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Lionel Messi:"Ich bin eher weg als hier"

Große Enttäuschung: Lionel Messi nach der 2:8-Niederlage gegen Bayern München im Viertelfinale der Champions League.

(Foto: Manu Fernandez/AP)

In Barcelona werden die Spekulationen um einen Abschied von Lionel Messi immer konkreter. Doch wo soll er hin? Und wer könnte ihn bezahlen?

Von Javier Cáceres

Eine Woche nach dem traumatischen Viertelfinal-K.-o. gegen den FC Bayern steht weiterhin die Frage im Raum, ob das 2:8 von Lissabon tatsächlich das letzte Spiel von Lionel Messi im Dress des FC Barcelona gewesen sein könnte. Bei einem Treffen, für das Messi seinen Urlaub in den Pyrenäen unterbrach, soll der 33-Jährige gegenüber dem neuen Trainer Ronald Koeman Zweifel an seinem Verbleib erklärt haben. "Ich bin eher weg als hier", sagte er laut dem Radiosender RAC1. Die Meldung wurde von Messis Management nicht dementiert, von Barça nicht kommentiert - und durch Messis dröhnendes Schweigen amplifiziert. Koeman hatte am Mittwoch bei seiner Vorstellung erklärt, dass Messi der beste Fußballer der Welt sei. Gleichzeitig hatte er betont, nur mit Spielern arbeiten zu wollen, die bei Barça bleiben wollen.

In Barcelona gilt als sicher, dass Messi schon gern die Tür zuknallen würde. Aber: Ihm sind in vielerlei Hinsicht die Hände (und Beine) gebunden. Er hat wenig Interesse daran, Einbußen an seinem Salär hinzunehmen; es beläuft sich auf rund 50 Millionen Euro netto. Das ist kein Betrag, den viele Klubs stemmen können. Zudem läuft sein aktueller Kontrakt bis 2021. Um den Verein jetzt zu verlassen, müsste er 700 Millionen Euro auftreiben; ab Januar könnte er frei mit anderen Vereinen verhandeln. Theoretisch könnte er den Verein auch um eine freundschaftliche Auflösung des Vertrags bitten. Die Vereinsführung soll nicht so abgeneigt sein, wie nach außen erklärt wird. Der hochverschuldete Klub braucht jeden Cent. Gleichwohl bleibt diese Option vage. Denn die aktuelle Situation hat eine längere Vorgeschichte.

Messi war schon vor dem Kollaps von Lissabon mit dem Präsidium verkracht, nun ist es alles noch dramatischer. In Messis Augen war die Abreibung gegen die Bayern nur das peinliche Ende einer Drift, die von den Bossen durch viele Fehlentscheidungen ausgelöst wurde. Jetzt hat Präsident Josep María Bartomeu Messis beste Freunde für verzichtbar erklärt: Luis Suárez, Jordi Alba und Arturo Vidal können gehen. Und am Horizont scheinen schon die Präsidentschaftswahlen bei Barça auf, sie sind für das Frühjahr vorgesehen. Bartomeu darf laut Statuten nicht wiedergewählt werden. Der Sieg eines Kandidaten aus seinem Lager würde Messis Abschied wohl besiegeln - wenn er dann noch da ist. Ein Abschied per sofort wäre also nicht einfach, ist aber nicht ausgeschlossen. Allein das war ein Szenario, das man lange kaum für möglich gehalten hätte. Bis Barça in Lissabon auf Bayern traf.

© SZ vom 22.08.2020/schm
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