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Karriereende von Mario Gomez:Ein angemessener Abschied?

Mario Gomez wird mit Meisterschale

Wirklich eine ausgezeichnete Kopfbedeckung: Mario Gomez, ein junger Stürmer beim VfB Stuttgart, präsentiert im Mai 2007 die Meisterschale.

(Foto: imago sportfotodienst)

Mario Gomez beendet am Sonntag seine große Karriere - ohne Zuschauer und in der zweiten Liga. Aber er hat noch einmal einen Rekord aufgestellt.

Die Geschichte von Mario Gomez' Rückkehr nach Stuttgart begann mit einem Anruf. Michael Reschke, damals noch Sportchef beim VfB Stuttgart, wollte im Winter 2017/18 unbedingt einen Stürmer verpflichten, Maximiliano Romero sollte es sein, ein junger Argentinier. Die Personalie war fast vollzogen, als plötzlich die PSV Eindhoven aus der Kulisse trat. Die Holländer überzeugten den jungen Mann mit noch einleuchtenderen Argumenten als der VfB (noch mehr Geld!), und so zückte Reschke sein Telefon, um die ebenfalls vorbereitete Plan-B-Taste zu aktivieren.

"Uli, schmeiß die Schnitzel in die Pfanne!", rief er ins Handy und fuhr ins Erlebnishotel Sonnenhof ins schwäbische Aspach. Dort sitzt seit Ewigkeiten der Hotelier, Andrea-Berg-Gemahl und Spielerberater Uli Ferber, der seit etwa ebenso langen Ewigkeiten den Stürmer Mario Gomez vertritt. Nicht bekannt ist, ob wirklich Schnitzel serviert wurden (ein beträchtlicher Makel dieser Geschichte); bekannt ist aber, dass Reschke und Ferber einig wurden. Gomez kehrte aus Wolfsburg heim zum VfB, hoim, wie man in Stuttgart, Aspach und im oberschwäbischen Unlingen sagen würde, wo Mario Gomez Garcia, Sohn einer Schwäbin und eines Andalusiers, aufgewachsen ist.

Zweieinhalb Jahre später endet nun die Geschichte von Gomez' Rückkehr - wie angemessen dieses Ende für einen großen und stets rechtschaffenen Sportler ist, darüber kann man geteilter Meinung sein.

Seit der Corona-Pause spielt Gomez kaum noch

Gomez, knapp 35, hat fast alle Pokale gewonnen, die einem dieser Sport zur Verfügung stellt, zumindest im Verein. Er hat mit Bayern das Triple gewonnen und den Meistertitel sogar mit dem VfB, er war Fußballer des Jahres und Torschützenkönig in Deutschland und der Türkei. In seinen guten Tagen hat er schneller gezogen als der schnellste Cowboy im wilden Südwesten, man musste den langen Kerl da vorne nur anspielen, rechter Fuß, linker Fuß, Kopf, der Ball war mindestens meistens drin. 328 Bundesligaspiele, 170 Tore: Ist das in Ordnung, dass so einer jetzt so unfeierlich gehen muss, in einem leeren Stadion, in einem Zweitligaspiel gegen Darmstadt? Dass er gehen muss am Ende einer Saison, in der er zuletzt nur noch auf der Bank saß, um mit anzusehen, wie ihm Hamadi al Ghaddioui vorgezogen wurde?

In dieser Woche haben sie beim VfB verkündet, was in Stuttgart, Aspach und Unlingen schon bekannt war: dass Gomez am Ende der Saison - also am Sonntag - aufhören wird. Ob er endgültig aufhört oder noch mal ein Abenteuer wagt, hat er noch nicht entschieden, aber Vertraute gehen davon aus, dass Gomez nach einiger Bedenkzeit zu dem Schluss kommen wird, dass es das war. Und dass es gut ist, wie es war.

Im Moment ist Gomez aber noch Leistungssportler, es gefällt ihm keinesfalls, dass er seit der Corona-Pause kaum noch spielt. Gomez ist nie ein Angeber gewesen, er weiß sehr genau, dass von jener sagenhaften Explosivität, die ihn einst auszeichnete, nur noch ein paar schöne Funken übrig geblieben sind. Gomez riecht die Momente immer noch, aber an den Einsatzort kommt er manchmal eine halbe Sekunde zu spät, und manchmal reicht das selbst einem Verteidigerbein aus Wehen-Wiesbaden, um den Ball vorher zur Ecke zu klären.

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