiert; die Wahl soll so schnell wie möglich stattfinden. Die Protagonisten des Profibetriebs geben sich seitdem erzürnt: mal hinter vorgehaltener Hand, mal öffentlich, mal in milderen, mal in deutlicheren Worten. Sie wollen erst eine Debatte über die WM-Affäre und veränderte Strukturen im Verband - und dann neues Personal.

Die Kritik spielt sich dabei auf zwei Ebenen ab. Vor allem monieren die Profivertreter das rasche Vorgehen der Amateure. Das "hat uns irritiert", sagte Harald Strutz, Präsident des FSV Mainz und als Vize des Ligaverbandes Mitglied im DFB-Präsidium. Noch klarer äußerte sich Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund. "Wir fühlen uns brüskiert. Für den gesamten Fußball ist das eine sehr unschöne Geschichte", sagte er dem kicker.

Und dann fügte er das an, was viele aus dem Profibetrieb denken: Am Ende des Tages werde "die Musik letztendlich in der Bundesliga" gespielt. Vereinzelt kommt zu der Verärgerung über den Ablauf aber auch Kritik am konkreten Kandidaten. "Ich weiß nicht, ob es richtig ist, auf Teufel komm raus eine Personalie durchzudrücken, die nicht das Vertrauen und die Rückendeckung des gesamten Fußballs hat", sagt zum Beispiel Bayer Leverkusens Verantwortlicher Michael Schade.

Nun ist die Frage, in welcher Form sich dieser Dissens an diesem Freitag auf der Präsidiumssitzung Bahn bricht. 15 Mitglieder hat das Gremium: acht Vertreter aus dem Amateurlager, vier aus der Liga, dazu kommen Generalsekretär Helmut Sandrock, Sportdirektor Hansi Flick sowie Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff. Manche Mitglieder erwarten, dass es zu heftigen Wortwechseln kommt.

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