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Vereinssuche des Ex-Dortmunders:Er will noch mal Mario Götze sein

Fußball: Testspiele, BVB Winter-Trainingslager 2020, Borussia Dortmund - Standard Lüttich am 07.01.2020 im Estadio Marbe; Götze

Wohin nur? Mario Götze sucht einen neuen Klub.

(Foto: imago images/Kirchner-Media)

Mario Götze ist aktuell vereinslos, er möchte aber die Champions League gewinnen. Über die schwierige Suche nach einem Klub, der zu ihm passt.

Von Jonas Beckenkamp

Wenn die Bundesliga an diesem Freitag in ihre 58. Spielzeit startet, wird einer ganz sicher fehlen: Mario Götze, der Weltmeistertorschütze von 2014, der in diesem Sommer Vater wurde und seinen Sohn Rome nannte. Rome Götze könnte, wenn er etwas vom Talent seines Erzeugers geerbt hat, eines Tages auch ein ganz guter Fußballer werden, aber das wäre wohl erst was für die WM 2042. Die große Frage der Gegenwart lautet indes: Was wird eigentlich aus seinem Vater, der jetzt schon eine ganze Weile nicht mehr bei Borussia Dortmund angestellt ist - aber auch sonst nirgendwo?

Um die Zukunft von Mario Götze geht es im deutschen Fußball gerne mal, es gab Phasen, da wunderte sich das halbe Fußballland über den Karriereweg des heute 28-Jährigen. Götze, der Pirouettendreher, der von Krankheiten gebeutelte Musterprofi, der Samtfuß - der Mann, den die Last dieses einen Tores manchmal zu erdrücken schien. Er ist dieser Tage tatsächlich vereinslos, aber natürlich soll das kein Dauerzustand werden. Anders als die Weltmeisterspezis Andre Schürrle oder Benedikt Höwedes plant Götze keinen verfrühten Ausstieg aus dem Geschäft.

Er will noch ein wenig kicken, so lassen sich seine jüngsten Aussagen in der Bild-Zeitung interpretieren. Spekulationen gibt es ja immer wieder: Mal hieß es, er könne sich in bedeutungsärmere Gefilde wie etwa nach Monaco verabschieden, wo Niko Kovac gerade Trainer ist. Dann gab es kaum ernst zu nehmende Meldungen über eine mögliche Rückkehr zum FC Bayern. Und stets spielten auch andere Klubs in der Bundesliga eine Rolle.

Es liegt nahe, dass Götze eher in der Bundesliga bleibt

"An den meisten Gerüchten war nichts dran", sagt Götze nun, "zu vertraulichen Gesprächen möchte ich mich auch nicht äußern. Was ich aber sagen kann: Ich habe mich mit einigen Trainern und Vereinen in den vergangenen Wochen ausgetauscht." Wo und mit wem lässt er offen - es gilt aber als gesichert, dass Götze selbst nicht der allergrößte Netzwerker in der Branche ist. Vielmehr dürfte er über seinen neuen Berater ganz neu ausloten lassen, welche Möglichkeiten der Markt bietet.

Und ein paar Anhaltspunkte gibt es: Monaco wäre sportlich wohl kaum interessant für ihn, der vom russischen Milliardär Dmitri Rybolowlew alimentierte Klub ist vom europäischen Top-Fußball weit entfernt. Zudem erklärte Coach Kovac kürzlich, an den Spekulationen sei "0,0 Prozent dran". Götzes Charakter und seine private Situation legen nahe, dass er eher in Deutschland bleibt. Der Schritt hinaus in die weite Welt würde für ihn nur neuerlichen Rummel bedeuten. Der Druck, als WM-Siegtorschütze unter besonderer Beobachtung zu stehen, die Erwartungen, die Aufmerksamkeit - das würde in Italien oder England neue Wucht entfalten.

Deshalb kann er sich offenbar eher einen Wechsel innerhalb der Bundesliga vorstellen. "Die Bundesliga gehört auch zu Europa und ich habe nie gesagt, dass ich die Bundesliga verlassen muss. Es gibt mehrere ambitionierte Vereine in Deutschland." Angeblich hatte auch Hertha BSC Interesse gezeigt, wo Investor Lars Windhorst ohne allzu große Strategie einen "Big City Club" erschaffen möchte. Doch auch dieser Schritt wäre sportlich mäßig attraktiv.

Hertha, soeben in der ersten Pokalrunde an Eintracht Braunschweig gescheitert, böte zwar den Standort Berlin, wo Götzes Frau Ann-Kathrin ein Umfeld für ihre Tätigkeit als Model und Influencerin fände. Aber auch hier im sportlichen Mittelmaß wäre der Fokus auf den einstigen Weltmeistermacher Götze enorm.

Viele geeignete Klubs gibt es für Götze nicht

Es ist das ewige Dilemma dieses eigentlich famos begabten Fußballers: Wo er auch hinkommt, er wird stets von der Vergangenheit begleitet. Dabei wäre er unter den richtigen Gegebenheiten gewiss ein Gewinn für viele Mannschaften. Götze als Ballmagnet, als herausragender Techniker, als Teil einer harmonisch agierenden Ballbesitzmannschaft - das könnte immer noch funktionieren, wenn er den richtigen Trainer (und die richtige Pflege) antreffen würde. Abstiegskampf samt Kratzenbeißenpflügen (etwa in Köln) oder Graumäusigkeit (an manch anderem Ligastandort) kommen eher nicht in Frage. Genausowenig wie das Hochtempospiel in Leipzig, wo ohnehin alle Planstellen besetzt sind.

Entscheidend ist, wo Götze selbst die besten Chancen sieht, noch einmal der Götze zu sein, der er lange nicht mehr war. Verdient hat er in seinen üppig vergüteten Jahren in Dortmund und München genug, man darf es Götze ruhig glauben, wenn er sagt: "Der finanzielle Aspekt spielt für mich nur eine untergeordnete Rolle. Die entscheidenden und wirklich wichtigen Faktoren sind die Sportlichen."

Er habe "ehrgeizige Ziele und will unbedingt noch die Champions League gewinnen", erzählt er der Bild. Das sei sein Antrieb: "Ich will meine Karriere nicht beenden, ohne diesen Titel einmal gewonnen zu haben." Bei solchen Ansprüchen bliebe in Deutschland eigentlich nur ein Verein übrig - auch wenn das mit dem Triumph in der Champions League selbst da schwierig wird: Bayer Leverkusen.

Dort könnten sie Götze mit den vielen Millionen aus dem Havertz-Transfer bezahlen, es ginge einigermaßen beschaulich zu. Die Götzes müssten vielleicht nicht einmal umziehen und könnten am Dortmunder Phoenixsee wohnen bleiben. Zudem fände er in Peter Bosz einen Trainer, den er aus Dortmunder Tagen kennt und schätzt. Und, auch nicht ganz unwichtig: In Havertz und Kevin Volland haben gerade erst zwei Promis den Verein verlassen. Aber auch hier gestaltet sich die Sache vertrackt: Er könne es sich zwar "vorstellen", nochmal mit Mario zusammenzuarbeiten, sagte Bosz am Freitag, aber er "glaube nicht", dass das noch in diesem Transfersommer passieren werde. "Wir suchen momentan für andere Positionen. Deshalb macht es keinen Sinn, darüber zu spekulieren."

© SZ.de/ebc
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