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Mixed Martial Arts in Berlin:Heim will zeigen, dass er kein gewaltverherrlichender Brutalo ist

Heins Kampf ist der erste von vier Hauptkämpfen, nach sieben Vorkämpfen, die das Publikum verwöhnt haben. Oft wurde viel am Boden gekämpft, es entstanden dann die Momente, die viele verstören. Diese Momente, die zunächst so nah und intim sind, weil sich die Kontrahenten eng aneinander schmiegen. Und die dann innerhalb weniger Sekunden eine Wucht und Härte bekommen, die es so tatsächlich in anderen Sportarten nicht gibt. Wenn ein Gegner auf dem anderen kniet und ihn ins Gesicht schlägt. Wenn ein Gegner aufgibt, weil ihn der andere so fest im Schwitzkasten hat, dass er keine Luft mehr bekommt.

Das Publikum in Berlin jubelt genau in diesen Momenten der beiden Extreme. Am lautesten wird es im letzten Hauptkampf, in dem die Polin Joanna Jedrzejczyk der tapferen Amerikanerin Jessice Penne zweieinhalb Runden lang die Nase zermatscht, erst dann bricht der Schiedsrichter ab; beide Kämpferinnen sind da schon längst völlig blutüberströmt. Dass die Zuschauer sich nicht von denen einer Boxveranstaltung unterscheiden, dass also auch Männer in dunklen Anzügen, Männer mit geschorenen Haaren und Frauen mit tiefen Ausschnitten zuschauen, wird viele UFC-Gegner in ihren Vorurteilen bestätigen. Dass Boxen in Deutschland ein etablierter Fernsehsport ist, verdrängen sie dabei.

TV-Sender interessiert

In den USA, dem Kernland der UFC, hat diese das Boxen in seiner Beliebtheit beim Fernsehpublikum längst eingeholt. Auch in Deutschland interessieren sich mehrere Anstalten für diese Sportart, die auf der ganzen Welt immer mehr Anhänger findet. Der Sender Sport1 soll schon länger interessiert sein, inzwischen auch ProSiebenSat1 - im vergangenen Herbst hatte das Verwaltungsgericht in München das Fernsehverbot aufgehoben.

Die dritte Runde des Kampfes von Nick Hein, eine kurze Unterbrechung, weil er Sajewski ins Auge gefasst hat. Der Kampf geht weiter, aber er bleibt der ruhigste des Abends, es gibt nicht einmal einen längeren Bodenkampf. Hein gewinnt souverän nach Punkten.

Nach dem Kampf heizt er das Publikum ein, er verspricht, dass er weiter in der UFC kämpfen wird, bewirbt sich für einen Auftritt in Japan. Und mit jedem Kampf wird er, der als Judoka und Polizist so lange einen gesellschaftlich genormten Weg gegangen ist, weiter gegen die Vorurteile antreten. Er wird antreten, um zu zeigen, dass er kein gewaltverherrlichender Brutalo ist. Sondern ein Athlet, wie alle anderen Kampfsportler auch. Hein wird noch oft in der UFC antreten. Der schwerste Kampf wird der außerhalb des Käfigs bleiben.

Nach der Urteilsverkündung sinkt Hein auf den Boden, weint, bekreuzigt sich mehrfach.

© SZ.de/hum
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