Mesut Özil in Madrid:Die königliche Familie

Mesut Özil ist angekommen: Real Madrid sei "wie eine Familie", sagte er. Der böse Schwiegervater hat sich in einen guten verwandelt - und die Fans haben Özil längst liebgewonnen.

David Binnig

In Gelsenkirchen gibt es derzeit nur wenige glückliche Fußballfans. Mesut Özils Familie zum Beispiel. Die ist im Ruhrpott geblieben, während Özil nach Madrid ging und Raúl von dort kam. Ob Felix Magath für Raúl schon zur Vaterfigur wurde, ist nicht bekannt. Für Mesut Özil jedoch sind sein neuer Trainer und seine Arbeitskollegen bei Real Madrid Familienersatz. "Man spürt, dass wir in der Mannschaft wie eine Familie sind", sagt Özil im Interview mit der spanischen Zeitung AS.

Real Madrid v AFC Ajax - UEFA Champions League

Nach dem Champions-League-Spiel gegen Ajax Amsterdam wurde Mesut Özil als "Magier" gefeiert. Doch einen Stammplatz hat er bei Real Madrid noch längst nicht sicher.

(Foto: Getty Images)

Und auch das Familienoberhaupt der Königlichen hat es dem deutschen Nationalspieler angetan: "Jose Mourinho ist für mich der beste Trainer der Welt." Mesut Özil hat sich gut eingelebt in Madrid. Er lernt - auf und neben dem Platz. Seit Mourinho den bösen Schwiegervater gab und über die fehlenden Sprachkenntnisse seiner beiden deutschen Zugänge schimpfte, verbringen Özil und Sami Khedira viel Zeit mit Vokabeltraining. "Zwei- bis dreimal die Woche, je nach Champions-League-Belastung", beschreibt Özil die Intensität seines Sprachunterrichts.

Ende der Integrationsdebatte

Vier Wochen ist es her, dass der exzentrische Real-Trainer Mourinho die mangelnde Integration seiner deutschen Spieler kritisierte: "Ihre Teilhabe am sozialen Leben des Kaders ist gleich null." Nun hat Özil seinen Platz im Familienverbund gefunden: den Platz des Spielmachers. "Ich spüre schon eine gewisse Verantwortung, bei Real das Spiel zu machen", sagt Mesut Özil, "aber dafür bin ich ja hier".

Die Real-Familie braucht einen Strategen in ihrer Mitte - einen Strippenzieher im Mittelfeld. Diese Position ist den Madrilenen lieb und teuer: Für Özil zahlten sie 18 Millionen Euro an Werder Bremen. Für Kaká 65 Millionen an den AC Mailand. Der ehemalige Weltfußballer fällt nach einer Knie-OP noch bis Ende des Jahres aus. Kaká beschäftigt sich derzeit mit Reha-Maßnahmen und Musik: Zusammen mit seiner Frau nahm er gerade einen selbstgeschriebenen Schmuse-Song auf. Der Özil-Konkurrent Nummer zwei ist ebenfalls verletzt. Er heißt Sergio Canales, ist 19 Jahre alt und kostete sechs Millionen Euro Ablöse. Im ersten Saisonspiel hatte Mourinho ihm noch den Vorzug vor Özil gegeben.

Ein Genuß für die Zuschauer

Mesut Özil hat die Möglichkeit, sich in der königlichen Stammelf festzuspielen. Doch er ist noch nicht konstant in seinen Leistungen. Nach seinem Galaauftritt gegen Ajax Amsterdam in der Champions League wurde er hochgelobt. Die Zeitung El Pais schrieb: "Ein Magier im Bernabeu. Özil hat ein exzellentes Repertoire und besitzt die Kunst des Unvorhersehbaren."

Nach weniger auffälligen Leistungen wie dem mühsamen 2:1-Sieg Reals über den Aufsteiger San Sebastian klang das Medienecho ganz anders. "Özil benötigt eine hohe Einbeziehung in das Spiel. Wenn er nicht ständig den Ball bekommt, verliert er den Mut und verabschiedet sich", analysiert die AS. Am Mittwoch besiegte Real Espanyol Barcelona mit 3:0. Als Mourinho in der 63. Minute seinen Spielmacher auswechselte, fingen die Zuschauer an zu pfeifen. Özil wurde aufgenommen in die Familie. "Wir sind eine junge Mannschaft, die fähig ist, sich zu entwickeln", sagte er dankbar. "Wir werden bald noch stärker sein, und die Zuschauer werden es genießen."

© sueddeutsche.de
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