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Marathon in New York:Er verdiente 125.000 Dollar an einem Tag

Die Marathonwelt hat in den vergangenen Jahren einige junge Hochbegabte begrüßt, aber so früh wie Ghebreslassie ist selten einer an die Spitze geschossen. "Er ist unseren Planungen ein wenig davongelaufen", sagte sein Manager Jos Hermens - das war vor einem Jahr. Früher wechselten die Läufer nach einer erfüllten Karriere auf der Bahn in eine zweite Laufbahn auf der Straße. Mittlerweile sind viele Stadionmeetings und Verdienstmöglichkeiten verschwunden. Der Nachwuchs probiert es also gleich auf der Straße, dieser Trend nimmt stählerne Festigkeit an. Der junge Ghebreslassie verdiente allein am Sonntag 100 000 Dollar für seinen Sieg, 25 000 weitere für seine Zeit.

Wobei: Das mit dem Alter ist bei ihm so eine Sache. Man habe gehört, schrieb das Fachportal RunBlogRun nach der WM 2015, dass er "zwischen 20 und 25 Jahren" alt sei. Sein Management ließ Anfragen dazu unbeantwortet. Ghebreslassie erzählte lieber, dass seine Eltern nicht viel von seiner Laufkarriere hielten, dass er im Niederländer Jos Hermens schließlich einen Unterstützer fand. Er lebt und trainiert in Eritrea, aber er ist aufgeschlossen für neue Trainingslehren. Hermens hat ihn in das von ihm geförderten Projekt eingebettet, in dem Wissenschaftler den ersten Läufer züchten wollen, der einen Marathon unter zwei Stunden läuft. Man kratze noch an der Oberfläche seines Könnens, sagte Hermens in New York.

Und jetzt? Dass der Anti-Doping-Kampf in Afrikas Laufhochburgen seit Langem nachlässig geführt wird und Zweifel schürt, kann man Ghebreslassie kaum anlasten. Aber was der frühe Erfolg für die jungen Knochen bedeutet, muss sich noch zeigen. "Drei Marathons im Jahr bringen dir viel Geld", sagte der drittplatzierte Abdi Abdirahman, 39, am Sonntag zum Sieger: "Aber wenn du eine lange Karriere haben willst, genieße dein Leben und mach nicht mehr als ein, zwei Marathons im Jahr." Ghebreslassie lauschte aufmerksam. Dann klatschte er.

© SZ vom 08.11.2016/ebc
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