Süddeutsche Zeitung

Verletzung von Marco Reus:"Ich werde niemals aufgeben"

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Marco Reus knickt beim Revierderby-Sieg gegen Schalke um - doch die WM gerät für den Dortmunder offenbar nicht in Gefahr. Der BVB geht von einer nur kurzen Pause aus.

Von Freddie Röckenhaus, Dortmund

Am Morgen danach, und einige Dosen Schmerzmittel später, klarte die Stimmung erkennbar auf. Marco Reus ließ seine Anhänger über Instagram wissen, dass alles nicht so schlimm sei: "Ich werde bald zurück sein. Ich werde niemals aufgeben." Das klang unkonkret optimistisch, ohne allzu viel medizinisches Festlegen. Sein Sportchef Sebastian Kehl wollte unterdessen am Sonntag beim Fernsehsender Sport 1 schon präziser werden: "Die Untersuchungen haben keinen Bruch gezeigt. Es ist eine Außenbandverletzung am Sprunggelenk, aber auch nicht so schlimm, dass die WM für Marco gefährdet wäre."

Am Samstag aber hatte die Verletzung von Kapitän Reus den BVB-Fans den Derbysieg gehörig verdorben. Das 1:0 gegen Schalke 04 wurde zwar beim Schlusspfiff geradezu ekstatisch bejubelt, aber dann kehrten für die meisten Anhänger in Schwarz-Gelb wohl die Bilder zurück, wie Reus nach einer halben Stunde auf einer Trage das Feld verlassen hatte. Zu gut kennt man sich in Dortmund mit der Verletzungsliste von Reus aus; zusammengerechnet fast drei Jahre seiner Karriere hat der 33-Jährige in Rehas statt auf dem Fußballplatz verbracht. Und wie Reus sich da nun vor Schmerzen auf dem Rasen wälzte - das ließ nichts Gutes ahnen.

Reus hatte sich bei einem fairen, nicht einmal harten Zweikampf unglücklich vertreten. Die Zeitlupenbilder des Fernsehens zeigten, wie Reus' rechtes Fußgelenk deutlich umknickte. Angesichts seiner Verletzungs-Biografie schien die WM-Teilnahme (ab Ende November in Katar) in diesem einen Moment verloren zu sein. Zur Erinnerung: Reus hatte 2014 als damals sicherer Stammspieler wegen einer Verletzung im letzten Testspiel die WM verpasst, und damit auch den späteren deutschen Titel-Triumph. Auch bei der EM 2016 fiel er verletzt aus. Und bei der EM 2020, die coronabedingt erst 2021 ausgetragen wurde, musste Reus passen, weil er seine Kräfte lieber für seine Karriere beim BVB reservieren wollte und sich nach all den erlittenen Verletzungen einem Turnier nicht gewachsen fühlte.

Dortmund rechnet offenbar mit drei bis vier Wochen Pause für Reus

Reus' Trainer Edin Terzic wollte, wohl gerade deshalb, schon kurz nach Spielende so etwas wie Entwarnung geben. "Marco hat schon öfter Verletzungen im Sprunggelenk gehabt. Wir hoffen das Beste. Es wird nicht so lange dauern", sagte der Trainer. Dortmunds Vereinsarzt Markus Braun konnte zu dem Zeitpunkt allerdings noch keine allzu validen Diagnosen abgeben. Durch die offenbar besonders starke Schwellung des verletzten Fußgelenks war die obligatorische Magnetresonanz-Untersuchung (MRT) nicht möglich. Sie wird vermutlich erst in einigen Tagen letzten Aufschluss über das Ausmaß der Verletzung geben können. Braun ist aber ein erfahrener Orthopäde, dessen frühe Prognosen in der Regel stimmen.

Wohl auch deshalb konnte Kehl am Sonntagmorgen eine Fraktur ausschließen. Offenbar rechnen die Dortmunder damit, dass Reus mit einer starken Dehnung der Außenbänder im Fußgelenk davongekommen sein könnte: "Wir gehen im Moment mal von drei oder vier Wochen Pause aus, die Marco einlegen muss." Das wäre das unterste Ende der Skala, die nach Bänderdehnungen in Frage kommt. Bei einem Bänderriss würden es mindestens sechs Wochen sein; dann wäre die WM-Teilnahme stark in Gefahr. Die beiden gerade bevorstehenden Nations-League-Länderspiele, für die Reus nach monatelanger Pause von Bundestrainer Hansi Flick nominiert war, fallen für den gebürtigen Dortmunder in jedem Fall aus.

Zum Derbysieg, dem "schönsten Sieg der Saison", wie es Terzic ausdrückte, konnte Reus nicht mehr viel beitragen. Am Ende ging es den extrem defensiv verteidigenden Schalkern so ähnlich wie es drei Tage zuvor den Borussen bei ihrer 1:2-Niederlage im Champions-League-Spiel bei Manchester City gegangen war. Der BVB lag dort bis zur 80. Minute in Führung und kassierte dann zwei Gegentore durch Stones und Haaland. Am Samstag hielt Schalkes Defensiv-Wand bis zur 78. Minute, ehe der eingewechselte Youssoufa Moukoko mit einem spektakulären Kopfball das goldene Tor platzierte.

Moukoko, 17, war für den erneut erfolglosen Anthony Modeste, 34, eingewechselt worden - und sorgte dann für Daueralarm in der Schalker Defensive. Seinem Treffer ließ Moukoko vor der Südtribüne den bisher ausdauerndsten Torschrei seiner BVB-Geschichte folgen. Edin Terzic, der als Fan des jungen Mittelstürmers gilt, wird wohl in nächster Zeit entscheiden müssen, ob er weiter dem aus Köln geholten Modeste Chancen geben will - oder auf den fußballerisch weitaus versierteren eigenen Nachwuchsspieler setzt.

Moukoko bedankte sich artig bei Terzic und wünschte Reus alles Gute: "Er ist einfach unser Kapitän. Wenn er auf dem Platzt ist, haben wir Selbstvertrauen." Gegen Schalke klappte das allerdings auch ohne den Boss auf dem Feld.

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