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Mexikos Trainer Herrera:"40 Tage lang kann man ruhig mal fasten"

Herrera vertraute zunächst ausschließlich auf Spieler aus der mexikanischen Liga - vor allem aus dem Kultklub América, den er zuvor zwei Mal ins Meisterschaftsfinale und einmal zum Titel geführt hatte. Dessen Kicker kannten sein nicht verhandelbares 5-3-2-System bestens. Für die WM aber integrierte er die in Mexiko nicht unumstrittenen Legionäre, das letzte halbe Jahr brachte er damit zu, die Öffentlichkeit humoristisch zu bearbeiten, mit Auftritten in den Medien, in Telenovelas und Comedy-Shows. Zum Lachen war ihm nur einmal nicht, als er den aktuell wohl besten Mexikaner, Stürmer Carlos Vela von Real San Sebastián, nicht zur Rückkehr ins Nationalteam überreden konnte.

Vela hat den Funktionären nicht verziehen, dass sie ihn wegen "Disziplinlosigkeit" für ein paar Spiele aus dem Team verbannten - wobei Disziplinlosigkeit für eine Feier mit Sexdienstleisterinnen stand. Für die Dauer der WM übrigens hat Herrera wegen einer Affäre aus der Zeit des Confed-Cups 2013 eine Art Ramadan ausgerufen: kein rotes Fleisch, kein Alkohol, kein Tabak, kein Sex.

"40 Tage lang kann man ruhig mal fasten", sagt Herrera, schlimmer sei nur eins: Nicht dabei zu sein. Ein bitterer Gruß an Carlos Vela. Er selbst weiß, was es heißt, eine WM zu verpassen. 1994 war Herrera eigentlich Stammspieler, fürs Panini-Album hatte er sich mit einer Hansa-Rostock-Vokuhila-Gedächtnis-Frisur verewigen lassen. Und am Tag der Nominierung hatte er auch morgens einen Anruf von Nationaltrainer Mejía Barón erhalten: "Du fährst mit". Am Abend aber war Herreras Name auf der Liste nicht zu finden. Angeblich hatte Barón Bedenken, Herrera könne zu aufbrausend sein. Tatsächlich war der damalige Rechtsverteidiger nicht nur berühmt dafür, seinen Teamkollegen im Training die Schienbeinschoner zu zersplittern, bei einem Freundschaftsspiel hatte er sich auch noch ziemlich dämlich vom Platz stellen lassen, zudem in der Liga einen Fan geschlagen, der ihm blöd von der Seite gekommen war. Verständnis bringt Herrera für seine Nicht-Nominierung bis zum heutigen Tag nicht auf, im Gegenteil. Er nennt Mejía Barón bevorzugt einen "sexuell Abartigen", wahlweise einen "Schwulen".

Das steht in der homophoben Tradition Mexikos (sowie sämtlicher Länder, die südlich des Rio Bravo angesiedelt sind). Ein Ausdruck dessen ist auch ein beharrlicher Ruf der mexikanischen Fans bei Eck- und Abstößen der Gegner: "Puuuuu-to", rufen sie, was man frei als Schwuchtel übersetzen kann. Die Mexikaner hatten deswegen auch schon Ärger mit dem Fußballweltverband Fifa, was insofern überraschend ist, als der seine nächsten WM's in schwulenfeindliche Länder wie Russland und Katar vergeben hat. Das Beste, was man von den mexikanischen Fans in diesem Zusammenhang sagen kann, ist, dass sie zumindest Schlagfertigkeit bewiesen. Statt "Puto" rufen sie nun "Pepsi". Der Brausehersteller ist der Rivale eines Fifa-Sponsors.

© SZ vom 25.06.2014/bero
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