Basketball-Meister Bayern:Triumph beim ewigen Rivalen

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Da ist er endlich mal wieder, der Meisterpokal: Die Bayern-Basketballer beim Feiern nach dem letzten BBL-Finalspiel in Berlin. (Foto: Maryam Majd/Getty Images)

Der FC Bayern gewinnt das vierte Playoff-Spiel der Finalserie bei unermüdlich kämpfenden Berlinern mit 88:82 und krönt sich zum deutschen Meister. Die Münchner erfüllen mit dem Double die hohen Ambitionen, Alba bleibt ohne Titel.

Von Ralf Tögel

Letztlich war es den Basketballern des FC Bayern egal: der äußerst unglückliche Zeitpunkt kurz vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-EM, der Triumph auf dem Parkett des ewigen Rivalen. Als am Freitag um kurz vor 20 Uhr in der Berliner Arena die Schlusssirene ertönte, brach sich die Freude Bahn. „Open end“, sagte Andreas Obst im Streamingdienst Dyn zu den anstehenden Feierlichkeiten, er fühle aber auch „große Erleichterung“. Denn Alba Berlin verlangte dem Meister beim 88:82-Sieg erneut alles ab, in der Schlussphase hatten die Gastgeber sogar die Möglichkeit, das Spiel noch zu kippen. So aber holten die Bayern im vierten Spiel der Best-of-five-Serie den dritten Sieg und damit den sechsten deutschen Meistertitel (1954, 1955, 2014, 2018, 2019) im Basketball nach München – und erfüllten die eigenen hohen Ambitionen.

In einem hochklassigen, energiegeladenen und in der Schlussphase nervenaufreibenden Spiel setzte sich der Pokalsieger in der nicht ausverkauften Arena vor 9668 Zuschauern gegen Alba Berlin verdient durch und feierte nach 2018 das zweite Double seiner Vereinsgeschichte. Den letzten Titel hatten die Münchner vor fünf Jahren gewonnen; ein weiterer Fehlversuch war in dieser Saison keine Option, wie Geschäftsführer Marko Pesic vor der Partie nochmals betont hatte: „Damit beschäftigen wir uns nicht.“

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In der Euroleague waren die Münchner als Fünfzehnter hinter den Erwartungen zurückgeblieben und nach der Vorrunde ausgeschieden – national überzeugte der wohl beste Kader in der Vereinsgeschichte der Münchner auf ganzer Linie. Es war allerdings erneut eine Energieleistung nötig, denn den ersatzgeschwächten Berlinern, die in den gesamten Playoffs auf eine Handvoll Stammspieler verzichten mussten, war dieser Aderlass einmal mehr nicht anzumerken.

Carsen Edwards läuft in der zweiten Halbzeit heiß und trifft aus der Distanz mit ungeheurer Präzision

Von der ersten Sekunde an zeigten beide Teams intensiven Basketball auf hohem Niveau, es war ein sehenswertes Duell – und zunächst dominierte Alba. Im zweiten Viertel zogen die Gastgeber mit einem 13:2-Lauf auf 34:24 Punkte davon, es war die erste zweistellige Führung im Spielverlauf. Vor allem die NBA-erfahrenen Profis Sterling Brown, der mit 25 Punkten Albas Topscorer war, und Matt Thomas (8) setzten Akzente.

Aber die Münchner haben auch in dieser Sparte die Nase vorn: Serge Ibaka mit seinen mehr als 1000 Einsätzen in der weltbesten Liga, nebst Titel mit Toronto 2019, überstrahlt alles. Auch Carsen Edwards hat in der NBA Erfahrungen gesammelt, die „Scoring-Maschine“, wie Trainer Pablo Laso seinen besten Schützen nennt, war kaum zu stoppen. Ibaka sammelte Rebounds, Edwards Punkte: Zur Halbzeit (44:46) waren die Bayern wieder dran.

Und Laso verfügt über Optionen in seiner Mannschaft, von denen die Konkurrenz nur träumen kann: Erst brachte Spielmacher Sylvain Francisco, der die ersten Finalspiele verletzt verpasst hatte, wichtige Impulse, dann lief Edwards heiß. Der Guard traf mit ungeheurer Präzision aus der Distanz, war mit 29 Zählern der mit Abstand beste Spieler auf dem Parkett – und jeder erfolgreiche Dreierwurf des US-Amerikaners raubte den Berlinern weitere Energie: Das dritte Viertel gewannen die Bayern mit 21:6 Punkten, die Berliner zollten nun doch den Anstrengungen Tribut, die Entscheidung war gefallen. Und wieder wollten sich die Berliner mit der Niederlage nicht abfinden, kamen zurück und hatten durch Brown tatsächlich die Chance zum Ausgleich. Aber sein Wurf sprang vom Ring zurück ins Feld. Ein letzter Schreckmoment für Trainer Laso: „Es war sehr hart, die ganzen Playoffs, aber wir haben es verdient, und jetzt ist der Moment, zu feiern.“

Das sah auch Nationalspieler Isaac Bonga so, der seinen ersten deutschen Titel feierte: „Das klingt richtig gut, jetzt schauen wir uns Fußball an und dann wird gefeiert.“

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