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Mögliche Absprachen bei der Fußball-EM:"Sie schulden uns ein Nasenbein!"

Erinnerungen an den legendären Nichtangriffspakt von Gijon: Vor den entscheidenden Spielen in Gruppe C diskutieren Italiener und Spanier die Möglichkeit einer Mauschelei zwischen beiden Teams. Die Spanier geben die Saubermänner - aber ein paar alte Rechnungen mit dem alten Rivalen begleichen möchten sie schon.

Am Wochenende öffnete Spaniens Nationalelf der Presse die Pforten ihres Hotels in Gniewino. Die Reporter durften dabei auch jenen Saal begutachten, in dem Trainer Vicente del Bosque die Teambesprechung abhält. Eine Tafel stand dort, weiß und unberührt, und das konnte Filippo Maria Ricci, Mitarbeiter der Gazzetta dello Sport, so nicht lassen.

Spanien Italien EM 2012 Europameisterschaft

Wer hat hier Stress? Spaniens Trainer Vicente del Bosque (mitte) gibt sich betont entspannt.

(Foto: dpa)

Nicht am Vorabend der Partie gegen Kroatien. Er griff zum Filzschreiber (blau!) und hinterließ, im Namen seines Heimatlandes, eine knappe, eindeutige Nachricht: "Ihr lieben spanischen Freunde. Bitte, nicht 2:2!" Gezeichnet: "Italia." Das 2:2 wäre eines jener Resultate, das sowohl Spanier als auch Kroaten an diesem Montag in Danzig weiterbringen würde - und das die Italiener aus dem Turnier befördert. Gleiches gilt für jedes Remis mit noch mehr Toren.

Aber ist diese medial geschürte Angst vor einem Abkommen wie bei der WM 1982 zwischen Deutschland und Österreich gerechtfertigt, als im spanischen Gijón die Algerier durch den deutschen 1:0-Sieg ausgebootet wurden? Ist eine Wiederholung jener Verabredung denkbar, die Dänen und Schweden bei der EM 2004 trafen, als sie mit einem 2:2 die Italiener auf Gruppenplatz drei verbannten?

Nicht, dass die Spanier unbefleckt wären: In der EM-Qualifikation 1984 trotzten sie Malta ein punktgenaues 12:1 ab, bei der WM 2010 in Südafrika gingen sie auf den Nichtangriffspakt ein, den ihnen die Chilenen beim Stand von 2:1 (Endstand 2:1) signalisierten.

Diesmal aber dürften die Dinge doch anders liegen. Natürlich sagen alle Spanier, dass sie gegen Kroatien nur auf Sieg spielen werden: "So wie es unserer Philosophie entspricht" (Verteidiger Gerard Piqué). Trainer Del Bosque, der seinen Vertrag bis 2014 verlängert hat, ist fest davon überzeugt, dass der Aufschwung des spanischen Fußballs auch damit zusammenhängt, dass man Seriosität und Sportlichkeit walten lässt, dass die gern als schelmische Gewitztheit verbrämte Hinterlist von einst überwunden wurde.

"Diese Gruppe hat sich stets korrekt verhalten, auf und neben dem Platz", sagt Del Bosque. "Der Stern wird nicht befleckt", titelte die Sportzeitung Marca in Anspielung auf das fünfzackige Ehrenzeichen überm Wappen, das für den WM-Titel von 2010 steht. Doch tief im Innern des spanischen Wesens kollidieren so manche Gefühle, was jetzt auch von Marca genüsslich nach außen gekehrt wurde.

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