Mitarbeiterin des Tages:Die Schwimm-Göttin und die Liebe

Tokio 2020 - Schwimmen

Noch einmal Rang sieben zum Abschied von den 200 Metern Freistil, wenn es denn ein Abschied wird: die Italienerin Federica Pellegrini.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Nach fünf olympischen Finals hintereinander sagt Federica Pellegrini Arrivederci - und gesteht die Liebe zu ihrem Coach. Wieso kommt einem das so bekannt vor?

Von Claudio Catuogno

Irgendwann heißt es Abschied nehmen, auch für die Königin, ach was: die Göttin, die "Löwin aus dem Veneto". Und in Tokio war es nun so weit. Federica Pellegrini, 32, stieg aus dem Becken - und sah, dass es gut war: Rang sieben über 200 Meter Freistil, nicht ganz ihr Maßstab, aber: "Ich habe sogar beim Schwimmen gelächelt!" Geweint hatte sie schon nach dem Halbfinale, vor Glück natürlich: Da hatte sie sich haarscharf noch mal dieses olympische Finale gesichert, ihr fünftes hintereinander über dieselbe Strecke, welcher Irdische kann das von sich behaupten? 2004 in Athen (2.), 2008 in Peking (1.), 2012 in London (5.), 2016 in Rio (4.), und jetzt in Tokio, Pellegrini war immer da, wie eine römische Statue, aber nun: Finito! Arrivederci 200 Freistil. Wirklich. Wirklich?

Schon bei der WM 2017, goldbehangen noch einmal, hatte sie ja verkündet: "Das waren meine letzten 200 Freistil." Italien lag ihr wieder zu Füßen: "Göttliche Pellegrini! Italien schwimmt mit Federica im Gold", dichtete die Gazzetta dello Sport zum Abschied. Dann machte Federica doch weiter. Die Liebe war einfach zu groß.

Die Liebe ist ihr Lebensthema, schlag nach in ihren zwei Büchern ("Mama, darf ich mir ein Piercing machen? Gedanken und Geheimnisse einer sehr jungen Siegerin"; "Mein Freistil: Schwimmen, Liebe und Rock 'n' Roll"). Legendär auch ihre Beziehung mit dem Schwimmer Luca Marin, den sie der Französin Laure Manaudou ausgespannt hatte, von Schwimm-Diva zu Schwimm-Diva. Er: "Federica küsst so viel besser als Laure!" - Sie: "Mit Luca will ich meine Fantasie in der Umkleidekabine erfüllen, in Pumps." Bald kam sie dann aber mit dem Weltmeister Filippo Magnini zusammen, und nun: schon wieder Grande Amore! Standhaft hatte sie bisher bestritten, dass sie und ihr Coach Matteo Giunta ein Paar sind, aber jetzt in Tokio hingehaucht: "Matteo ist ein toller Coach und ein Lebenspartner. Ich hoffe, es wird auch in Zukunft so sein."

Tja, man wünscht es ihr, aber man weiß es nicht. Götter bleiben selten am gleichen Ort.

© SZ/klef/and
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