Millionenzahlung Bin Hammam war enger Vertrauter von Blatter

Die war nach Darstellung des DFB mit im Spiel, als 2002 die heimliche Zahlung der zehn Millionen Schweizer Franken an den Weltverband besprochen worden sei. Vorgestreckt haben soll den Deutschen das Geld der frühere Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus, der es später dann laut DFB vom OK zurückbekam. Umgerechnet 6,7 Millionen Euro, transferiert über den Umweg Fifa und getarnt als Zuschuss für das Kulturprogramm der WM. Die ganze Heimlichtuerei hat Spekulationen ausgelöst, die zehn Millionen Franken seien nachträgliches Schmiergeld dafür gewesen, dass Deutschland im Jahr 2000 den Zuschlag für die WM 2006 bekam. Beckenbauer, Niersbach und der DFB streiten das ab.

In DFB-Kreisen wird stattdessen gemutmaßt, mit dem Geld sei bei der Fifa eine schwarze Kasse gefüllt worden, aus der sich dann Fifa-Chef Sepp Blatter und dessen Leute bedient hätten. Beispielsweise, um Blatters Wiederwahl als Präsident des Weltverbandes im Jahr 2002 zu sichern. In dem Jahr also, in dem die zehn Millionen Franken geflossen seien. Zu dieser Theorie passe, heißt es in DFB-Kreisen, dass Bin Hammam dem handschriftlichen Vermerk von Horst R. Schmidt zufolge bei der Fifa für dieses Thema zuständig gewesen sei. Der Mann aus Katar war 2002 noch einer der engsten Vertrauten Blatters. Dass Blatter und die Fifa den ganzen Vorgang und den Eingang der zehn Millionen abstreiten, wird in DFB-Kreisen als logisch bezeichnet. Eine schwarze Kasse könne man ja nicht zugegeben.

Was richtig ist und was falsch, werden vielleicht die Ermittlungen zeigen. Nach Ansicht von Juristen, die den Fall gut kennen, muss die Frankfurter Staatsanwaltschaft alles aufklären; auch den angeblichen Geldfluss im Jahr 2002 von Dreyfus im Auftrag des deutschen WM-OK in irgendwelche Fifa-Kanäle. Notfalls seien Rechtshilfeersuchen ins Ausland nötig. Wenn die DFB-Version stimme und die zehn Millionen Franken in Fifa-Sphären gegangen seien, um 250 Millionen WM-Zuschuss zu sichern, dann wäre juristisch alles okay, glaubt mancher Jurist.

Dann hätte der DFB die Rückzahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro an Dreyfus zwar falsch betitelt, aber zu Recht als Betriebsausgabe beim Fiskus angegeben. Dann läge keine Steuerhinterziehung durch Niersbach, Schmidt und deren früheren OK-Mitstreiter und heutigen Gegner Theo Zwanziger vor. Was von dieser Version zu halten ist, muss sich aber erst noch zeigen.

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