Mats Hummels:Durchgewurschtel mit Traumtor

Mats Hummels: "Eines meiner schöneren Tore": Mats Hummels schickt den Ball am Samstag von der Strafraumgrenze ins Bielefelder Tor.

"Eines meiner schöneren Tore": Mats Hummels schickt den Ball am Samstag von der Strafraumgrenze ins Bielefelder Tor.

(Foto: Sascha Schuermann/AFP)

Solange das Knie hält: Von Mats Hummels' Gesundheitszustand wird abhängen, ob die personell angeschlagene Dortmunder Borussia den FC Bayern dauerhaft behelligen kann. Beim 3:1 in Bielefeld trifft er per Volley.

Von Ulrich Hartmann, Bielefeld

Mit dem "Didi-Man" konnte Mats Hummels nichts anfangen. Dass ihn beim Sender Sky der Studio-Experte Dietmar Hamann zu seinem "Spieler des Spiels" erkoren hatte, tat Hummels demonstrativ ab. "Diese Auszeichnung sagt mir nichts", beschied er kühl im Sky-Interview. Doch als die Rede auf sein Traumtor kam, da blitzte es in den Augen des 32 Jahre alten Innenverteidigers von Borussia Dortmund.

"Das war eines meiner schöneren Tore", sagte Hummels über seinen 29. Bundesliga-Treffer. Als er in der 45. Minute zentral am Bielefelder Strafraumrand gelauert und eine Kopfballabwehr des Bielefelders Amos Pieper auf sich zufliegen gesehen hatte, nahm er den Ball volley aus der Luft und versenkte ihn in einem schönen Bogen im rechten Eck des Arminia-Tors. Sympathisanten, die um die akuten Knieprobleme des Dortmunder Abwehrchefs wissen, könnten dies wohlwollend in ihre Entscheidung mit einbeziehen für den Fall, dass Hummels' Treffer in der ARD-Sportschau für das "Tor des Monats" vorgeschlagen wird. Mitleid und Almosen will Hummels allerdings keine. "Zum Glück", sagt er, "ist so ein Schuss knieunabhängig."

In Abwesenheit des noch länger ausfallenden Stürmers Erling Haaland hatten Emre Can per Foulelfmeter (31.), Hummels per Volleyschuss (45.) und Jude Bellingham mit einem fabelhaften Solo samt abschließendem Lupfer über Torwart Stefan Ortega (72.) Dortmund 3:0 in Führung geschossen. Der BVB war damit drauf und dran, im neunten Liga-Saisonspiel erstmals ohne Gegentreffer den Schlusspfiff zu hören. Doch ausgerechnet Hummels widerfuhr in der 87. Minute das Missgeschick, den Bielefelder Patrick Wimmer im Strafraum zu Fall zu bringen. Es gab einen Elfmeter, den Fabian Klos zum 1:3-Endstand verwandelte.

Hummels, 32, hat nun in seiner 14. Saison nacheinander mindestens ein Tor geschossen

Hummels ärgerte sich, er trat mit dem Fuß ein paar Grasbüschel weg, weil er wusste, dass ein Zu-null-Spiel auf der Dortmunder Prioritätenliste ziemlich weit oben steht. 15 Gegentreffer hat der BVB in neun Spielen zugelassen. Obwohl er mit 21 Punkten auf Platz zwei hinter Bayern München steht, rangiert er in der Gegentor-Statistik sozusagen in der Abstiegszone. "Leider haben wir wieder verpasst, zu null zu spielen", sagte BVB-Trainer Marco Rose von sich aus und gab so zu erkennen, wie wichtig ihm dies gewesen wäre.

Umso wichtiger erschien, dass die Borussen den neuerlichen Ausfall ihres Wunderstürmers Haaland verkraftet haben. Hummels, der vor einem Jahr beim Dortmunder 5:0-Sieg in Bielefeld sogar zwei Mal getroffen hatte, stellte mit seinem Treffer sicher, in seiner 14. Saison nacheinander mindestens ein Tor geschossen zu haben. So etwas war zuletzt Torsten Frings zwischen 1997 und 2011 gelungen. Sein erstes Bundesligator hat Hummels vor ziemlich genau 13 Jahren bei einem Dortmunder 3:3 in Bremen erzielt.

Wer begreifen will, wie lange Hummels schon dabei ist, der muss sich klar machen, wann er das erste seiner mittlerweile 371 Bundesligaspiele absolviert hat. Es war am 19. Mai 2007 für Bayern München. Die Bayern gewannen 5:2 gegen den FSV Mainz mit dem Trainer Jürgen Klopp. Der Schiedsrichter hieß Babak Rafati. Der 18 Jahre junge Hummels wurde in der 52. Minute für Martin Demichelis eingewechselt. Auf dem Feld standen Spieler wie Roy Makaay, Mehmet Scholl, Mark van Bommel, Philipp Lahm und Hasan Salihamidzic.

Bundestrainer Flick hat Hummels zuletzt nicht nominiert: zur Schonung

Für die Nationalmannschaft hat Hummels zuletzt nicht mehr gespielt. Wegen seines Knies. Der Bundestrainer Hansi Flick hat ihn ganz bewusst nicht nominiert, um ihn zu schonen. Nach dem Spiel in Bielefeld berichtete Hummels, die Schmerzen im Knie seien "extrem tagesformabhängig". So sei es vor der jüngsten Länderspielpause "ziemlich schlecht" gegangen, "jetzt gerade geht es einen Ticken besser".

Dass er sich beim BVB nicht gänzlich ohne Einsätze gründlich auskurieren kann, liegt daran, dass sie Hummels in der Abwehr dringend brauchen. Mit Mateu Morey, Thomas Meunier, Raphael Guerreiro und Dan-Axel Zagadou fehlten am Samstag allein vier Abwehrspieler, und die Abwehr ist, wie erwähnt, die Achillesferse der Mannschaft.

Und so trägt Hummels tapfer bei zum Versuch, den FC Bayern weiter zu behelligen sowie in der Champions League ins Achtelfinale vorzustoßen. "Ich muss mir über die Spiele die Fitness holen", sagt er, "das ist ein bisschen ein Durchgewurschtel, bis ich irgendwann hoffentlich wieder in einem perfekten körperlichen Zustand bin."

Am Dienstag im DFB-Pokal gegen den Zweitligisten FC Ingolstadt sowie am kommenden Samstag gegen den 1. FC Köln stehen den Dortmundern lösbare Aufgaben bevor. Umso schwieriger wird es anschließend gegen Ajax Amsterdam sowie in Leipzig. Am 4. Dezember empfängt der BVB dann Bayern München. Der Zustand von Haaland und von Hummels' Knie werden über die Spannung in der Bundesliga mitentscheiden.

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