Wolken am Gletscher, schlechte Sichtverhältnisse auf der Piste: Das kann sogar die rasante Fahrt der besten aller Skirennfahrerinnen bremsen. Mikaela Shiffrin, 29, hat zum Auftakt der alpinen Skisaison auf dem Rettenbachferner bei Sölden den Sieg verpasst - es wäre Erfolg Nummer 98 für die Schneekönigin aus den USA gewesen. Im zweiten Durchgang des Riesenslaloms rutschte sie noch vom ersten auf den fünften Platz zurück. So gewann Federica Brignone, Kombinations-Weltmeisterin aus Italien, mit 0,17 Sekunden Vorsprung auf Alice Robinson aus Neuseeland und die Österreicherin Julia Scheib. Lena Dürr fuhr als beste Deutsche auf den hervorragenden zehnten Rang.
Es war ein unerwarteter Lichtblick für die deutsche Mannschaft. Denn Lena Dürr, 33, aus Germering gilt als ausgewiesene Slalom-Spezialistin - im Riesenslalom, zwischen den weiter gesteckten Toren, ist sie in ihrer Karriere überhaupt nur zweimal besser gewesen. Und das ist lange her: 2011 als Achte in Aspen/USA und 2010 als Neunte in Maribor in Slowenien. „Das tut sehr gut“, sagte sie über ihren gelungenen Auftakt, „ich bin sehr, sehr glücklich.“
Als zweite deutsche Läuferin eroberte die 26-jährige Fabiana Dorigo vom TSV 1860 München vor 16 000 Zuschauern Weltcuppunkte, zum ersten Mal im erst siebten Weltcuprennen seit Februar 2020: Sie hatte sich mit der hohen Startnummer 43 für den zweiten Lauf qualifizieren müssen, dann arbeitete sie sich von Rang 30 noch auf Platz 24 vor. „Ich hoffe, es geht so weiter“, sagte sie. Nur Emma Aicher verpasste die Punkteränge.
Gut-Behrami verzichtet - ihr ist das Risiko zu hoch
Bemerkenswert war an diesem Tag auf dem Gletscher der Rennverzicht der Schweizerin Lara Gut-Behrami. Die Gesamtweltcupsiegerin des vorigen Winters nahm kurzfristig Abstand von ihrem Start, weil sie sich nicht zu 100 Prozent bereit fühlte. Es sei eine „harte Entscheidung“ gewesen, sagte sie unter Tränen.
Gut-Behrami, 33 Jahre alt, galt neben Shiffrin als Favoritin auf den Sieg. Sie liebe diesen Hang, auf dem sie in ihrer Karriere schon dreimal gewonnen hat, sagte sie. Und doch zog sie kurz vor dem Rennen noch zurück. „Man kann nicht an den Start gehen, wenn man sich nicht überwinden kann“, sagte Gut-Behrami. Sie habe bei der Besichtigung gemerkt, dass sie nicht bereit für das Risiko sei. Es fehle ihr an Selbstvertrauen und Sicherheit. Die Gefahr, sich womöglich zu verletzen, sei ihr zu groß gewesen. Sie hoffe nun auf einen Start beim nächsten Riesenslalom Ende November in Killington.
Gut-Behrami, 33, ist eine erfahrene Athletin. Sie durchlebte, so berichtete sie, zuletzt einen „schwierigen Monat“, in dem ihr eine Grippe und Knieprobleme zu schaffen machten. Vergangenen Winter hatte sie den Gesamtweltcup sowie die Disziplinwertungen im Riesentorlauf und im Super-G gewonnen.

