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Mayer und Kohlschreiber in Wimbledon:Deutsches Männertennis ist noch am Leben

Philipp Kohlschreiber verliert in Wimbledon gegen Jo-Wilfried Tsonga, weil ihm in seinem ersten Grand-Slam-Viertelfinale die Coolness abhanden kommt. Florian Mayer hat gegen den Weltranglistenersten Novak Djokovic keine Chance. Trotzdem spielten die beiden Deutschen so, als hätten sie sich in den Londoner Rasen verliebt.

Florian Mayer hat eine besondere Art, mit der Vorhand zu spielen, er schwingt seinen Schläger immer durch die Luft, als hielte er keinen Schläger, sondern eine Keule, wie ein Krieger, nicht wie ein Tennisspieler. Krieger sind gefährlich, und Florian Mayer hatte ja auch einige Gegner besiegt in diesen eineinhalb Wimbledon-Wochen; bis er auf Novak Djokovic traf.

Philipp Kohlschreiber returniert einen Aufschlag seines Gegners Jo-Wilfried Tsonga.

(Foto: AP)

Novak Djokovic aus Serbien ist die Nummer eins der Tenniswelt, er ist der Titelverteidiger in Wimbledon, und Mayer kämpfte zwar auf Court No. 1 in Wimbledon, er tat, was er konnte, am Ende aber war er machtlos. Djokovic gewann 6:4, 6:1, 6:4.

Mayer hatte seine Chance im ersten Satz, und dass er sie nicht nutzte, das passte am Ende zu diesem Mittwoch, aus Sicht der deutschen Männer jedenfalls: Auch Philipp Kohlschreiber verlor ja, 6:7, 6:4, 6:7, 2:6 gegen Jo-Wilfried Tsonga, auch er hatte seine Chance, sogar eine weitaus größere als Mayer.

Mayer und Kohlschreiber hätten die ersten beiden Deutschen im Halbfinale von Wimbledon seit 1991 werden können; dass es ihnen nicht gelang, kam jedoch kaum überraschend, sie waren Außenseiter. Gerade in Mayers Match war der Unterschied, den 30 Plätze in der Weltrangliste definieren, doch klar zu sehen. Zunächst zwar hielt Mayer mit, "es war sehr ausgeglichen am Anfang", findet Djokovic. Mayer war gut im ersten Satz, "ich hab' gemerkt, dass er mit meinem Spiel nicht zurecht kommt", sagt Mayer. Er war ein Break vorne, und im Tennis ein Break vorne sein, das ist wie ein 1:0 im Fußball, er hätte den Satz gewinnen können, "ich hätte ihn gewinnen müssen", sagt Mayer.

Aber stattdessen gewann Djokovic den ersten Satz, "und im zweiten und dritten hat er mir keine Chance gelassen", sagt Mayer, "da hat er unglaublich gespielt".

In den wichtigen Momenten hatte ich meine Nerven im Griff", sagt Djokovic, so einfach ist das. Novak Djokovic ist einer der drei besten Tennisspieler der Welt, er schrieb zahlreiche Autogramme, als er den Court verließ, Florian Mayer ging einfach in die Kabine, kaum beachtet. Novak Djokovic ist ein Weltstar, Florian Mayer ist Florian Mayer.

Philipp Kohlschreiber ist nicht Florian Mayer, auch deshalb war seine Chance, das Halbfinale zu erreichen, etwas größer. Mayer kämpfte sich mit zwei Fünf-Satz-Matches ins Viertelfinale, aber Kohlschreiber war nach dem knappen Sieg gegen Tommy Haas zum Turnierauftakt souverän, vor dem Match gegen den Weltranglisten-Fünften Tsonga führte er sogar eine wichtige Statistik an: Er hatte in diesen eineinhalb Wochen 88 Asse geschlagen, mehr als alle anderen Spieler in Wimbledon in diesem Jahr.

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