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Diego Maradona:Die Staatsanwälte übernehmen den Fall

Die ganze Welt trauert um Diego Maradona, hier Szenen aus Neapel.

(Foto: AP)

Die Todesumstände Maradonas werden in Argentinien von der Justiz geprüft. Welche Substanzen befanden sich im Körper des Nationalhelden, als er starb? Sein Leibarzt gilt mittlerweile als Beschuldigter.

Von Javier Cáceres

Diego Armando Maradona, der stets von Herzen und Händen umgebene Held der Massen, der Fußballer, der so viele Menschen glücklich machte, ist allein gestorben. Und traurig, allem Anschein nach. Das ist die Quintessenz der Berichte, die nun die argentinischen Zeitungen füllen und die sich jenen Stunden am 25. November widmen, die dem Herzversagen Maradonas vorausgingen. Der Tod seines berühmtesten Bürgers stürzte Argentinien in unermessliche Trauer. "Das Vaterland ist eine einzige Totenwache", schrieb die Zeitung Clarín.

Argentinien ist aber auch ein Land voller Fragezeichen. Schon in den Stunden nach der Todesnachricht wurden erste Vorwürfe laut, wonach Maradona in seiner Residenz nicht 24 Stunden am Tag betreut und beobachtet worden sei, wie es notwendig gewesen wäre. Die Ambulanz sei erst mit 30 Minuten Verzögerung eingetroffen, hieß es - zu spät, um Maradonas Herz zu retten. Denn der frühere Weltmeister, der seinen Körper mit zahlreichen Exzessen geschunden und schon vor Jahren in lebensbedrohliche Lagen gebracht hatte, war aus Krankheitsgründen pflegebedürftig: Drei Wochen vor seinem Tod war er am Kopf operiert worden wegen einer Blutung zwischen mittlerer und harter Hirnhaut.

Nun hat sich die Justiz des Falles angenommen. Drei Staatsanwälte sind mit der Untersuchung betraut, mit Hochdruck wird an toxikologischen Analysen gearbeitet, um zu eruieren, welche Substanzen sich im Körper Maradonas befanden, als er starb. Am Sonntag kam bereits die Meldung, dass Maradonas Leibarzt Leopoldo Luque als Beschuldigter in einem Ermittlungsverfahren gilt, das um einen möglichen Fall von "fahrlässiger Tötung" kreist. Das Domizil und die Praxis des Neurochirurgen - dem Teile der Familie Maradona umgehend die Verantwortung für den Tod anlasteten - wurden von Justizbeamten untersucht, Akten sichergestellt.

Wollte Maradona zurück nach Kuba?

Zur selben Zeit verbreiteten die Radiosender, Fernsehstationen und Zeitungen des Landes harte Informationen, düstere Gerüchte und herzzerreißende Geschichten. Zum Beispiel jene, die am Sonntag in Clarín zu lesen war und die Maradona einerseits als unzähmbaren Kranken ausweist, andererseits das berühmte Lied "Si yo fuera Maradona" vom frankospanischen Popstar Manu Chao ad absurdum führt: "Wenn ich Maradona wäre/würde ich leben wie er ...", heißt es darin.

Clarín berichtete auch, dass Maradona aus der Klinik Olivos türmen wollte, wo er am Kopf operiert worden war. Er habe das Zimmer mit einem anderen, namentlich ungenannten Patienten geteilt und diesen um Kleidung gebeten, um das Krankenhaus unerkannt zu verlassen. Maradonas Zimmergenosse habe sich geweigert.

"Was würdest Du tun, wenn du Maradona wärst?", habe Diego, die ewige "Nummer 10" der argentinischen Nationalmannschaft, seinen Zimmergenossen gefragt.

"Die Wahrheit, Zehner: Ich würde nicht eine Sekunde lang Maradona sein wollen."

"So geht es mir auch. Ich würde gerne Urlaub von Maradona nehmen", habe der zu Depressionen neigende, unter schwerem Alkohol- und Medikamentenkonsum leidende Diego Maradona entgegnet.

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Zuletzt, so heißt es in Clarín weiter, sei erwogen worden, Maradona wieder nach Kuba zu bringen. Auf der Insel, die damals von seinem Freund Fidel Castro regiert worden war, hatte sich Maradona vor Jahren einer Entgiftungskur unterzogen. Sein Tod kam der Umsetzung der Pläne zuvor.

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