Mögliche Verstrickung von Bin Hammam:Rätsel um den Fifa-Mann aus Katar

Mögliche Verstrickung von Bin Hammam: Sein Name fällt in der WM-Affäre: Bin Hammam

Sein Name fällt in der WM-Affäre: Bin Hammam

(Foto: AFP)
  • Wohin flossen die 6,7 Millionen Euro? Es soll der Name Mohamed Bin Hammam gefallen sein.
  • Doch es gibt Widersprüche. Schmidt widerspricht in der FAZ Zwanziger: Er wisse nicht, wer das Geld bekommen hat.

Von Hans Leyendecker und Klaus Ott

Horst R. Schmidt, langjähriger Funktionär des Deutschen Fußball-Bundes, ehedem auch Vizechef der Organisationskomitees (OK) der WM 2006 und heute Pensionär, bekommt seit einer Woche eine Menge Anrufe. Viele Journalisten wollen von ihm wissen, was es denn mit den ominösen 6,7 Millionen Euro auf sich habe, die das OK im Jahr 2005 an die Fifa gezahlt hatte. Schmidt lässt in der Regel die Fragen geduldig über sich ergehen und sagt dann ganz freundlich, dass er nichts dazu sage.

Einem Anrufer allerdings soll der Ex-Funktionär, der beim DFB als "Markenzeichen" des Verbandes galt, angeblich doch etwas gesagt haben. Der Anrufer soll der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger gewesen sein, der wie Schmidt Vizechef im OK war. Auf die Frage von Zwanziger, wohin das Geld letztlich geflossen sei, soll Schmidt einen Namen genannt haben: Mohamed Bin Hammam aus Katar. Der Unternehmer war von 1996 bis 2011 Mitglied im Exekutivkomitee der Fifa, als einer der Vertreter Asiens. Bin Hammam soll eines jener zwölf Exekutiv-Mitglieder gewesen sein, die im Jahr 2000 für Deutschland als Austragungsort der Weltmeisterschaft 2006 gestimmt hatten.

Was Schmidt laut Spiegel zu Zwanziger gesagt haben soll, könnte den Spekulationen neue Nahrung geben, die WM 2006 sei gekauft worden. Ein Beweis ist das nicht. Es steht nicht einmal fest, ob sich Schmidt wirklich so geäußert hat. Am Donnerstag hatte er in der Sache eine zwei Seiten lange Erklärung verschickt, die mit der Zwanziger-Erklärung nicht leicht zu vereinbaren ist: "Der zugrundeliegende Sachverhalt hatte nach meiner Kenntnis mit der WM-Vergabe nicht das Geringste zu tun", schrieb Schmidt.

Also auch nichts mit Hammam und nichts mit Katar. In der Erklärung vom Donnerstag war Schmidt auch auf einen Sachverhalt eingegangen, über den der Spiegel in der vorigen Woche berichtet hatte. Bei einem Krisentreffen in Frankfurt mit ehemaligen OK-Mitgliedern soll Zwanziger 2013 zu den 6,7 Millionen Euro angeblich erklärt haben: "Klärt das auf, sonst sind wir die Gejagten."

Die übrigen Teilnehmer des Gesprächs haben hingegen erklärt, über die 6,7 Millionen Euro sei gar nicht gesprochen worden. "Dieses Thema war nicht Gegenstand der Erörterung", widersprach auch Schmidt in seiner Erklärung seinem früheren Chef Zwanziger.

Wer sagt die Wahrheit? Wer tut sich mit der Erinnerung schwer? Dem Spiegel zufolge hat Zwanziger von seinem angeblichen Telefonat mit Schmidt ein "Gedächtnisprotokoll" angefertigt und darin notiert, Schmidt habe ihm den Namen Bin Hamman als Empfänger der 6,7 Millionen Euro genannt. Geflossen sein soll das Geld über den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus, für den die Zahlung des OK an die Fifa vom April 2005 nach Darstellung des DFB bestimmt war.

Am Samstag widersprach Schmidt Zwanziger. "Der Name Bin Hammam ist möglicherweise gefallen. Aber ich werde nicht behaupten, dass er der Empfänger des Geldes ist. Ich weiß es einfach nicht", sagte Schmidt der Bild-Zeitung

Bin Hammam aus Katar war als Chef des asiatischen Verbandes AFC und Mitglied der Fifa-Exekutive lange eine Schlüsselfigur im Weltfußball. Er gehörte zu den Gefolgsleuten von Fifa-Boss Sepp Blatter und half ihm bei mehreren Wahlen, versuchte dann aber, ihn Anfang des Jahrzehnts vom Thron zu stoßen. Dabei soll Bin Hammam in der Karibik Stimmen für seine Präsidentschaftskandidatur gekauft haben. Der Katarer hat das trotz erdrückender Beweislage zurückgewiesen, er wurde aber im Jahr 2012 von der Ethik-Kommission der Fifa lebenslang für jegliche Tätigkeit im Fußball gesperrt.

Bin Hammam hat laut Spiegel auf eine Anfrage keine Erklärung abgegeben.

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