Kroatien vs. Marokko bei der WM:Ein Remis mit schlechten Nachrichten für den FC Bayern

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Noussair Mazraoui

Marokkos Noussair Mazraoui liegt verletzt am Boden. Er musste vom Feld - beim FC Bayern dürften sie das nicht gerne gesehen haben.

(Foto: Manu Fernandez/dpa)

In einem chancenarmen Auftaktspiel kommt der Favorit aus Kroatien nur zu einem 0:0 gegen die Marokkaner, die zumindest Fans mitbringen. Ein Verteidiger verletzt sich und vergrößert die Sorgen in München.

Von Felix Haselsteiner

Die roten Sitze des Al-Bayt-Stadions taten ihr Übriges, um auch optisch die Mehrheit zu verdeutlichen, aber man musste eigentlich gar nicht mal hinsehen: Die Marokkaner waren auch gut hörbar auf den Rängen. Passend zum Stadion in ihr traditionelles Rot gekleidet, hatten sie sich zu Zehntausenden in al-Chaur versammelt, was bei dieser Weltmeisterschaft durchaus speziell ist: Nicht jede Nation kann auf eine derart breite Unterstützung in Katar zurückgreifen, manch einer muss sich seine Fans vor Ort gar einkaufen. Doch Marokkos Anhänger sorgten für eine der bisher stimmungsvollsten Partien der WM - und das trotz eines unspektakulären 0:0 nach 90 Minuten.

Abseits der erwartbar großen Fanschar aus dem fußballbegeisterten Land waren die Marokkaner vor dem Turnier schwer einzuschätzen gewesen. Vor drei Monaten erst hatten sie sich von Trainer Vahid Halilhodzic getrennt, wohl auch aufgrund einer Meuterei aus der Mannschaft. So stand nun ein international unbekannter Trainer, Walid Regragui, an der Seitenlinie, bei einem Auftaktspiel, in dem die Favoritenrolle eindeutig vergeben war: Beim WM-Zweiten Kroatien, zuletzt in bestechender Form, herrschte vor dem Turnier eine beachtliche Euphorie - die allerdings im Norden Katars erst mal auf eine harte Probe gestellt wurde.

Vom Start weg nämlich gestaltete Marokko das Spiel beachtlich offen. Kroatien - in Borna Sosa, Josko Gvardiol und Andrej Kramaric mit drei Bundesliga-Spielern in der Startelf - hatte zwar mehr Ballbesitz und mehr Kontrolle, kam aber gegen die gut organisierte Defensive Marokkos kaum zu guten Chancen, sondern musste sich erst einmal körperlich durchsetzen: Luka Modric etwa hatte in der ersten Halbzeit mehr Fouls als Abschlüsse im Zeugnis stehen, was Beleg genug sein sollte für den mutigen Auftritt Marokkos.

Kroatien tut sich schwer gegen sehr engagierte Marokkaner

Es dauerte bis kurz vor dem Halbzeitpfiff, bis die Kroaten wirklich gefährlich vor dem Tor auftauchten: Erst flog Torwart Bono gegen Kramaric durch den Strafraum, dann parierte er stark aus kurzer Distanz gegen Nikola Vlasic. Der Sturm der Kroaten ist einer der Schwachpunkte der Mannschaft von Zlatko Dalic, gegen Marokko war zu sehen, warum. Kramaric kam kaum zur Geltung, auch der zur Halbzeit eingewechselte Mario Pasalic von Atalanta Bergamo tat sich schwer - es fehlte ein klarer Stürmer wie Mario Mandzukic, der 2018 noch wesentlich zur WM-Finalteilnahme beigetragen hatte, nun aber nur noch auf der Bank sitzt, als Teil des Trainerteams.

Defensiv immerhin zeigten sich die Kroaten gewohnt solide: Bis auf einen Schuss von Achraf Hakimi (65. Minute) und einen Kopfball von Noussair Mazraoui kamen auch die Marokkaner zu wenigen Gelegenheiten in einem Spiel, das zwar intensiv geführt wurde und dadurch unterhaltsam war - allerdings vor allem zwischen den beiden Strafräumen stattfand. Torchancen hatten statt Toren eher Verletzungen zur Folge: Bei einem Abschluss verletzte sich Mazraoui an der Hüfte und musste in der 60. Minute ausgewechselt werden, womit er sich in die Liste der verletzten Spieler des FC Bayern einreihte.

Auch ohne den Außenverteidiger blieben die Marokkaner bis zum Schluss konzentriert. Vor allem über Modric, der in der zweiten Halbzeit vorne wie hinten das Spiel organisierte, versuchten die Kroaten noch zu Chancen zu kommen. Sie verloren in der Schlussphase allerdings immer mehr die Struktur, was dem Spiel nicht unbedingt gut tat. Der Auftakt Kroatiens war mit dem 0:0 zwar nicht misslungen, vermehrte Euphorie dürfte in der Mannschaft von Trainer Dalic allerdings nach dem ersten Spiel auch nicht herrschen. Vor allem offensiv braucht es gegen Kanada und Belgien dringend eine Steigerung.

Für die gut sortierten und hervorragend eingestellten Marokkaner und ihre Anhänger hingegen war es bei der zweiten WM-Teilnahme hintereinander ein gelungener Start. Auf und neben dem Rasen.

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