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Meisterschaft für Bayern-Basketballer:Uli Hoeneß ist hochbeglückt

Basketball Herren 1 Bundesliga Saison 2017 18 Playoff Finale Spiel 5 FC Bayern München Alba; Basketball FC Bayern Uli Hoeneß

Uli Hoeneß (rechts) feiert die Meisterschaft seiner Basketballer - und Edmund Stoiber natürlich auch.

(Foto: Michael Hundt/Matthias Koch/imago)

Der FC Bayern kürt sich gegen Alba Berlin zum deutschen Basketball-Meister. Der Präsident genießt die Party ganz besonders - denn beim letzten Titelgewinn vor vier Jahren saß er im Gefängnis.

Aus der Halle von Matthias Schmid

Uli Hoeneß musste sich nicht sonderlich anstrengen, um aufs Parkett zu gelangen. Seinen Sitzplatz hat der Präsident des FC Bayern ja in der zweiten Reihe des Audi Domes, er ist ganz nah am Geschehen dran. Am Samstagabend, als feststand, dass die Bayern-Basketballer die Finalserie gegen Alba Berlin gewonnen haben und sich zum vierten Mal in der Vereinshistorie als deutscher Meister feiern lassen durften, eilte Hoeneß also dann auch gleich als erstes zu Cheftrainer Dejan Randonjic. Er nahm den Montenegriner innig in die Arme, so wie einen Freund, den er lange nicht mehr gesehen hat.

Hoeneß dankte ihm, dass er die Mannschaft zum langersehnten Meistertitel geführt hat, der Präsident war hochbeglückt, weil er bei der letzten Meisterfeier vor vier Jahren im Gefängnis saß und nun endlich mitten drin war bei den Feierlichkeiten. Er erlebte hautnah mit, dass sich die beste Mannschaft, die beständigste auf höchstem Niveau, durchgesetzt hatte. Im Nachhinein betrachtet hatte die überraschende Trainerentlassung von Sasa Djordjevic Ende März dem Klub nur kurzzeitig in Kalamitäten gestürzt. Der 106:85-Sieg im fünften und letzten Playoffspiel der Spielzeit war letztlich eine Demonstration der Stärke, selbst gegen starke Berliner, die der spanische Trainer Aito Garcia Renseses zu einem ernsthaften und auch fordernden Herausforderer geformt hatte. "Ich bin einfach nur erleichtert dass die Saison nun nach dem Pokalsieg auch noch mit dem Meisertitel zu Ende gegangen ist", fand Bayern-Kapitän Anton Gavel, "ich bin einfach nur glücklich."

Danilo Barthel wird wertvollster Spieler der Finalserie

Schon von der ersten Sekunde an hatten die Bayern gezeigt, dass nur sie an diesem Abend den Meisterpokal in die Höhe recken würden. Sie spielten mit Leidenschaft, mit Wucht und vor allem trafen sie fast alle ihre Würfe. Im ersten Viertel kamen sie auf eine erstaunliche Wurfquote von 80 Prozent, sie verwandelten zwölf ihrer 15 Versuche aus dem Feld - ein überragender Wert. Vor allem Vladimir Lucic und Danilo Barthel, der später zum wertvollsten Spieler der Finalserie ausgezeichnet wurde, taten sich in dieser Hinsicht besonders hervor, sie hatten sogar ein makelloses Trefferbild. Aber es waren nicht nur die erfolgreichen Würfe, die die Berliner überforderten, sondern auch diese intensive Abwehrarbeit: Alle Münchner, die auf dem Parkett standen, stressten ihre Gegenspieler, sie fuchtelten wie wild mit den Armen vor den Gesichtern der Berliner herum, brachten immer eine Hand in den Passweg oder hinderten die Kontrahenten gleich ganz am Werfen, weil sie fast mit dem Bauchnabel verteidigten.

Mit 32:29 führte München nach den ersten zehn Minuten und entzückte die Fans nebenbei auch noch mit zirkusreifen Aktionen, mit sogenannten Alley-oops, als etwa Devin Booker den Ball aus der Luft fing und ihn von oben in den Korb stopfte. Solche Körbe sehen besonders hinreißend und spektakulär aus.

Und die Berliner, die bisher so aufmüpfig und lästig aufgetreten waren? Sie blieben ruhig, ließen sich zunächst von der Bayern-Dominanz nicht vollends beeindrucken. Und kamen mit erfolgreichen Distanzwürfen wieder auf elf Punkte heran (34:45). Unter den Körben taten sie sich aber schwer, die Bayern sind größer gewachsen und bringen mehr Kilos auf die Waage. Berlins Trainer Garcia Reneses lässt deshalb mit einer eher einer kleineren Formation spielen, ohne gelernten Center, um Tempo ins Spiel zu bringen. So musste Berlins Luke Sikma, der wertvollste Spieler der Hauptrunde und einer der Längeren im Kader, zum Beispiel bis ins zweite Viertel auf seine ersten Punkte warten. Barthel machte ihm das Basketballleben schwer, der Nationalspieler spielte eine famose Finalserie. Er rieb sich in der Verteidigung auf, er blockte Würfe, hechtete nach jedem Ball und traf vorne trotzdem seine Würfe. Wo bringt der 2,08 Meter lange Kerl nur diese Energie her?

Wie beim Fußball duschen sie zum Schluss im Bier

Vielleicht hatte er vor dem fünften und letzten Finalspiel wie seine aufgedreht wirkenden Mitspieler im Zaubertrank des Druiden Miraculix gebadet. Die Münchner eilten den Berlinern im dritten Viertel immer mehr davon, zu präzise spielten sie, zu schnell, zu clever, sie vergrößerten den Vorsprung vor dem letzten Viertel auf 25 Punkte (86:61). Das Spiel war längst entschieden. Bezeichnend war ein Pass von Sikma hinaus zu Radonjic, also zum Bayern-Trainer. "Deutscher Meister ist nur der FCB", schrien die Fans kurz vor dem Ende. Den letzten Abpraller holte sich Maik Zirbes, bevor Lucic den Ball auf die Tribüne warf, dorthin, wo die treuesten Fans stehen.

Die mitgereisten Alba-Anhänger hatten sie vorher ein wenig aufgezogen, sie erinnerten sie daran, wer erfolgreicher ist in der Klubhistorie. Acht Meistertitel haben die Berliner bisher feiern dürfen. Doppelt so viele wie der FC Bayern. Aber es gehört nicht viel Fantasie dazu, dass die Bayern sie irgendwann schon ein- und überholen könnten.

Wie beim Fußball durften nach dem Schlusspfiff die Bierduschen auch im Dome nicht fehlen, wenngleich sich die Basketballer doch ein bisschen mehr freuten als jüngst die kickenden Kollegen. "Wir werden jetzt die nächsten sieben Tage feiern", sagte Barthel. Nur beim Abschlussbild mit Meisterpokal, mit allen Spielern, Trainern, Betreuern, Funktionären, Kindern, Spielerfrauen und Edmund Stoiber fehlte einer: Uli Hoeneß war schon verschwunden.

© SZ vom 17.06.2018/ebc

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