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Missbrauch im Sport:Zeit zum Zuhören

Bilanzbericht zu sexuellem Kindesmissbrauch

Anlaufstelle für Menschen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind – nicht nur im Sport: die Frankfurter Sozialpädagogik-Professorin Sabine Andresen.

(Foto: Jörg Carstensen/dpa)

Eine Kommission ruft Betroffene auf, über sexualisierte Gewalt und Missbrauch im Sport zu reden. Die Ergebnisse sollen in einen Bericht einfließen - derartige unabhängige Studien seien im Sport noch immer viel zu selten, monieren Experten.

Der sexuelle Missbrauch von Kindern im Sport ist bislang weit weniger untersucht und dokumentiert worden als etwa der im Umfeld der Kirchen. Die Anfang 2016 eingesetzte Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs will das nun ändern. Am Montag veröffentlichte sie einen Aufruf an Betroffene, Zeitzeugen und Angehörige, sich zu melden und über Missbrauchserfahrungen in der Kindheit zu berichten, die mit dem Sport in Verbindung stehen.

Im März hatte die unabhängige Kommission bereits einen Bericht über Missbrauch in der DDR veröffentlicht, Anfang April dann die erste große Gesamtdokumentation ihrer bisherigen Arbeit. Damals hatte die Kommissionsvorsitzende, die Sozialpädagogik-Professorin Sabine Andresen, angekündigt, der Sport solle eines der nächsten Schwerpunktthemen werden. Am Montag verwies sie anlässlich des Aufrufs darauf, dass einzelne Berichte von Betroffenen zu sexualisiertem Kindesmissbrauch im Sport die Kommission in der Vergangenheit bereits erreicht hätten. "Diese Zeugnisse und auch Medienberichte aus den vergangenen Jahren weisen darauf hin, dass es einer unabhängigen Aufarbeitung bedarf, die in den Strukturen des Freizeit- und Leistungssports bisher noch nicht ausreichend vorgesehen ist."

Für die Untersuchung von Missbrauch im Sport setzt die Kommission auf vertrauliche Anhörungen und schriftliche Berichte. "Haben Sie in Ihrer Kindheit und Jugend sexuelle Gewalt beim Sport erfahren?", heißt es in dem Aufruf. "Berichten Sie von Ihren Erfahrungen beim Freizeit-, Leistungs- oder Schulsport. Erzählen Sie uns Ihre Geschichte."

Anmelden können Betroffene, Zeugen und Angehörige sich online, telefonisch oder schriftlich, auch anonym. Danach meldet sich die Kommission und organisiert, wenn gewünscht, eine Anhörung. Die rund zweistündigen Anhörungen sind nicht öffentlich; die Kosten für Anreise und Übernachtung werden übernommen. Alles, was in den Anhörungen zur Sprache kommt, wird vertraulich behandelt.

Wenn die Betroffenen einverstanden sind, fließen ihre Geschichten anonymisiert in die Berichte der Kommission ein. Wie das am Ende aussehen kann, lässt sich in den schon veröffentlichten Berichten zu anderen Schwerpunktthemen nachlesen. Dort kommen Missbrauchsopfer mit ihren Geschichten zu Wort, hinzu kommen statistische Auswertungen und Empfehlungen der Kommission. Die Alternative zu einer Anhörung ist ein schriftlicher Bericht, in der Betroffene auf ihren Wunsch hin ihre Namen nicht nennen müssen. Hinweise, wie ein solcher Bericht verfasst werden kann, finden sich auf der Internetseite der Kommission.