Champions League Messi macht, was er will

Dieser Fallrückzieher misslingt - ansonsten erwischt Messi einen goldenen Abend.

(Foto: Getty Images)
  • Beim 3:0 des FC Barcelona gegen Manchester United ist Lionel Messi mit zwei Toren der Mann des Abends.
  • Das Team von Ole Gunnar Solskjaer ist nie in der Lage, den Argentinier zu stoppen.
  • United hofft nun auf einen Umbruch im Sommer.
Von Sven Haist, Barcelona

Mit dem Rücken zum Tor sah Lionel Messi den Ball in der Schlussphase so verführerisch auf sich zufliegen, dass ihm als Fußballartist keine Wahl blieb, als zum Fallrückzieher anzusetzen. Doch dann leistet sich Gegenspieler Phil Jones einen Affront: Er nahm ihm den Ball vom linken Fuß. Aber wenn Lionel Messi entscheidet, den 96 708 Zusehern im Camp Nou aus seiner Ansammlung an Kabinettstücken einen Fallrückzieher zu präsentieren, dann wird er den vorführen. Also wartete das Spielgenie des FC Barcelona einfach, bis der weggeköpfelte Ball auf den Rasen fiel und wieder aufstieg.

Das Spielgerät gewann durch den sanften Aufprall kaum an Höhe, was es scheinbar unmöglich machte, den Körper für einen Fallrückzieher zwischen Ball und Boden zu bringen. Aber an der Stelle, wo alle anderen Fußballer ihre Grenzen spüren, steigt Messi erst ein und schafft es doch. Dass der Ball letztlich knapp vorbeiging, lag natürlich nicht an der Ausführung des Trickschusses, sondern am Tor, das sich in dieser Szene nicht richtig positioniert hatte.

Aber das war sowieso alles Zugabe. Messi erzielte zuvor bereits zwei Tore für Barcelona (16./20.) und leitete einen weiteren sehenswerten Treffer durch Philippe Coutinho ein (61). "Wir haben spektakulär gespielt und gezeigt, wer wir sind", sagte Messi. Auf dem Weg zum Doppelpack schlenzte er den Ball an Torwart David de Gea vorbei, nachdem Fred zuvor getunnelt wurde und weder Jones noch Chris Smalling am Strafraum hinterherkamen. Sein nächster Torschuss war gleich wieder drin, weil de Gea den Ball durchflutschen ließ, als würde sich das gegenüber Messi als Gast in Barcelona einfach gehören.

Barca könnte mal wieder das Triple gewinnen

Durch die Aneinanderreihung von Täuschungen, Drehungen, Beinschüssen, Wendungen sowie Rhythmuswechseln in seinen Dribblings geriet Barcelonas 3:0 über Manchester United im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League am Dienstag zur Spielshow des Lionel Messi - bei der die Gegenspieler wahrscheinlich besser beraten gewesen wären, ihn in den Zweikämpfen einfach vorbei zu winken. Wer es doch mit Gegenwehr versuchte, wurde immer weiter ausgespielt. Am nächsten kamen die United-Profis ihm nach Abpfiff, als sie sich als Gratulanten einreihten. "Wenn er sich in so einer Form befindet, ist es sehr schwer, gegen ihn zu spielen. Dann liegt es nicht an United, sondern an Leo, weil er ein Ausnahmespieler ist", sagte Mitspieler Ivan Rakitic.

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Wie 2009 und 2015 könnte Barca erneut das Triple gewinnen aus Meisterschaft, Pokal und Champions League. Neben dem Erreichen des Endspiels in der Copa del Rey befinden sich die Katalanen in der Liga neun Punkte vor Atlético Madrid bei noch sechs ausstehenden Spielen. Im Halbfinale der Königsklasse wartet als Gegner entweder der FC Liverpool oder der FC Porto.

Bei United offenbarten die beiden Niederlagen gegen Barca alle Schwächen. Nach dem 0:1 im Hinspiel vor einer Woche hat der englische Rekordmeister erstmals in der Klubhistorie mit mindestens vier Toren eine Ausscheidungsrunde im Europapokal verloren. Der unrhythmisch zusammengestellte Kader verfügt über keine Vorgehensweise, mit der es sich im europäischen Spitzenfußball mithalten lässt. Um auf Konter zu spielen, reichen die Qualitäten in der Abwehr nicht aus. Um eine Partie über Ballanteile zu dominieren, besitzen die Red Devils zu wenig strategisch und balltechnisch versierte Profis. Die verbliebene Option, mit Angriffsfußball den Gegner zu überraschen, scheiterte im Duell mit Barca zu Beginn an der mangelnden Chancenverwertung der Offensivspieler.

Das Vorrücken ins Viertelfinale gegen Tuchels Paris Saint-Germain basierte vorrangig auf dem Widerstandssinn im Team, den Ole Gunnar Solskjaer als Trainer seit Dezember forciert hat. Auf diese Stärke setzend, versuchte Manchester solange wie möglich das Ergebnis offenzuhalten, um auf den Geist des Finalsiegs 1999 in Barcelona gegen den FC Bayern mit zwei Toren in der Nachspielzeit hoffen zu können. Aber vier Tore, die United fürs Weiterkommen gebraucht hätte, lassen sich dann halt doch nicht erzielen in den paar Minuten nach Ablauf der regulären Spielzeit. "Ich muss zugeben, dass zwischen uns und denen mehrere Level lagen", sagte Solskjaer: "Wenn wir zurückwollen zu den Traditionen bei United, müssen wir dieses Niveau anstreben. Wir können es schaffen, aber nur mit Haufen Arbeit."

Für die erneute Qualifikation zur Champions League muss Manchester United nach dem Aus nun zwingend die Premier League auf einem der ersten vier Plätze beenden. Als Tabellensechster fehlen fünf Spieltage vor Schluss momentan zwei Punkte auf den FC Arsenal. Um dieses Ziel zu erreichen, verzichtete Solskjaer darauf, seine Spieler zu kritisieren oder tiefgreifende Änderungen am Kader anzukündigen: "Wir müssen den Umbruch bewältigen, aber das fängt bei den Trainern und Spielern an, sowie ein oder zwei Verstärkungen." Sofern es United nicht noch in den prestigeträchtigsten europäischen Wettbewerb schaffen sollte, würde die Attraktivität des Klubs für potentielle Zugänge leiden. Lediglich über Geld könnte Manchester das wohl ausgleichen - und davon hat der Verein in den vergangenen Jahren wahrlich genug ausgegeben.

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