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Manchester City:Warum die Fans die wahren Richter sind

FILE PHOTO: Champions League Quarter Final Second Leg - Manchester City v Tottenham Hotspur

Die Fans jubeln Manchester-City-Stürmer Raheem Sterling zu (Archivbild)

(Foto: REUTERS)

Nach dem Urteil zu Manchester City braut sich eine heikle Stimmungslage zusammen, sogar in der Premier League. Nun kommt es auf das Verhalten der Zuschauer an.

Kommentar von Thomas Kistner

Der detaillierte Urteilsspruch steht noch aus, mit dem der Sportgerichtshof Cas die Zweijahressperre für den Scheich-Klub Manchester City wegen Verstoßes gegen die Financial-Fairplay-Regeln des europäischen Fußballverbandes Uefa kassiert hat. Aber die Folgen werden bereits evident. Sie zeigen, dass dieses Urteil, wie immer es zustande gekommen sein mag, im Dickicht der Lausanner Spezialjustiz um den autonomen Milliardensport, keine der Qualitäten besitzt, die man von einem Richterspruch in einem Schlüsselverfahren zur Maßlosigkeit des Kickergeschäfts hat erwarten dürfen: Weisheit, Augenmaß, Bedacht.

Eine schlichte, direkte Folge ist, dass ManCity fortan als die Fratze des fußballerischen Manchester-Kapitalismus gelten dürfte. Zumal diesen Eindruck nun Ballfachkräfte befeuern wie der branchenintern gern als eine Art schwebendes Lichtwesen gesehene Pep Guardiola: Der Fußballlehrer findet, dass sich viele bei ManCity "entschuldigen" müssten und alle Mauschelvorwürfe widerlegt seien. So viel zum Pep. Grundsätzlich aber verstärkt der Spruch eine gefährliche Tendenz - naturgemäß die, die mit dem Finanzinstrument eingedämmt werden sollte: das Gefühl, dass nun wieder weitgehende Handlungsfreiheit am Spielermarkt besteht, weil der Cas Tür und Tor geöffnet hat, um breitbeinig auftretende Milliardeninvestoren durchzulassen. Hauptsache, ihre Schecks sind gedeckt und mit genug Nullen verziert, um die mediokren Kontrollinstanzen des Sports auszuhebeln.

Das Verdikt der Cas-Richter, die ja aus sport- und wirtschaftsnahen Bereichen stammen, signalisiert also, dass sich bald mehr solche Standorte wie Manchester City oder Paris Saint-Germain bilden könnten - ersterer ist in Besitz der Herrscherfamilie Abu Dhabis, letzterer steckt im Investment-Portfolio Katars.

Katerstimmung herrscht sogar in der englischen Premier League, wo selbst auf der Reservebank von Abstiegskandidaten viele Multimillionäre Platz finden. Welche Furcht da nun wieder anwächst, hat gerade Jürgen Klopp angesprochen. Wenn es keinerlei Finanzleitlinien mehr gibt, so der Liverpooler Meistercoach, würde dies "automatisch in eine Art globale Superliga mit zehn Klubs führen" - welche das dann sind, sei eh wurscht, weil sowieso nicht mehr der Vereinsname interessiere, sondern die Geldgeber, die sich das Spielzeug zurechtbasteln.

So kehrt die ewige Debatte um eine Liga der Superreichen zurück. Allerdings machen die Gierhälse der Fußballbranche - deren fragiles Gesamtkonstrukt gerade in der Corona-Pause entlarvt wurde, als auch hierzulande viele Klubs Insolvenzängste plagten - ihre Rechnung weiter ohne den Kunden. Das ist der Zuschauer, der diesen Hochseilakt über immer mehr Wege finanziert, von TV- und Streaminggebühren bis zum Sponsorprodukt. Er wird all das irgendwann satthaben. Angewiderte Fans: Sie könnten am Ende die wahren Richter über dieses Profigeschäft sein.

© SZ vom 16.07.2020
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