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Medienkritik zu Olympia:US-Fernsehen inszeniert sein eigenes Olympia

Einer der Helden, die der amerikanische Fernsehsender NBC inszeniert: Weitsprung-Olympiasieger Jeff Henderson.

(Foto: AP)

Ein Olympia-Abend mit NBC macht einen erst aggressiv, dann depressiv. Nach zwei Stunden ist klar: Der amerikanische Fernsehsender hat es genau so geplant.

Diese Stimme, sie hat ja recht. Der Kerl vor dem Fernseher ist tatsächlich nicht mehr so fit wie vor zehn Jahren, beim Gang zum Kühlschrank schmerzen Rücken und linkes Knie, die Motivation zu körperlicher Ertüchtigung war auch schon mal größer. "Du kannst ja nichts dafür", flüstert diese Stimme, die übrigens nicht im eigenen Kopf angesiedelt ist, sondern aus den TV-Lautsprechern kommt und eine Verbesserung von Lebensqualität und Libido durch die Einnahme eines Testosteron-Mittelchens verspricht.

Es ist Werbepause bei den Olympischen Spielen, was auf dem amerikanischen Sender NBC sehr häufig passiert - und neben dem üblichen Dreiklang aus Autos, Bier und Softdrinks werden dort regelmäßig Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel angepriesen.

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Nach spätestens zwei Stunden, da wird dem Typen vor dem Fernseher klar: Das hier ist eine langfristig geplante Strategie von NBC, jeden einzelnen Zuschauer erst aggressiv und dann depressiv und somit zu willigen Kunden der Lebensverbesserungsmittel-Industrie werden zu lassen.

Auf Live-Sport verzichtet NBC weitgehend

Es wird kaum Sport gezeigt zur besten Sendezeit - und um gleich keinen Zweifel aufkommen zu lassen: Der Begriff Sport bedeutet in diesem Fall nicht Live-Sport, sondern nur Bilder von Menschen, die irgendwann an diesem Tag mal angetreten sind in Rio. Auf Live-Sport verzichtet der Sender weitgehend. Aus dramaturgischen Gründen, wie es heißt. Was an diesem Tag passiert ist, wird durch die Drehbuch-Maschine bei NBC gejagt und dann als vorgekautes und vorverdautes Gesamtwerk an jene gesendet, die am Abend vor dem Fernseher nur noch Chips kauen und verdauen wollen.

Was statt Sport gezeigt wird: Was diese Menschen, die ihren Wettkampf schon vor ein paar Stunden beendet haben, vor ein paar Wochen oder Jahren gemacht haben. Das ist ein bisschen so wie die tragischen Lebensläufe von Deutschland-sucht-den-Superstar-Kandidaten - nur viel rührseliger. Die eine kümmert sich um die schwer kranke Oma, der andere hat eine lebensbedrohliche Krankheit überwunden. Ein ehemaliger Soldat will nun eine Medaille für sein Land nach Hause bringen.

Weil das alles ohne Ironie erzählt wird, schwingt für den Menschen vor dem Fernseher stets die Botschaft mit: Was hast Du schon erreicht in Deinem Leben? Welche Schwierigkeiten musstest Du schon meistern? Wem hilfst Du eigentlich außer Dir selbst?

Dann: Werbepause. Mit der Aufforderung, sich ein Haarwuchsmittel zu bestellen.