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Coronavirus:Warum jetzt ein guter Zeitpunkt ist, um mit dem Laufen zu beginnen

Coronavirus - USA

Wann man will, wo man will, wie man will: Joggen ist unkompliziert und liegt außerdem im Trend.

(Foto: Frank Franklin Ii/dpa)

Vielleicht, weil Laufen gerade in Corona-Zeiten die einfachste Form von sportlicher Betätigung an der frischen Luft ist? Stimmt, doch das ist nur einer von zehn Gründen.

Im vergangenen Sommer veröffentlichte die Seite statista.de eine Erhebung, nach der 23 Millionen Deutsche regelmäßig zum Joggen gehen. Das ist eine enorme Zahl - und sie wurde vor der Corona-Krise erhoben, zu einer Zeit also als Sportplätze ohne Einschränkung bespielbar, Turnhallen belebt und Fitness-Studios geöffnet waren. Es ist deshalb davon auszugehen, dass in den vergangenen Wochen eine erkennbare Anzahl zusätzlicher Läuferinnen und Läufer hinzugekommen sind. Laufen ist die Sportart der Stunde. Und das ist gut so, denn es gibt zahlreiche Gründe, die fürs Laufen sprechen. Lesen Sie hier die zehn wichtigsten - und melden Sie sich anschließend für den Marathon an, der von der SZ für Laufeinsteigerinnnen und -Anfänger konzipiert wurde: der Minutenmarathon.

1. Laufen ist erlaubt

Wer läuft, macht nichts falsch. In der Corona-Krise muss man ergänzen: "Wenn der Abstand eingehalten wird." Dann aber ist Laufen allein deshalb eine perfekte Sportart, weil sie trotz Ausgangsbeschränkungen gestattet ist und die Ausbreitung des Virus auch danach nicht befördert. Anders formuliert: Allein weil das Laufen gerade erlaubt ist, sollten Sie es ausprobieren.

2. Laufen ist günstig

Die Grundausstattung fürs Laufen kostet nicht viel. Klar, Sie können eine Menge Geld für Pulsmesser, Laufapps und perfekte Bekleidung ausgeben, aber die gute Nachricht ist: Sie müssen das nicht tun. Sie können auch einfach mit dem beginnen, was sie haben. Und zwar genau dort, wo Sie sind. Denn günstig ist das Laufen nicht nur aus finanzieller Perspektive, sondern auch aus zeitlicher und organisatorischer. Sie können überall und nahezu zu jeder Zeit laufen. Probieren Sie es aus.

3. Laufen macht gesund und fitter

"Hauptsache laufen", fasste der Kollege Werner Bartens unlängst eine Studie aus dem vergangenen Winter zusammen: "Joggen ist in jeder noch so geringen Dosis gesund." Es stärkt das Immun- und das Herz-Kreislauf-System und trägt dazu bei, dass Läuferinnen und Läufer gesünder und sportlicher werden. Denn durch die Kalorienverbrennung werden sie auf Dauer auch fitter und nehmen ab. Kurzum: Es lohnt sich, sich zu bewegen. Denn so Bartens weiter: "Eine Faustregel unter Sportmedizinern besagt, dass Hobbyläufer ihren Herzen, Gefäßen und anderen Organen Gutes tun, wenn sie ohne Überforderung zehn Kilometer laufen können."

4. Laufen macht glücklich

Unter dem Hashtag #laufenmachtglücklich posten Läuferinnen und Läufer Fotos von sich im Netz - um der Welt zu zeigen, was die Wissenschaft in Glückshormonen messen kann. Wer läuft, fühlt sich glücklicher, weil Serotonin und Endorphine ausgeschüttet werden. Dies geschieht auch, bevor das so genannte Runners High eintritt, also ein Glückszustand, von dem manche berichten. Der US-amerikanische Cartoonist Matthew Inman, der unter dem Namen Oatmeal bekannt ist, hat in seinem Buch "Die schrecklichen und wundervollen Gründe, lange Strecken zu laufen" diese laufende Glückssuche so beschrieben: "Ich laufe sehr schnell, weil ich verzweifelt versuche, sehr still zu stehen. Ich laufe, weil ich diese Klarheit suche."

5. Laufen ist Fortschritt

Wenn Sie eine Weile laufen, merken Sie schnell: Sie werden besser. Insofern ist dieser Punkt nicht nur ein Wortspiel, sondern greifbares Zeichen für Ihren persönlichen Trainingserfolg. Wer regelmäßig läuft, wird schnell Verbesserungen bemerken - und zwar ohne große Hilfsmittel. Sie spüren es an Ihrem Atem, an Ihrer Stimmung und an der Leichtigkeit, die mit jedem Meter zunimmt und Sie irgendwann vergessen lässt, dass Sie überhaupt laufen.

6. Laufen hilft beim Denken

"Niemand würde widersprechen, dass Sport die körperliche Fitness verbessert, doch an die Fitness des Gehirns denken wir kaum", sagt Nina Kraus. Die Neurowissenschaftlerin hat an der Northwestern University eine Studie unter Sportlern durchgeführt. Ergebnis: Sport hilft dem Gehirn. Nicht nur erhöht sich die Konzentrationsfähigkeit, weil durch das Laufen die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung steigt, sportliche Aktivität verbessert auch Sinneswahrnehmungen im Gehirn nachhaltig.

