Manuel Neuer im Interview "Ich spiele auch gern im Feld mit"

"Manchmal noch in Gedanken bei diesem grandiosen Erfolg": Manuel Neuer über die gewonnene Weltmeisterschaft

(Foto: dpa)

Im WM-Finale war Manuel Neuer nicht zu überwinden: Im SZ-Interview spricht der Nationaltorwart über seine denkwürdigen Begegnungen mit dem Argentinier Higuain, das beste Spiel des Lebens und seine riskante Rolle als Libero.

Von Klaus Hoeltzenbein und Philipp Selldorf

Eine der großen Lügen von Profifußballern ist ja die, dass sie sich angeblich nicht für die Spielnoten diverser Sportzeitschriften interessieren. Auf Nachfrage versichern sie stets, dass sie das nicht interessiert, dass die Leistung der Mannschaft entscheidend sei, und dass sie nur auf die Ansagen des Trainers hören würden. Manuel Neuer ist ein Profifußballer, dem diese Noten besonders egal sein könnten. Bester Torwart der WM, fast bester Fußballer Europas, inoffiziell wohl aktuell bester Torwart der Welt. Und Weltmeister, klar.

Aber auch ein Manuel Neuer schaut sich nach den Spielen an, welche Zensur ihm die Presse ausgestellt hat. "Ich habe auch schon das eine oder andere Bundesligaspiel gemacht, von dem ich dachte: Das war jetzt top. Nur hat es dann sonst kaum jemand mitbekommen und ich bekam die Note 3", sagt er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Mittwochsausgabe).

Manuel Neuer meint das Spiel vergangene Saison in Freiburg, 1:1 ging das aus, und wahrscheinlich hat damals tatsächlich kaum jemand außer ihm gemerkt, dass das eine gute Partie war. Anders als bei der WM. Da konnte es die ganze Welt nicht mehr leugnen. "Ich genieße es natürlich, Weltmeister zu sein, und bin auch manchmal noch in Gedanken bei diesem grandiosen Erfolg", sagt Neuer nun. "Trotzdem geht's jetzt wieder bei null los, man kriegt als Weltmeister keinen Vorsprung geschenkt, das habe ich beim Spiel gegen Argentinien gemerkt und mit dem FC Bayern beim Spiel in Schalke."

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Nach dem Spiel gegen Algerien bezeichnete ihn DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke als "besten Libero seit Franz Beckenbauer". Neuer sagt heute, das Spiel habe das "einfach so zugelassen. Die Algerier haben oft in den Raum gespielt, und der Platz war ein bisschen nass, so dass der Ball schneller wurde." Es gehe heute eben "darum, früher die Bälle zu erobern und schneller vor dem gegnerischen Tor zu sein. Und da muss ich als Torwart halt auch etwas offensiver spielen." Seine Hauptaufgabe, sehe er zwar weiterhin hauptsächlich im Strafraum "aber ich spiele auch gern im Feld mit." Die Schulterverletzung, die er sich vor der WM im DFB-Pokalfinale zugezogen hatte, sei kein Problem gewesen.

Hilfreiche Scharmützel

Die Aktion gegen Frankreichs Stürmer Karim Benzema, als Neuer in der letzten Minute einen knallharten Schuss nur durch Heben des rechten Arms klärte, sei für ihn nicht speziell gewesen. "Speziell daran war eigentlich nur, dass es eben die letzte Aktion des Spiels war." Es sei eben wichtig gewesen, die Konzentration zu halten. Bei einer WM würde das aber nicht so schwierig sein. Neuer erzählt, dass er während des Turniers oft im Bus neben dem Gladbacher Christoph Kramer saß. Sie hätten sich die Kopfhörer geteilt. "Er hat immer die Playlist erstellt. Das war sein Job. Ich kannte zwar die Lieder, aber ich bin nicht so der Typ, der die Songs alle selbst zusammensucht, da habe ich zu wenig Ahnung von."

Im Gegensatz zu seinem Vorbild Jens Lehmann agiert der Torwart des FC Bayern auf dem Spielfeld nie aggressiv. "Ich halte mich aus den hitzigen Szenen lieber raus, weil mich solche Sachen eher ablenken", sagt er, obwohl er sich "diese Scharmützel immer gern angeschaut, so ganz abgeneigt bin ich Lehmans Art des Torwartspiels nicht." Eventuell habe ihm das auch unbewusst in einer entscheidenden Szene des WM-Finals von Rio geholfen.

In der ersten Halbzeit lief Gonzalo Higuain nach einer verunglückten Rückgabe von Toni Kroos allein auf ihn zu. Neuer beschreibt die Szene so. "Ich stehe vor ihm und weiß nicht, was passiert. Ich konnte nicht viel machen, außer ruhig zu bleiben und gut vor ihm zu stehen. Am Ende kann ich da nur von Glück reden, dass er vorbeischießt. Oder es war doch dieser böse Blick von Jens Lehmann..."

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Später im Spiel kollidierte Neuer dann noch in einer umstrittenen Szene mit Gonzalo Higuain. Einige Schiedsrichter, darunter Hellmut Krug, sahen darin einen Elfmeter für Argentinien. Neuer gibt nun zu, Higuain gesehen zu haben. "Ich musste eine Entscheidung treffen. Für mich war wichtig, dass ich als Erster an den Ball komme und die Situation klären kann - und so war's ja dann auch. Aber ich habe auch mitbekommen, dass ich Higuain dabei wehgetan habe. Was ich nicht wollte", sagt Neuer zu der Szene.

Das komplette Interview lesen Sie in der Mittwochsausgabe der Süddeutschen Zeitung, auf dem iPad und Windows 8.