Den bekanntesten Namen brachte Martin Kaymer mit zu den BMW International Open in den Münchner Nordosten. Die ehemalige Nummer eins der Welt hat als einziger Deutscher das Turnier gewonnen und ist hierzulande nach Golf-Legende Bernhard Langer nach wie vor der größte Zuschauermagnet. Der beste deutsche Golfer war in Eichenried aber ein anderer: der gebürtige Regensburger Matthias Schmid, den alle nur Matti nennen. Der 27-Jährige belegte im Endklassement mit fünfzehn Schlägen unter Par den geteilten siebten Platz, Kaymer wurde als drittbester Deutscher geteilter 19. mit elf Schlägen unter Par – hinter dem stark aufspielenden Amateur Tim Wiedemeyer (12 unter Par) auf Rang 17.
Und es war mehr als ein Turnier der europäischen World Tour für Schmid, wie er erzählte. Das Turnier vor den Toren Münchens war ein willkommener Zwischenstopp in der Heimat, sportlich ist er längst auf der PGA Tour in den USA zu Hause. Schon vor Jahren, als der junge Schmid noch mit Amateurstatus in Eichenried antrat, sprach er von seinem Traum, als Profi in Übersee zu spielen. Dieser hat sich weitgehend erfüllt, zuletzt schrammte er mit Platz zwei bei der Charles Schwab Challenge, einem PGA-Turnier in Texas, knapp am endgültigen Durchbruch vorbei. „Ich habe schon ein paar mal angeklopft“, zum ersten Turniersieg habe es knapp nicht gereicht, berichtete Schmid, auch weil „ich nicht mein allerbestes Golf gespielt habe. Aber ich lerne aus jeder Erfahrung, aus den guten, aber noch mehr aus den schlechten“.
Schmid ist ein international etablierter Spieler. Was ihm noch fehlt, ist ein Sieg auf der PGA-Tour
Dieser zweite Platz brachte Schmid neben 1,035 Millionen US-Dollar, dem bisher höchsten Scheck seiner bisherigen Laufbahn, auch Weltranglistenplatz 76 ein, so gut war er nie notiert. In der Qualifikationsrangliste für die PGA-Playoffs liegt Schmid auf Rang 67, fünf Turniere sind noch zu spielen, die besten 70 sind im Finale dabei. Nun geht es für den Regensburger darum, sich diesen sportlichen Status zu erhalten, im Idealfall mit einem Turniersieg, der im Profigolf einen gigantischen Mehrwert bedeutet.
Viermal stand Schmid in der laufenden Saison bereits bei PGA-Turnieren unter den besten Zehn, in Texas fehlte ihm in der Schlussrunde ein einziger Schlag, um zum späteren Sieger Ben Griffin aufzuschließen. Das Beispiel zeigt die Unterschiede recht anschaulich: Griffin, ein Spieler ähnlicher Kategorie wie Schmid, hat nun für zwei Jahre seine Startberechtigung in den USA abgesichert, darf zu allen vier Major-Turnieren reisen und erhielt 1,7 Millionen US-Dollar für seinen Sieg. Dass nebenbei Sponsoren bereit sind, für das Siegel des „PGA-Tour-Siegers“ wesentlich tiefer in die Tasche zu greifen, liegt auch auf der Hand.
Schmid ist an den Herausforderungen gewachsen, er kann mithalten mit den Besten der Welt. Dreizehnter etwa ist er in der Liste der Spieler mit den weitesten Abschlägen auf der PGA Tour, solche Statistiken bleiben nicht unbemerkt im Golfsport, Schmid wird auch international inzwischen als etablierter Spieler wahrgenommen. Turniere wie die BMW International Open bestreitet er daher inzwischen mit einer anderen Autorität als noch vor einigen Jahren, München bleibe indes eine Reise in die gemütliche Vergangenheit: „Ich würde gerne mein ganzes Leben hier spielen“, sagte er am Sonntag über das Turnier in Eichenried.