7. Laufen ist ehrlich

Wer mit der eigenen Leistung angeben will, sollte sich eine andere Sportart suchen. Denn wenn Sie beim Laufen betrügen wollen, betrügen Sie nur eine Person: sich selbst. Laufen ist eine sehr ehrliche und sehr einfache Sportart. Bei Oatmeal heißt es in "Die schrecklichen und wundervollen Gründe, lange Strecken zu laufen": "Ich laufe lange Strecken, um mich gut zu fühlen, nicht, um gut auszusehen. Beim Laufen geht es nicht darum, Stärke aufzubauen und wie ein Fashion-Statement zu tragen. Es geht darum, seine Stärke zu finden und sich jeden einzelnen Tag selbst zu messen."

8. Laufen baut Stress ab

Studien zeigen: Wer regelmäßig Laufen geht, wird stress-resistenter. Die Bewegung hilft, Belastungen besser zu verarbeiten und Abstand zu Problemen zu gewinnen. Manche Läuferinnen und Läufer berichten gar davon, meditative Wirkung beim Laufen zu spüren. Der japanische Autor Haruki Murakami hat dies in seinem Buch "Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede" so zusammengefasst: "Wenn ich laufe, laufe ich einfach. Normalerweise in eine Leere. Oder vielleicht sollte ich es lieber umgekehrt ausdrücken: Ich laufe, um Leere zu erlangen. (...) Die Gedanken, die mir beim Laufen durch den Kopf gehen, sind wie die Wolken am Himmel. Wolken in verschiedenen Formen und Größen. Sie kommen und ziehen vorüber. Die Himmel jedoch bliebt immer derselbe. Die Wolken sind mehr als Gäste auf der Durchreise. Sie tauchen auf und verschwinden wieder." Alan Sillitoe lässt die Hauptfigur in "Die Einsamkeit des Langstreckenläufers" über die Leere beim Laufen das hier sagen: "Das ist die schönste Minute, weils da in meinem Kopf weder einen Gedanken noch ein Wort noch ein Bild noch sonstwas gibt. Leer bin ich, so leer wie vor meiner Geburt." Matthew Inman alias Oatmeal formuliert es noch deutlicher: "Ich laufe, um die Leere zu suchen."

9. Laufen zeigt die Umwelt

Im gleichen Kapitel lobt Murakami die Stille, die er mit dem Sport verbindet: "Beim Laufen muss ich mit niemandem reden und niemandem zuhören. Ich brauche nur auf die vorüberziehende Landschaft zu schauen. Um nichts in der Welt würde ich diese kostbaren Momente eintauschen." Denn wenn Sie sich gute Strecken suchen, eröffnen diese Ihnen erstaunliche neue Blickwinkel. Sie lernen Ihre Umgebung neu kennen und können sogar Sightseeing mit dem Laufen verbinden.

10. Laufen verbindet

Das Laufen ist Ihre Privatsache. Wann, wo und wie Sie laufen, geht nur Sie etwas an. Nur Sie alleine werden Ihren Weg zu Ihrem Flow finden - aber Sie können dabei eine Menge Menschen kennenlernen, die einen ähnlichen Weg suchen. Nicht nur durch die digitale Vernetzung ist das Laufen eine erstaunliche Gemeinschaftssportart. Sie laufen zwar allein, aber Sie sind Teil einer Lauf-Community. Das merken Sie bei jedem Small-Talk, der sofort aufblüht, wenn zwei Laufende sich erkennen. Und Sie merken es erst recht, wenn Sie zum Beispiel bei einem virtual run merken, wie viele andere Menschen da draußen sind und das gleiche tun wie Sie: Laufen!

Um Ihrem Lauf ein Ziel zu geben, haben wir uns ein besonders Ziel ausgedacht: den perfekten Marathon (nicht nur) für Laufanfänger! Der Minutenmarathon überträgt die magische Zahl von 42,195 Kilometern in Zeit. Beim Minutenmarathon geht es darum 42,195 Minuten am Stück zu laufen. Das wollen wir alle gemeinsam, aber natürlich jede und jeder für sich am 4./5. Juli tun. Damit Sie dafür trainieren können, bereiten wir Sie vor - mit dem Lauf-Newsletter, den Sie hier bestellen können.

Wenn Sie schon länger laufend unterwegs sind, bitten wir Sie um Unterstützung: Erzählen Sie uns von Ihrem Laufeinstieg! Wie sind Sie zum Laufen gekommen? Und was hat Ihnen geholfen, um dabei zu bleiben? Welche Fehler haben Sie anfangs gemacht? Welche Tricks nutzen Sie um sich zu motivieren? Haben Sie Anregungen für die beste Ausrüstung, für Apps oder die Atmung? Erzählen Sie uns davon - per Mail an minutenmarathon@sz.de.

© SZ.de/dvg/dd
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