Missbrauchsvorwürfe in Österreichs Skisport:Mit dem Auftauchen von Kahr und Sailer habe eine "Verrohung" eingesetzt

Dann sei sie ins Bad geflüchtet, habe panisch die Tür verriegelt und erst nach 15 oder 20 Minuten vorsichtig geöffnet: "Sailer und Kahr lagen jetzt beide auf dem Bett, die waren ja total besoffen, am helllichten Nachmittag. Da bin ich sofort raus." Die Frau hat der SZ eine eidesstattliche Erklärung vorgelegt. Nicole Werdenigg versichert ebenfalls per eidesstattlicher Erklärung, dass ihr die Kollegin damals von der versuchten Vergewaltigung noch im Teamquartier in Québec erzählt habe.

Werdenigg war zu dieser Zeit selbst in der Nationalmannschaft aktiv. Mit dem Auftauchen von Kahr und Sailer im ÖSV, sagt sie im Gespräch mit der SZ, habe spürbar eine "Verrohung" eingesetzt: "Die zwei haben in den Betrieb der Serviceleute und der anderen Trainer Sodom und Gomorrha reingebracht. Es gab keine Grenzen mehr. Da war nichts mehr so, wie es in einem Umfeld im Sport sein sollte."

Nichts davon sei wahr, lässt Charly Kahr mitteilen, es handle sich um "verleumderische Behauptungen".

Charly Kahr blieb bis 1985 Cheftrainer der Alpin-Männer, später wurde er Hotelier. Seine Homepage liefert fotografische Zeugnisse zahlloser Begegnungen mit prominenten Größen Österreichs und darüber hinaus: mit Arnold Schwarzenegger und Niki Lauda, mit Roberto Blanco und Karl Moik, mit Politikern, Wirtschaftsvertretern, Sportlern. Allein 21 Ehrungen zählt Kahr selbst auf, darunter die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatgemeinde Schladming und das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

"Dem ÖSV sind keine Übergriffe von Karl Kahr bekannt", lässt der Verband, der seinem ehemaligen Chefcoach ebenfalls die goldene Ehrennadel ans Revers heftete, auf SZ-Anfrage mitteilen.

Das Bild, das Betroffene und Zeugen in Gesprächen mit der SZ zusammengesetzt haben, zeigt allerdings nicht nur Charly Kahr. Es zeigt ein Leistungssportsystem, in dem offenbar nicht so genau hingeschaut wurde. Der Machtmissbrauch gegenüber Schutzbefohlenen hatte demnach viele Varianten, über den die Betroffenen erst jetzt, im #MeToo-Klima neuer Offenheit, sprechen können. Auch wenn vieles wegen Verjährung womöglich nicht mehr juristisch verfolgt werden kann.

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