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Manuel Neuer beim FC Bayern:Ende der Diplomatie

03.03.2020, xjhx, Fussball DFB Pokal 1/4 Finale, FC Schalke 04 - FC Bayern Muenchen emspor, v.l. Manuel Neuer (FC Bayer

Seit 2011 spielt Manuel Neuer, der vor wenigen Tagen 34 Jahre alt geworden ist, für den FC Bayern. Nun fordert er angeblich einen Vertrag bis 2025.

(Foto: Jan Hübner/Imago)
  • Der Vertrag von Manuel Neuer endet 2021, dem Vernehmen nach fordert der Torhüter einen neuen Vertrag über fünf Jahre. Im Mai 2025 wäre Neuer 39 Jahre alt.
  • Beim FC Bayern registrieren sie derzeit verwundert, dass Neuer, der jahrelang mit seinem überdiplomatischen Auftreten kaum in einen Konflikt verwickelt worden war, auf einmal unerbittlich für die eigenen Interessen kämpft.

Oliver Kahn fehlten nicht mehr viele Tage bis zu seinem 39. Geburtstag, als er seine letzten Spiele als Fußballtorwart absolvierte, er gewann gegen Bielefeld, Duisburg und die Hertha, und vier Minuten, nachdem er ein letztes Mal überwunden worden war, von einem gewissen Waleri Domowtschijski, wurde er für immer ausgewechselt. Das war im Sommer 2008, auch schon ein paar Jahre her, und doch erklärt auch dieser Rückblick, warum Kahn wenige Monate vor seinem 51. Geburtstag eine klare Position eingenommen hat in der momentan vielleicht kompliziertesten Personal-Debatte des FC Bayern.

"Generell können Torhüter, wie ich ja auch selbst gezeigt habe, natürlich bis ins hohe Alter spielen", hat das Bayern-Vorstandsmitglied Kahn der Sport-Bild gesagt, es war ein Plädoyer dafür, den Vertrag mit dem aktuellen Münchner Stammtorwart Manuel Neuer zu verlängern. Der Vertrag des Kapitäns endet 2021, sein Berater ist vor wenigen Tagen an der Säbener Straße gesichtet worden, dem Vernehmen nach hat die Neuer-Seite dabei einen Fünf-Jahres-Vertrag gefordert - die Gespräche wurden vertagt. Im Mai 2025 wäre Neuer 39 Jahre und ein paar Tage alt.

Beim FC Bayern registrieren sie derzeit durchaus verwundert, dass Neuer, der jahrelang mit seinem überdiplomatischen Auftreten kaum in einen Konflikt verwickelt worden war, auf einmal unerbittlich für die eigenen Interessen kämpft. Sie wollen Neuer nicht verlieren, nicht in diesem Sommer, und eigentlich auch im nächsten nicht, obwohl sie den Schalker Alexander Nübel bereits als Nachfolger auserkoren haben. Nübel kommt im Juli, er soll ab und zu spielen, vor allem aber soll er von Neuer lernen, Kahn sagte dazu: "Die Möglichkeit, täglich mit dem besten Torwart der Welt zu arbeiten, haben nicht viele." Aber fünf Jahre lang? Neuers Vertrag liefe dann so lange wie der des 23 Jahre alten Nübel.

Neuer weiß, dass Kahn weiß, wovon er spricht

Kahns Aussagen sollen wohl helfen, das Neuer-Lager zu beruhigen. Thomas Müller, dessen Vertrag der Verein ebenfalls über 2021 hinaus verlängern will, seien "Identifikationsfiguren des Klubs, die für Erfolg und Kontinuität stehen", sagte Kahn - Sportdirektor Hasan Salihamidzic arbeite "zielorientiert und strukturiert an diesen Themen". Müller, 30, und die Bayern sollen nicht mehr weit auseinanderliegen in ihren Gesprächen, anders also als im Poker mit Neuer. Angeblich hat der Klub einen Vertrag bis 2023 angeboten.

Im hohen Fußballtorwartalter, hat Kahn noch gesagt, sei es "schon eine große Herausforderung, das hohe Niveau zu halten". Kahn kämpfte in seiner letzten Saison unter anderem mit einer Ellenbogenverletzung und mit Rückenproblemen - doch dass Neuer ehrgeizig genug ist, um seinen in den vergangenen Jahren immer wieder geplagten Körper entsprechend zu pflegen, daran zweifelt niemand. Ob Kahns Werben die Gespräche nun beschleunigen könnte, das wagt niemand vorherzusagen, geschadet haben werden sie schon einmal nicht. Neuer weiß ja, dass Kahn weiß, wovon er spricht.

Eingewechselt wurde für Kahn im Mai 2008 übrigens Michael Rensing, der jahrelang als Nachfolger aufgebaut worden war, dann aber schon bald den Verein verlassen sollte. Aber das ist wirklich eine andere Geschichte.

© SZ vom 02.04.2020/ska

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