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Martínez-Transfer zum FC Bayern:Komplizierter geht es kaum

Der 40-Millionen-Euro-Transfer des Basken Javier Martínez von Athletic Bilbao zum FC Bayern steckt fest. Bayern will bezahlen, doch die Führung des baskischen Klubs schaltet auf Durchzug. Dazu gibt es undurchsichtige Probleme mit dem spanischen Steuerrecht.

Javier Martinez ist noch gar nicht da, und doch kommt er einem bereits wie ein guter Bekannter vor. Was hat man nicht alles gehört und gelesen über diesen jungen Spanier? 1,90 Meter groß, 23 Jahre alt, Restaurantbesitzer, Unterwäschemodel, spielt Gitarre, mag Sushi, kann perfekt mit Stäbchen essen.

FC Barcelona v Athletic Bilbao - Copa del Rey

Kommt er oder kommt er nicht? Der Transfer von Javi Martínez von Athletic Bilbao zum FC Bayern München entwickelt sich zur Hängepartie.

(Foto: Getty Images)

Seine Freundin heißt Maria Imizcoz. Leider war bislang nicht in Erfahrung zu bringen, wie gut sie mit Stäbchen isst. Bekannt ist aber, dass sie ein bisschen Deutsch kann. Genau wie ihr Freund Javier. Die beiden sind auch sehr tierlieb. Sie mögen Katzen. Und R'n'B-Musik. Muss ein netter Typ sein, dieser Martinez.

Fußball spielen kann er auch noch. In seinem ersten Länderspiel im Mai 2010 wurde der kleine Javi für den großen Xavi eingewechselt. Das sagt eigentlich alles. Kein Wunder, dass ihn der FC Bayern so dringend haben will. Zumal Martinez bereits einen extrem bayerntauglichen Spitznamen hat. In seiner Heimat, dem Baskenland, nennen sie ihn den "Kaiser von Aegi". Damit kann man sich sehen lassen in München. Nur "Franz von Aegi" wäre noch schöner gewesen.

Im Grunde hat die ganze Sache mit Javier Martinez aus Sicht der Münchner nur zwei kleine Haken. Erstens: Er ist eben immer noch nicht da. Und zweitens: Er wird vielleicht auch gar nicht mehr kommen. "Es sieht im Moment nicht gut aus, dass der Transfer klappt", sagte Präsident Uli Hoeneß am Mittwoch dem Fernsehsender n-tv.

Finde den Javi!

Zweimal täglich landet am Münchner Flughafen eine Maschine aus Bilbao. Eine gegen 10, eine gegen 14 Uhr. In den zurückliegenden Tagen ist am Gate ein bayrischer Trendsport entstanden. Er wird vor allem von Fans und Journalisten ausgeübt und heißt: Finde den Javi! Javier Martinez ist aber auch am Mittwoch nicht in München entdeckt worden. Wie auch? Er trainierte in Bilbao. Allerdings nahm er nicht am Mannschaftstraining teil, sondern absolvierte eine Sonderschicht.

Für das Playoff-Spiel in der Europa League von Athletic gegen Helsinki am Donnerstag ist er nicht nominiert. Viele dachten zunächst, das sei deshalb eine gute Nachricht für den FC Bayern, weil ein Einsatz des Spielers in dieser Partie es den Münchnern verboten hätte, ihn danach in der Champions League einzusetzen. Doch ein Blick in die Uefa-Statuten verrät: "Ein Spieler, der in der ersten, zweiten oder dritten Qualifikationsrunde bzw. in den Playoffs der Champions League oder der Europa League eingesetzt wurde, ist jedoch ab der Gruppenphase der Champions League oder der Europa League für einen anderen Verein spielberechtigt." So oder so dürfte dieses Problem also gelöst sein.

Uli Hoeneß sagte trotzdem, der Deal drohe zu platzen, "weil die Leute in Bilbao sehr, sehr stur sind und offensichtlich alle Möglichkeiten ausnutzen, um den Transfer zu verhindern". Auf derartige Kulturkritik reagieren die stolzen Leute in Bilbao gemeinhin allergisch. Doch je mehr sich Bayern und Bilbao diplomatisch entfernen, umso unwahrscheinlicher wird das Geschäft.