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Miroslav Klose:Vom schüchternen Buben zum Elder Statesman

Miroslav Klose ist 34 Jahre alt. Und es ist erstaunlich, welche Entwicklung er in den vergangenen 15 Jahren genommen hat. Als er bei der Nationalmannschaft auftauchte, konnte er vor Scheu keinem in die Augen schauen. Mittlerweile entlockt ihm selbst beißende Kritik nur noch ein Gähnen.

Training deutsche Fussball Nationalmannschaft

Vom schüchternen Buben zum "elder statesman": Miroslav Klose in der deutschen Nationalelf.

(Foto: dapd)

Miroslav Klose hatte erst ein Wort gesagt und doch schon zu mindestens zwei Themen Stellung genommen: Er hatte die Pressekonferenz des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit einem "Servus" eröffnet. Das ist ein lateinischer Ausdruck und bedeutet "Zu Ihren Diensten". Er gab damit einen Hinweis auf seine neue Heimat Rom. Zweitens ist diese Begrüßung in Bayern sehr beliebt, man hätte es also als Friedensangebot an Uli Hoeneß deuten können. Oder war es doch ein Gruß an Gerd Müller?

Das mit dem Friedensangebot an Uli Hoeneß erwies sich schnell als Trugschluss. Der Präsident des FC Bayern München hatte sich zuletzt despektierlich über die 65 Tore geäußert, die Miroslav Klose für die deutsche Nationalmannschaft erzielt hat: Da wären "mindestens 80 Prozent" davon gegen "Liechtenstein und Co." darunter.

Klose zeigte, dass er in Rom bereits die Gelassenheit der dortigen Geschäftsmänner erlernt hat und erhob sich über die Kritik: "Das macht mich mittlerweise ein bisschen müde. Ich möchte mich nicht dazu äußern, das Thema müssen wir jetzt nicht wieder hochkochen."

Miroslav Klose ist 34 Jahre alt. Und es ist schon erstaunlich, welche Entwicklung dieser Fußballspieler in den vergangenen 15 Jahren genommen hat. Damals, mit 19 Jahren, spielte er noch für diesen Verein, dessen Name wie kaum ein anderer nach deutscher Provinz, nach Bratwurstgrill und Sportheim klingt: SG Blaubach-Diedelkopf, Bezirksliga Westpfalz, siebte Liga.

Als er 2001 bei der Nationalmannschaft auftauchte, konnte er vor Schüchternheit und Scheu keinem in die Augen schauen und blickte lieber auf den Boden. Im Jahr 2012 befindet sich Klose in einer derart selbstbewussten Position, dass ihn selbst beißende Kritik des bayerischen Fußballgiganten und ehemalige Nationalstürmers Hoeneß nur noch ein Gähnen entlockt.

Ereilt ihn keine fiese Verletzung, wird er demnächst Gerd Müller (68 Treffer) als DFB-Torjäger Nummer eins überholen, selbst die aberwitzigen 150 Länderspiele des Lothar Matthäus sind nur noch 25 Partien entfernt. Er könnte 2014 in Brasilien auch Ronaldo als WM-Rekord-Torschützen ablösen. Bundestrainer Joachim Löw wird die Geschichte jedenfalls nicht stoppen.

Auf die Kritik aus München reagierte er vor dem WM-Qualifikationsspiel am Dienstag in Berlin gegen Schweden (20.45 Uhr) mit Lobeshymnen auf seinen Lieblingsstürmer. "Jeder Trainer kann froh sein, wenn er einen Miroslav Klose in der Mannschaft hat", sagte Löw.