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70. Geburtstag von Mark Spitz:Der schnellste Schnauzer im Becken

In München 1972 staubte Mark Spitz sieben Olympia-Goldmedaillen in Weltrekordzeit ab. Danach ließen sich sowjetische Konkurrenten Bärte wachsen, um so schnell zu sein wie er. Eine Würdigung zum 70. Geburtstag.

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1973 Spitz Goes For Seven Golds It is the hope of all Olympic to win a Gold Medal but Mark Spit; Mark Spitz

Quelle: imago/ZUMA Press

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Wo beginnen große Sportkarrieren? Zum Beispiel in Honululu. Am Strand von Waikiki hüpft der am 10. Februar 1950 in Kalifornien geborene Mark Spitz im zarten Alter von zwei Jahren zum ersten Mal in die Fluten. Er habe sich dabei angestellt, "als wollte er sich selbst umbringen", berichtete seine Mutter Jahre später dem Time-Magazin. Trotzdem findet Spitz Gefallen daran, schon in Jugendjahren gelingen ihm zahlreiche Altersklassenrekorde. Seinen ersten Weltrekord schwimmt er 1967 im Alter von 17 Jahren über 400 Meter Freistil, im selben Jahr folgen noch mehr. Praktisch: Im kommenden Jahr stehen die Olympischen Spiele in Mexiko an.

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Quelle: AP

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Für Mexiko hat sich Spitz viel vorgenommen: Sechs Goldmedaillen sollen es sein. Mit zwei Mal Staffel-Gold sowie Silber über 100 Meter Schmetterling und Bronze über 100 Meter Freistil kehrt er heim nach Kalifornien - für ihn eine Enttäuschung. Doch er lässt weitere Weltrekorde folgen, wird 1971 zum zweiten Mal zum Weltschwimmer des Jahres gewählt und freut sich auf die Spiele in München: Sieben Goldmedaillen plant er dieses Mal.

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Quelle: STAFF/AFP

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Und Spitz gelingt das tatsächlich: Sieben Finalrennen, sieben Siege, alle in Weltrekord-Zeit. Über 100 und 200 Meter Schmetterling, 100 und 200 Meter Freistil sowie als Staffel-Schwimmer. Später bekommt er von der Stadt München einen goldenen Startblock geschenkt. Spitz wird zum Gesicht der Spiele, einen Tag nach seiner letzten Medaille versinkt die Sportwelt aber wegen des Terror-Anschlags auf die isrealische Mannschaft in Trauer. Spitz, jüdischer Abstammung, ist tief betroffen und verlässt streng bewacht am Tag danach München.

Der amerikanische Weltklasse Schwimmer Mark Spitz bei den Olympischen Spielen in München Deutschlan; Mark Spitz

Quelle: imago/United Archives

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"Mark the Shark", wie ihn die Teamkollegen taufen, erklärt nach den Spielen seinen Rücktritt - da ist er zwar erst 22 Jahre alt, kann aber auch nichts mehr besser machen, wie er findet. Und: Er will seinen Ruhm jetzt nutzen. So wird er zum Werbestar in den USA. Er posiert viel, mal mit, mal ohne Medaillen; für Milch, Rasierapparate, Badehosen. "Mit mir", sagte Spitz 1999 der Welt, "begann die Kommerzialisierung des Sports."

Aug. 15, 2008 - MARK SPITZ AT HOME WITH WIFE SUSAN.IN CALIFORNIA. COPYRIGHT 1974.PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMA; Mark Spitz

Quelle: imago images/ZUMA Press

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Auch vor Homestories schreckt Spitz nicht zurück, das heimische Wohnzimmer mit Ehefrau Suzie wird so zum beliebten Fotomotiv. Und was hatte es mit dem Bart auf sich? Es sollte eine Rebellion sein, erzählt Spitz mal, ein College-Trainer zog ihn damit auf, er könne sich keinen wachsen lassen - nach vier Monaten bewies Spitz das Gegenteil. Einem sowjetischen Reporter sagt er mal zum Spaß, dass ihn der Schnauzer im Wasser schneller mache. Wenig später tauchten der Legende nach viele Schwimmer der Sowjetunion mit Bärten auf.

MARK SPITZ 1990 PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY ZUMA2 73604102st Copyright ximagoxstock&peoplex; Mark Spitz

Quelle: imago/ZUMA Press

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Spitz ist 20 Jahre lang als Unternehmer tätig, steigt auch ins Immboliengeschäft ein, kann sich vom Schwimmen aber nicht endgültig trennen: Mit neuem Eifer versucht er 1989, sich für die Olympischen Spiele 1992 in Barcelona zu qualifizieren. Ein Filmemacher soll ihm dafür eine Million Dollar geboten haben. Doch für Olympia ist er mittlerweile - fast 40 Jahre alt - doch nicht mehr in der Lage. Aber immerhin: Den Bart hat er sich abrasiert und das Publikum lernt nun auch den Spitz ohne Schnauzer kennen.

Schwimm-As Mark Spitz (USA) wurde von Michael Groß (Deutschland, re.) zum Schwimmsportler des Jahrhunderts gekürt und m; Mark Spitz

Quelle: imago images/PPS

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"Ihre Pläne sind ein Witz, Herr Spitz", sagt Michael Groß 1989 zu dem Comebackvorhaben des ehemaligen Rekordschwimmers - zehn Jahre später übergibt Groß dem Amerikaner den Preis bei der Auszeichnung zum "Schwimmsportler des Jahrhunderts".

Dec 31 2006 New York New York U S OLYMPIC SWIMMER MARK SPITZ HOLDS UP A COPY OF MICHAEL PHE; Mark Spitz

Quelle: imago/ZUMA Press

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Sein Rekord von sieben Goldmedaillen bei einem Olympischen Turnier wird allerdings tatsächlich noch einmal übertroffen: 2008 setzt Michael Phelps in Peking die heute noch gültige Bestmarke. Spitz kann damit nach eigener Aussage gut leben: "Wenn ich der erste Mensch auf dem Mond war, dann ist Michael der erste Mensch auf dem Mars." Seine Vita liest sich ja so beeindruckend wie zuvor: Als neunfacher Olympiasieger und 35-facher Weltrekordler bleibt Spitz eine prägende Figur des Schwimmsports.

© SZ.de/sonn

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