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Markus Krösche und Eintracht Frankfurt:Eine kleine Portion Widerspruch

xjbx Frankfurt, Commerzbank-Arena, 25.01.20, Bundesliga: Eintracht Frankfurt - RB Leipzig Bild: Markus Krösche Sportdire

Am neuen Arbeitsplatz mit dem alten Chef: Markus Krösche (links) neben RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff beim Auswärtsspiel in Frankfurt.

(Foto: Jan Huebner/imago)

Sportchef Markus Krösche geht von RB Leipzig ausgerechnet nach Frankfurt, wo sein früherer Arbeitgeber mit viel Argwohn betrachtet wird. Bei der Eintracht sieht er sich mit den finanziellen Corona-Folgen konfrontiert.

Von Frank Hellmann, Frankfurt

Gleich hinter Tor 3, der großen Zufahrt zur Frankfurter Arena, nimmt die Zukunft eines ambitionierten Fußball-Bundesligisten konkrete Formen an: Der Neubau der Geschäftsstelle von Eintracht Frankfurt mitsamt Proficampus schreitet rasch voran. Von Sommer an sollen auf dem Gelände der ehemaligen Tennisanlage fast 250 Mitarbeiter und die Lizenzspieler-Abteilung ein neues Zuhause finden. Nun steht auch fest, wer ab Sommer dem sportlichen Bereich vorsteht: Markus Krösche wird zum 1. Juni offiziell zum Sportvorstand von Eintracht Frankfurt ernannt. Die Nachfolge des zu Hertha BSC abwandernden Fredi Bobic klärte der Aufsichtsrat einstimmig. Krösche, 40, erhält einen Vier-Jahres-Vertrag beim Champions-League-Anwärter.

"Auf all seinen Stationen hat er erfolgreich gearbeitet, und wir sind sicher, dass wir mit ihm die positive Entwicklung von Eintracht Frankfurt weiter vorantreiben können", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Philip Holzer, der die Verpflichtung des gerade Anfang vergangener Woche bei RB Leipzig ausgestiegenen Sportdirektors als "absoluten Volltreffer" pries. Das sind reichlich viele Vorschusslorbeeren für einen Mann mit facettenreicher Vita.

Als Spieler gewann der gebürtige Hannoveraner 1999 mit Werder Bremen zwar die deutsche A-Junioren-Meisterschaft, besaß aber nicht genügend Talent, um bei den Bundesligaprofis Fuß zu fassen. Dennoch fiel dem heutigen Werder-Präsidenten Hubertus Hess-Grunewald schon damals auf, wie sorgsam sich Krösche für die Gemeinschaft einsetzte. Der loyale Teamplayer ging 2005 zum SC Paderborn, wurde dort Rekordspieler (373 Einsätze), krönte 2014 die Karriere mit dem ersten Bundesligaaufstieg. Parallel schloss er ein BWL-Studium ab, gründete mit seiner Frau eine Autoleasing-Firma und machte bald noch seinen Fußballlehrer. Bis er für sich - da bereits als Geschäftsführer beim SC Paderborn - feststellte: "Sportdirektor zu sein, macht mir am meisten Spaß."

2019 lockte ihn RB Leipzig, doch die für diesen Sommer anstehenden Umstrukturierungen in seinem Tätigkeitsfeld behagten Krösche nicht. Bei den Hessen muss er nun anders als in Sachsen damit klarkommen, dass die Corona-Krise tiefe Schneisen gezogen hat: Der Umsatz schrumpfte um fast die Hälfte, die Infrastrukturprojekte wurden über eine Landesbürgschaft abgesichert. Krösche betont dennoch: "Ich habe die Entwicklung von Eintracht Frankfurt in den vergangenen Jahren intensiv verfolgt. Der Klub hat sich toll entwickelt und ist unter anderem aufgrund seiner Emotionalität eine großartige Adresse im deutschen Fußball."

Nach den Gesprächen mit Rangnick dringen Vertragsdetails von Spielern an die Öffentlichkeit

Seine Verpflichtung begleitet auch ein wenig der Widerspruch. Kein Verein wird bis in die höchste Frankfurter Führungsetage so kritisch beäugt wie dessen ehemaliger Arbeitgeber RB. Eintracht-Präsident Peter Fischer ließ nicht nur eine öffentliche Wutrede auf das Red-Bull-Konstrukt ab, und auch bei Vorstandssprecher Axel Hellmann sind die Vorbehalte verbürgt. Folglich waren die beiden Frontmänner überaus skeptisch, als sich Holzer mit Leipzigs langjährigem Baumeister Ralf Rangnick traf. Die persönliche Zusammenkunft brachte beiden Parteien rasch die Erkenntnis, dass man nicht zusammenfindet.

Kurz danach drangen pikante Details aus dem Meinungsaustausch durch: dass Torjäger André Silva eine Ausstiegsklausel hat, Vorlagengeber Filip Kostic die mündliche Zusage für einen Wechsel. Holzer zeigte sich über "falsch wiedergegebene Gesprächsinhalte irritiert", die er auf der Rangnick-Seite verortete. Mit Krösche verstand sich der ehemalige Aktienchef von Goldman Sachs offenbar deutlich besser: "In den Gesprächen mit ihm haben uns seine Ideen und auch seine Identifikation mit unseren Vorstellungen und unserem Klub imponiert", hieß es nun. Krösches wichtigster Mitarbeiter wird der enge Bobic-Vertraute und Chefscout Ben Manga, der Aufgaben des ebenfalls ausscheidenden Sportdirektors Bruno Hübner übernimmt.

Dann muss nur noch ein neuer Trainer gefunden werden, da bekanntlich auch Adi Hütter (zu Borussia Mönchengladbach) den Abflug macht. Immer wieder fällt der Name Roger Schmidt (PSV Eindhoven), der allerdings beteuert hat, den niederländischen Spitzenklub nicht schon nach einem Jahr wieder verlassen zu wollen. Krösche könnte die Standhaftigkeit dieses Statements persönlich abklopfen, schließlich hat er unter Schmidt als Assistent bei Bayer Leverkusen bis März 2017 für knapp zwei Jahre gearbeitet. Vermutlich führt die Spur ohnehin eher zu Oliver Glasner (VfL Wolfsburg). Hartnäckig halten sich im Eintracht-Umfeld die Gerüchte, dass mit Hütters österreichischem Landsmann verhandelt wird, sobald dieser beim Werksverein hinterlegt, dass auch ihm der Sinn nach einer Luftveränderung steht. Eine solche Rochade würde auch gut zum aktuellen Zeitgeist der Bundesliga passen, wo Trainer und Manager längst die Spieler als Spekulations- und Tauschobjekte abgelöst haben.

© SZ/fse/ska
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