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Basketball in der NBA:Warum Dallas mit Nowitzki strauchelt

New Orleans Pelicans  - Dallas Mavericks

Anthony Davis ist so frei: Der Mann von den New Orleans Pelicans beim Dunking gegen Dirk Nowitzki.

(Foto: dpa)
  • Dirk Nowitzki ist nach seiner langen Knöchenverletzung zurück bei den Dallas Mavericks.
  • Aber seit seiner Rückkehr plagt den Klub eine verheerende Niederlagenserie.
  • Während der Deutsche bislang nur wenige Minuten spielt, rückt Luka Doncic als Anführer der Mannschaft in den Fokus.

In der vergangenen Nacht hat Dirk Nowitzki wieder ein paar Körbe geworfen in der NBA, das ist bei einem Mann wie ihm ja nichts besonderes. Elf Punkte waren es gegen die New Orleans Pelicans, sehr ordentliche Trefferquote, ein Dreier - man könnte sagen: Der Würzburger ist nach seiner komplizierten Knöchelverletzung, die ihn die komplette Vorbereitung und das erste Saisondrittel gekostet hat, auf dem Weg zurück in den Normalmodus. Normal bedeutet beim mittlerweile 40-Jährigen ja meist: Er spielt gut, er trifft, er hat Spaß am Basketball.

Doch leider fehlen ihm und seinen Dallas Mavericks derzeit die nötigen Erfolge, um sich wirklich freuen zu können. Ausgerechnet das Comeback des Deutschen Mitte Dezember markierte nämlich den Anfang einer Pleitenserie seines Klubs. Von den sieben Partien, die Nowitzki seit seiner Rückkehr auf dem Parkett stand, verlor Dallas sechs. Auch gegen New Orleans reichte es im aktuellsten Spiel beim 112:114 trotz zwischenzeitlich hoher Führung nicht zum Sieg. So taumeln die Mavs, nach zwei Jahren im Umbruch mit vielen Durchhängern, erneut durch die Liga. Mal mit guten Phasen wie vor Nowitzkis Rückkehr, mal mit Anzeichen einer verheerenden Auswärtsschwäche (nur zwei Siege bei 17 Versuchen), mal mit einem Negativlauf von knappen Niederlagen wie rund um die Weihnachtszeit.

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Natürlich wäre es unfair, Nowitzki das Kuddelmuddel seines Teams in Rechnung zu stellen, zumal er bislang nur in homöopathischen Dosen mitwirkt. Ein paar Minütchen hier und da, mehr ist noch nicht drin. Ein Athlet wie er braucht im hohen Sportleralter eben seine Zeit, bis er wieder in Gang kommt. Er war ja eine Ewigkeit vom Mitspielen befreit, fast acht Monate dauerte seine Pause. Aber so langsam sollten die Mavericks sich daran erinnern, dass eine NBA-Saison eben kein ewiges Warmlaufen ist. Nowitzki und sein Verein brauchen Siege. Siege wie jenen 900. in Nowitzkis Karriere (ein weiterer Meilenstein) vor zwei Tagen, als es ebenfalls gegen New Orleans ging.

Dallas-Coach Carlisle äußerte sich danach angetan von den Fortschritten seines Kapitäns, der in dieser Saison erstmals nur noch Bankspieler ist: "Dirk kämpft sich durch eine Menge durch, um auf dem Court zu sein. Ich habe jeden Tag mehr Respekt vor ihm." Und während der alte Leader der Mavs in seiner 21. Spielzeit beim selben Team (NBA-Rekord!) ins zweite Glied rückt, spielt sich ein junger Draufgänger namens Luka Doncic in den Vordergrund. 19 Jahre und 303 Tage ist der Rookie aus Slowenien erst alt - doch er gilt längst als wichtigster Punktelieferant in Dallas. Er ist - wenn auch auf anderer Position und mit anderer Spielweise - der neue Nowitzki.

Gegen die Pelicans erzielte er einen Karrierebestwert von 34 Zählern, die Highlightshows der NBA sind seit Wochen geprägt von seinen Aktionen: Pässe hinter dem Rücken, Dreier im Zurückfallen, Dribblings wie die Harlem Globetrotters. "Was er alles reinbringt, ist natürlich fantastisch", sagt auch Nowitzki, "er spielt eigentlich mehr wie ein alter Hase als wie ein Neuling. Und er ist auch außerhalb des Feldes ein total aufgeweckter Kerl."

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An den Personalien Nowitzki und Doncic lässt sich der Zeitenwechsel in Dallas gut illustrieren. Der Champion von 2011 aus Germany auf den letzten Metern seiner Laufbahn und der aktuell beste Europäer des Weltbasketballes - diese beiden Pole müssen die Mavericks in dieser Saison noch einmal erfolgbringend vereinen. Das Potential für Platz acht im Westen und die damit verbundene Teilnahme an den Playoffs ist im Grunde vorhanden, aber noch immer plagen das Team defensive Schwächen und fehlende Athletik. Immerhin hat sich mit Maxi Kleber ein weiterer Deutscher in der Formation festgespielt, der an guten Tagen genau jene Schwächen beheben kann: In dieser Spielzeit ist er einer der spektakulärsten Würfeblocker und Verteidiger. Nur nach vorne fehlt ihm noch etwas die Konstanz.

"Ich habe noch einige Probleme mit meinem Wurf", sagt der Würzburger, der im abgelaufenen Sommer seine Schusstechnik verändert hat, "da gibt es noch zu viele Schwankungen". So haben außer Doncic, dem neuen Anführer, irgendwie alle Mavericks noch ihre Problemchen: Nowitzki muss seine müden Knochen vom Verletzungsrost befreien, Kleber sucht sein Wurfhändchen und Trainer Carlisle muss aus lauter offensiven Freigeistern wie Aufbauwirbler JJ Barea oder Dunking-Riese DeAndre Jordan eine Defensivmauer formen, die nicht ständig Tag der offenen Tür feiert und weit über 100 Punkte kassiert.

Aktuell stehen die Mavericks bei 16 Siegen und 18 Pleiten - das Nowitzki-Comeback hat sich zumindest nach Zahlen bisher negativ ausgewirkt. Für die hinteren Playoffplätze muss aber eine positive Sieg-Bilanz her und dazu braucht Dallas einen Nowitzki in Bestform. Die Tendenz war bei ihm persönlich zuletzt steigend und wer ihn kennt, traut ihm durchaus noch ein paar Spiele im 20-Punkte-Bereich zu. Zumindest in der Offensive besitzt der alte Mann aus Franken ja noch immer gehobenes NBA-Niveau. In der Abwehr sieht es da schon schwieriger aus, wie sich gegen New Orleans zeigte, als Pelicans-Sprungwunder Anthony Davis unter anderem im direkten Duell gegen Nowitzki Punkt um Punkt sammelte - und am Ende sagenhafte 48 Zähler auf dem Konto hatte.

Nowitzki und die Mavs haben keinen Davis, der bis unter die Hallendecke springen kann. Aber sie haben alle Möglichkeiten, mit einer kleinen Siegesserie wieder die Kurve zu kriegen. Vielleicht ja schon in zwei back-to-back-Duellen gegen die Oklahoma City Thunder, bei denen ein anderer Deutscher gerade immer besser wird: Dennis Schröder, der in der vergangenen Nacht mit 20 Punkten und sechs Assists großen Anteil am Sieg gegen Phoenix hatte. Körbe werfen kann der Braunschweiger ja mindestens ebenso gut wie Nowitzki - und den Playoffs ist sein Team mit 22 Siegen bei nur zwölf Niederlagen deutlich näher.

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