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Marco Friedl bei Werder Bremen Erwachsen werden an der Weser

Marco Friedl wird nun eine Weile nicht mehr in Rot spielen. Er ist nach Bremen gewechselt.

(Foto: dpa)
Von Martin Wallentich und Jonas Beckenkamp

240 Minuten können im Fußball eine lange Zeit sein, aber wer wird in diesem Fall schon mit dem Minutenzählen anfangen? Doch nicht bei Marco Friedl, der Junge ist schließlich erst 19 Jahre alt. In diesem Alter sind drei Spiele auf der Bank noch kein Grund für schlechte Laune. Aber natürlich ist dieser Friedl Anfang Februar nicht zu Werder Bremen gewechselt, um nur zuzuschauen: Er will spielen - und dafür hat er in diesem Winter einen entscheidenden Schritt getan. Er hat den FC Bayern verlassen und wer den FC Bayern verlässt und es woanders versucht, auf den schauen die Leute ganz genau.

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Der junge Österreicher Friedl ist jetzt also Leihspieler in Bremen, er saß gegen Hertha draußen, reiste mit nach Schalke, dann ging's im Pokal nach Leverkusen. Eineinhalb Jahre soll er sich bei Werder versuchen, ihm soll dort gelingen, was bei den Bayern nahezu unmöglich war: es als junger Spieler in die erste Mannschaft schaffen. In München zogen ihm die Trainer Carlo Ancelotti und Jupp Heynckes fast immer David Alaba vor, der ist zwar auch Österreicher, aber eben ein bisschen besser und erfahrener als Friedl. Friedl, ein Tiroler aus der Nähe von Kufstein, der seit 2013 in der Bayern-Jugend kickte, ist wie sein Wiener Kumpel Alaba im Herzen Linksverteidiger (er kann aber auch innen aushelfen). Er kann rennen, mitspielen und Schmäh führen - aber bei Bayern ist das mit dem eigenen Nachwuchs so eine Sache.

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Seit den Tagen von Thomas Müller, Alaba oder Holger Badstuber hat es keiner mehr zur bayerischen (oder österreichischen) Identifikationsgröße gebracht. Die Konkurrenz im Kader ist riesig, wer jung ist, muss so viel Geduld haben, wie eigentlich kaum geht. Für Friedl kam dieser Moment relativ bald, er will bei Werder nach nur einem Bundesliga-Einsatz (am 13. Spieltag in Gladbach) ein Praktikum machen. "Als junger Spieler muss ich versuchen, möglichst viel Spielpraxis zu sammeln. Dabei hat mich die Art und Weise, wie Werder Bremen spielt, überzeugt", sagt er nun.

Es ist nicht so, dass sie ihn in München übersehen hätten, nur: Im Moment und auch in Zukunft werden wohl eher Alaba und Juan Bernat spielen. Zwei Profis, deren Niveau Friedl noch nicht erreicht - zwei, deren Fähigkeiten in Wahrheit kaum jemand in der Bundesliga mitbringt. Friedls Position ist also sicher ein Aspekt, weshalb in München vieles blockiert schien. Der andere ist der Schatten Alabas. Der ewige Vergleich mit dem älteren Landsmann, die Ähnlichkeiten, aber auch die Unterschiede. Marco Friedl ist eben kein zweiter Alaba, auch wenn es sich viele so wünschen würden.

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Bereits 2016, damals noch unter Pep Guardiola, durfte er mit den Bayern-Profis ins Trainingslager nach Katar reisen. In der Münchner Lokalpresse entstanden damals Schlagzeilen wie "So rührend kümmert sich Alaba um Spezl Marco Friedl". Solche Kommentare hört er immer wieder. Wirklich hilfreich sind sie nicht. In der aktuellen Champions-League-Saison durfte er dann in Anderlecht ran, er machte sich ordentlich - und wieder hieß es: "Alabas Bruder tritt ins Rampenlicht." Jetzt also Bremen, keine schlechter Abenteuer-Spielplatz für einen Jungen wie ihn. Und ein Leihgeschäft verhalf damals, diese Parallele sei erlaubt, auch Alaba zum Erwachsenwerden.

Österreichische Tradition in Bremen

2011 entwickelte der sich durch ein Hoffenheim-Intermezzo zum Alaba von heute - und vielleicht wird Friedl bei Werder ja der Friedl von morgen. Er selbst glaubt an die Möglichkeiten, die eine Ausleihe bringt und verweist darauf dass es "auch genug andere Spieler gibt, die leihweise gewechselt sind, wie zum Beispiel Philipp Lahm". Der reifte zwei Jahre in Stuttgart heran, bevor er in München zum weltbesten Außenverteidiger aufstieg. Oder Sandro Wagner, der einen noch weiteren Bogen schlug, über Bremen, Berlin, Darmstadt und Hoffenheim, jetzt aber nach München zurückkehrte.

Friedl betont, er habe "selbst entschieden, dass es der beste Weg ist, dass ich diesen Schritt mache". Bis Sommer 2019 will er sich Zeit geben. "Es ist eine lange Zeit, um mich zu entwickeln, deshalb habe ich keinen Stress aufgrund schneller Entscheidungen und kann in Ruhe hier ankommen und der Mannschaft helfen", sagt er. Bei Werder jedenfalls halten sie viel von ihm. Sein Trainer Florian Kohfeldt meinte: "Wir trauen ihm die Bundesliga kurzfristig zu, er ist talentiert und wird sofort bei uns mittrainieren." Und überhaupt sind Österreicher im Norden gerne gesehen.

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Nach alpenländischen Bremen-Pionieren wie Bruno Pezzey und Andreas Herzog in den achtziger und neunziger Jahren oder zuletzt Marko Arnautovic und Sebastian Prödl ist der Klub auch aktuell eine Alpen-Exklave der Bundesliga. Friedl wird der insgesamt siebte österreichische Werder-Profi innerhalb der letzten fünf Jahre sein. Sein Kapitän heißt in dieser Saison Zlatko Junuzovic, großgeworden zwischen Serbien und Kärnten. Vorne komplettiert der Grazer Florian Kainz das aktuelle Österreicher-Kontingent.

Zu Jahresbeginn erwähnte Österreichs deutscher Nationaltrainer Franco Foda Friedl sogar namentlich, als er von "einigen interessanten jungen Spielern, die auch in der U21 spielen" sprach. Friedl selbst haben diese Avancen gefreut: "Ich finde es schön, dass mich der Teamchef kennt. Aber derzeit ist für mich vor allem die U21, mit der ich zur EM fahren will, ein Thema." Gespielt wird diese übrigens im Sommer 2019. Vielleicht wäre das ein guter Moment, um als gemachter Außenverteidiger zu den Bayern zurückzukehren.

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