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Markus Kauczinski:"Ich könnte auch eine Gefängnismannschaft trainieren"

FC Erzgebirge Aue - FC Ingolstadt

Ingolstadts Trainer Markus Kauczinski.

(Foto: dpa)

Markus Kauczinski, neuer Trainer des FC Ingolstadt, spricht im SZ-Interview über seine Spielphilosophie und die rauen Anfänge seiner Karriere.

Trainer Markus Kauczinski will in seiner ersten Bundesligasaison beim FC Ingolstadt den Pressing-Stil seines Vorgängers Ralph Hasenhüttl weiterentwickeln. "Wir wollen schon weiterhin pressen. Aber mit Ballbesitz muss man sich auseinandersetzen. Es kann ja nicht mein Ziel sein, den Ball wieder abzugeben", sagt Kauczinski vor dem Bundesliga-Auftakt beim Hamburger SV (Samstag, 15.30 Uhr) im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Der 46-Jährige, der vom Karlsruher SC nach Ingolstadt wechselte, hat keine Bedenken, Hasenhüttls Erbe anzutreten. "Direkt wird man so gut wie nie ins Herz geschlossen", sagt er, aber vielleicht habe sich herum gesprochen, "dass ich ganz gut mit Menschen umgehen kann".

Die Vorbereitung lief durchwachsen, der FCI verlor die meisten Testspiele und rettete sich im DFB-Pokal erst im Elfmeterschießen vor dem Erstrunden-Aus beim Drittligisten Erzgebirge Aue. Doch für Kauczinski sind das gewöhnliche Startschwierigkeiten. Er kritisiert all jene Fußball-Beobachter, die in den Vorjahres-Aufsteigern Ingolstadt und Darmstadt nach den Erfolgen der Vorsaison die ersten Abstiegskandidaten sehen: "Die Leute machen es sich einfach. Die gehen die Etat-Tabelle von oben nach unten und sagen: Die Untersten müssen am Ende unten stehen." Kauczinski ist anderer Meinung: "Ich glaube, dass die Mannschaft stark genug ist."

2015 wäre er mit dem Karlsruher SC beinahe aufgestiegen, er scheiterte erst in der Relegation am Hamburger SV. Damals stieg sein Bekanntheitsgrad, er wurde später vom DFB zum Trainer des Jahres gekürt und nach seiner Entscheidung, in Karlsruhe seinen Vertrag nicht zu verlängern, von mehreren Bundesligisten umworben. Traditionsvereinen wie dem KSC attestiert er "Charme", Ingolstadt sei dagegen "wie ein Baby".

Seine Trainerkarriere begann Kauczinski einst - bevor er als Jugendtrainer zum FC Schalke wechselte - in einem sozialen Brennpunkt in Gelsenkirchen, wo er Jugendliche trainierte. "Ich habe mich gefragt: Geht das überhaupt? Aber dann habe ich schnell gemerkt: Ihnen gefällt's, mir gefällt's", erzählt Kauczinski. Er hat seine Lehren aus der Zeit gezogen - und viel Selbstvertrauen gewonnen. "Ich glaube schon, dass ich auch eine Gefängnismannschaft trainieren könnte. Ich respektiere Menschen, egal wo sie herkommen oder was sie getan haben."

Was das Trainieren von Fußballern mit Sozialarbeit zu tun hat, warum er gebrochene Charaktere mag und wie er vermeidet, die Spieler zu langweilen lesen Sie im kompletten Interview mit SZ Plus:

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