Manuel Baum beim FC AugsburgWie ein Gegenentwurf zu Sandro Wagner

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Trainer Manuel Baum hat den FC Augsburg nach dem Sandro-Wagner-Experiment wieder stabilisiert.
Trainer Manuel Baum hat den FC Augsburg nach dem Sandro-Wagner-Experiment wieder stabilisiert. Swen Pförtner/dpa
  • Manuel Baum hat den FC Augsburg seit Dezember als Interimstrainer stabilisiert und zu einer der erfolgreichsten Mannschaften entwickelt.
  • Der ehemalige Lehrer arbeitet mit didaktischen Prinzipien, Bildern und Kurzgeschichten und reduzierte die Inhalte aufs Wesentliche.
  • In elf Spielen unter Baum sammelte nur Dortmund, Bayern, Hoffenheim und Stuttgart mehr Punkte als Augsburg.
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Holzstaffelei statt Videowand: Dem früheren Lehrer Manuel Baum gelingt beim FC Augsburg ein bemerkenswerter Aufschwung. Eines seiner Geheimnisse: Er reduziert Inhalte aufs Wesentliche.

Von Maik Rosner

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Einiges hat Manuel Baum in seinen fast drei Monaten als Interimstrainer des FC Augsburg nun schon aus seiner Erfahrungsschatzkiste gezogen, und dabei waren nicht nur Hammer, Nagel und Schraube, sondern auch Kurzgeschichten. Zum Beispiel die mit dem Schweizer Taschenmesser. Das Prinzip dieses Werkszeugs für unterwegs hatte Baum zum Vorbild für das Auswärtsspiel beim FC Bayern erhoben. Dort sollte seine Mannschaft wie ein Taschenmesser funktionieren. Je nachdem, welche Spieler auf dem Platz stünden, werde die Säge, die Schere oder ein anderes Werkzeug ausgeklappt, hatte Baum erklärt. Intern hatte er das Spiel für seine Mannschaft mit dem Titel „A Day to Remember“ überschrieben. Erinnerungswürdig wurde es vor gut einem Monat tatsächlich. Der FCA gewann beim FC Bayern 2:1, es ist bis heute die einzige Niederlage der Münchner in dieser Bundesligasaison.

Viele solcher Bilder und kleiner Geschichten hat Baum entworfen, seit er Anfang Dezember als Nachfolger von Sandro Wagner als Interimstrainer eingesprungen ist. Ursprünglich sollte er nur für drei Spiele bis zur Winterpause bleiben. Doch weil sich die Mannschaft mit dem ehemaligen Lehrer wohlfühlte und er sich mit ihr, wurde die Zusammenarbeit bis zum Saisonende ausgedehnt. Inzwischen ist Baums Schule so erfolgreich, dass sich der FC Augsburg beinahe unbemerkt vom Abstiegskandidaten zu einer der aktuell erfolgreichsten Mannschaften entwickelt hat. In den elf Spielen seit Baums Amtsantritt erwirtschafteten nur Borussia Dortmund, der FC Bayern, die TSG Hoffenheim und der VfB Stuttgart mehr Ertrag. In den sechs Spielen der Rückrunde hat der FCA 13 Punkte gesammelt, einzig Dortmund war mit 16 Zählern erfolgreicher. Sollten die Augsburger am Freitagabend gegen den 1. FC Köln gewinnen, könnten sie nach diesem Wochenende sogar als eine der punktbesten Mannschaften der zweiten Saisonhälfte grüßen. Voraussetzung dafür wäre, dass der BVB am Samstag gegen den FC Bayern verliert.

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Es ist eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte, die Baum gerade vorantreibt. Auch wenn sie das beim FC Augsburg so nicht sagen möchten, agiert der 46-Jährige wie ein Gegenentwurf zu Sandro Wagner, inhaltlich und im Auftreten. Schon im Trainingslager im Sommer hatten die Spieler von einem immensen Input berichtet, der manche offenbar überforderte. Als Baum Wagners Nachfolge antrat, war seine erste Amtshandlung, die Inhalte aufs Wesentliche zu reduzieren und der Mannschaft ein klares Handlungsgerüst zu vermitteln, das ihr zuvor offensichtlich gefehlt hatte. „Keep it simple“, gab er als Motto aus und ließ auch so spielen, einfach und geradlinig statt kompliziert und verschnörkelt.

Statt an der großen Videowand, die für Wagner angeschafft worden war, erklärte Baum seine Inhalte an einer schlichten Holzstaffelei. Immer wieder entwarf er Bilder und Kurzgeschichten, mit denen er das große Ganze veranschaulichte. Bei diesen pädagogischen Kniffen sprach er mal über die unterschiedliche Anwendung von Nägeln und Schrauben. Oder er erklärte, dass es im Fußball wie beim Autofahren Leitplanken und Linien brauche, damit es nicht chaotisch zugehe. Dennoch müsse es auch Freiräume für autonome, kreative Entscheidungen geben, ob fürs Überholen oder Dribbling. Baum findet: „Storytelling bis hin zum Spiel ist immer ganz wichtig.“ Stets führt er ein Heft mit sich, in dem er Gedanken und Ideen notiert, auch für die Story und Überschrift fürs nächste Spiel.

Storytelling bis hin zum Spiel ist immer ganz wichtig
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In der Bundesliga hatte er den FCA bereits von Dezember 2016 bis April 2019 trainiert. Anderthalb Jahre später schien er sich vom Trainerdasein verabschiedet zu haben. Damals hatte Baum beim FC Schalke ein kompliziertes Engagement hinter sich, das nach gerade einmal drei Monaten und vier Punkten aus zehn Spielen geendet hatte. Etwas leichtsinnig hatte er seiner Tochter danach ein Pferd versprochen, sobald er 100 Bundesligaspiele als Trainer absolviert habe. Baum stand damals kurz vor der runden Marke, glaubte aber nicht mehr an eine Rückkehr auf die Trainerbank. Nach seiner Zwischenstation als Sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums von RB Leipzig kehrte er zu Saisonbeginn zum FC Augsburg zurück. Als sogenannter Leiter Entwicklung und Fußball-Innovation, um dazu beizutragen, den Verein mittelfristig auf ein höheres Niveau zu heben. Als Interimstrainer sprang er nur ein, nachdem ihm zugesichert worden war, danach wieder in seine alte Rolle im Hintergrund zurückkehren zu dürfen.

Inzwischen darf sich seine Tochter über eine Reitbeteiligung freuen und die Augsburger über ihren bemerkenswerten Aufschwung. Beim FCA sind sie gerade sehr froh, wie der erfahrene Fußballlehrer die Mannschaft mit seinem Trainer-Know-how stabilisiert und auch spielerisch vorangebracht hat. Es wäre eine Pointe, wenn aus dem Schritt zurück mit Baum jene Weiterentwicklung entstehen sollte, die sie sich von Wagner erhofft hatten. Manche Beobachter finden bereits, der FCA habe seinen Trainer der Zukunft gefunden.

Zwischendurch hat Baum noch erzählt, dass er früher in einem Spiel wie beim FC Bayern vielleicht versucht hätte „zu beweisen, dass man was richtig cool Neues macht“. Und wenn er einst ein Fußballbuch geschrieben hätte, wäre er wohl auf „200 Seiten“ gekommen. „Jetzt hätte es wahrscheinlich fünf“, sagte Baum. Und lächelte.

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